Reisebericht - Elbrus Anfang August 2008
verfasst am 11.09.2008
von Rainer Stahl
Ermutigt durch den erfolgreichen Aufstieg auf den Ararat im August des Jahres 2007 habe ich als eine meiner beiden Urlaubsreisen in diesem Jahr eine Reise in den Kaukasus mit Elbrus-Besteigung gebucht. Weil diese Reise in meinem traditionellen Reisebüro „Alpin-Schule Innsbruck“ nicht angeboten wurde, habe ich mich im Internet umgesehen und die angebotene Reise bei „Diamir-Erlebnisreisen“, Dresden, gebucht. Zwei Varianten gab es dort: eine kürzere mit Direktflug von München nach Mineralnyje Wody und zurück und kürzerem Aufenthalt im Kaukasus und eine längere von Frankfurt über Moskau, zu der auch noch ein halber Tag Besichtigung in Moskau gehört. Ich habe mich für die längere Reise entschieden und gehörte zu einer netten Gruppe von zwei Paaren und vier Einzelpersonen. Unser Führer vor Ort war Igor Novak, der aus der Ukraine ist und sommers über am Elbrus Bergbesteigungen führt. Am Ziel entdeckten wir, dass auch sein Sohn und seine Frau als Bergführer am Elbrus tätig sind. Uns begegnete im Lager am Berg dann auch die andere Gruppe: die „Münchner“. Sie hatte einen Tag später den Gipfelaufstieg und organisierte ihn anders als wir – dazu aber später mehr.
Schon am 29. Juli müssen wir uns auf den Weg machen, weil unser Abflug von Frankfurt wenige Minuten vor Mitternacht sein wird. Nach gutem Flug – auf dem ich sogar ganz gut schlafen konnte – kommen wir früh auf Scheremetjewo 2 in Moskau an und werden dort von einer Person, die von „Diamir-Erlebnisreisen“ verpflichtet war, abgeholt und problemlos zu Scheremetjewo 1 gefahren. Dort müssen wir auf die Eincheck-Zeit warten. In einer Wechselstube schläft die Mitarbeiterin hinter dem Fenster. Ich will warten, bis sie aufwachen wird, da tritt ein Russe rücksichtslos heran und weckt sie. Er wechselt Rubel in Euro – bekommt eine ganze Menge an Euro ausgezahlt. Danach kann ich erstmals 50,00 in Rubel eintauschen: 1.725,00 RUB. Nach einem kleinen Frühstück dort und etwas Ruhe geht es dann weiter zum nächsten Flug, der uns gut nach Mineralnyje Wody bringt. Bei der Ankunft um 12.00 Uhr Ortszeit regnet es. Frau Jelena holt uns ab und fährt mit uns im Bus nach Terskol – eine vierstündige Fahrt, die in einem Ort unterbrochen wird, weil unsere Pässe und Visa in einem Laden kopiert werden müssen. Um 16.30 Uhr sind wir im Hotel „Esjen“ im Ortsteil Tscheget. Dort lernen wir beim Abendessen unseren Bergführer Igor kennen, der unsere Ausrüstung prüft und für gut befindet. Das gemeinsame Biertrinken nach dem guten Abendessen wird durch einen Stromausfall im Hotel abgebrochen. In der Nacht werde ich von starkem Gewitter wach, auch früh regnet es stark.
So wird beim Frühstück am 31. Juli entschieden, dass wir uns um 10.00 Uhr treffen und sehen, was gemacht werden kann. Draußen sieht man nur Wolken – eigentlich keine Berge. Sind wir ins Flachland gefahren? Um 10.00 Uhr lässt der Regen nach. Wir fahren durch Terskol bis zur Liftstation in Azau und fahren eine Bahn auf bis auf 3.000 m. Von dort wandern wir an den Rand des Gletschers bis auf 3.250 m. Das Wetter wird ein bisschen besser, es regnet nicht mehr. Wir können dann, zur Bahnstation unten zurückgekehrt, sogar im Freien Mittag essen. So mache ich mich gleich nach der Rückkehr zu unserem Hotel auf den Weg und steige den steilen Weg in Richtung Tscheget auf, die Sessellifte „links“ liegen lassend. Ich schaffe noch 500 Höhenmeter, bis auf 2.610 m. Dann ist aber doch alles wieder wolkig, und ich kann nichts in der Ferne sehen. So kehre ich zum Hotel zurück.
Am 1. August tausche ich in der Wechselstube des neben unserem Hotel stehenden Sanatoriums noch mal 50,00 (1.750,00 RUB). Danach fahren wir mit den Sesselliften am Tscheget bis zu einer Höhe von 3.050 m auf. Von dort haben wir eine schöne Wanderung auf den Gipfel in Höhe von 3.460 m. Es ist eigentlich windstill, so dass wir uns eine Stunde lang auf dem Gipfel aufhalten können. Aber den Elbrus sehen wir nicht – nur den Gletscher, an dessen Rand wir tags vorher gewandert waren. Nach dem Mittagessen in einer Bar im Ortsteil Tscheget packe ich schon für den morgigen Tag. Danach mache ich einen Spaziergang durch den kleinen Ortsteil und schaue in die verschiedenen Verkaufsstände hinein. Ich kaufe mir schon jetzt den Bildband von Mikhail Litvinsky: Mt. Elbrus. The Peak of Europe. Er kostet mich 750,00 RUB. Später entdecke ich, dass es das Buch auch in unserem Hotel gibt. Dort aber hätte es 1.200,00RUB gekostet …
Am 2. August geht es nun in das Basislager am Elbrus hinauf. Wir fahren wieder mit der Bahn wie am ersten Tag von Azau aus. Dann geht es noch eine weitere Bahn hinauf bis zur Station „Frieden“. Von dort bringt uns ein Sessellift bis zum Lager auf 3.700 m Höhe. Während der Fahrt auf dem Stuhl des Sessellifts durchstoßen wir die Wolken und finden uns unter blauem Himmel wieder. Vom Lager aus sehe ich auch erstmals den Elbrus. Leichte Wolken wehen um seine beiden Gipfel. Ich bekomme meinen Platz im Viererabteil von Botschki 1 angewiesen, neben mir wird Stefan aus Dresden untergebracht, vorne im Zweierabteil schlafen David aus Zweibrücken und Stefan aus Abstatt. Es gibt gleich ein gutes Mittagessen. Unsere Köchin ist Frau Mariam, die zusammen mit den Kolleginnen wirklich großartig für uns sorgt. Die beiden Klos im Lager sind sehr gewöhnungsbedürftig; ich passe mich aber an sie an – was bleibt einem übrig? Und: Interessanterweise gibt es nie ein wirkliches Gedrängel vor ihnen. Obwohl über zehn Schlaftonnen und -baracken im Lager stehen, gehen wir uns doch irgendwie aus dem Weg. In unserem Botschki sind noch zwei Japaner, die gerade auf dem Rückweg vom Gipfel sind. Morgen werden sie ausziehen und dann noch Peter und Bettina aus Bad Friedrichshall zu uns kommen, die erst in der Bergführer-Tonne unter gekommen waren. Wilfried und Anett aus Chemnitz bekommen Quartier in der Köchinnen-Baracke und werden am nächsten Tag in Botschki 2 unterkommen. Ab 13.00 Uhr wandern wir zu einer ersten Besteigung bis zu „Prijut 11“ 360 Höhenmeter auf 4.050 m auf. Jetzt steht dort eine Hütte, die inzwischen aufgebaut ist und Leute beherbergt, die wohl am nächsten Tag den „Gipfelsturm“ in Angriff nehmen wollen. Wenige Meter oberhalb ist eine Baustelle, auf der einige Arbeiter herumstehen. Dort soll eine neue große, vieretagige Hütte entstehen, die Schlafräume, aber auch eine Gaststätte umfassen wird. Wann man da wohl mit der Arbeit fertig sein wird? Das Wetter ist wechselnd: Wolken, Wind, z.T. schöne Aussicht, z.T. wolkenverhangen. Es wird also wechselnd bleiben.
Am 3. August ist dann der zweite „Probelauf“ – der Aufstieg zu den „Pastuchow-Felsen“. Nach 10.00 Uhr gehen wir los. Z.T. schaffe ich es, den recht schnellen Aufstieg mit zu machen. In der steileren Phase aber werde ich aber – ohne dass ich das recht merke – zum Letzten der Gruppe. Als Wolken, starker Wind und Schneefall aufkommen, entdecke ich, dass ich die Verbindung zur Gruppe verloren habe: Ich sehen niemanden mehr. Aber ich gehe tapfer weiter. Es werden Pausen nötig, denn ich muss mir die Überhose anziehen, die Mütze aus dem Rucksack herausholen, die Kapuze überziehen. Unterhalb der Felsen lege ich sogar die Steigeisen an. Dann sehe ich eine Steigeisen-Spur, die in den Felsbereich hineinführt. Ihr folge ich nach rechts. Dann aber treffe ich auf die Urheber – Leute, die ich nicht kenne. Ich gehe durch den Felsenbereich hindurch. Mein Höhenmesser zeigt 4.730 m, so dass ich denke, ich müsse noch weitersteigen. Über mir erhebt sich ein Berg – in Wahrheit der Ostgipfel. Da höre ich Rufe: „Rainer“. Und entdecke links von mir meine Gruppe. Dort berichtet man mir, man habe 40 Minuten auf mich gewartet. War ich so langsam? Ich jedenfalls bin gegen 14.00 Uhr am Ziel angekommen. Ich habe also vier Stunden für 1.100 Höhenmeter gebraucht. Ist das so schlecht? Nach der Rückkehr im Lager machen wir um 19.00 Uhr eine Beratung in unserem Botschki: Was wollen wir morgen tun? Aufsteigen? Oder den Aufstieg um einen Tag verschieben? Es wird deutlich, dass wir mit den Raupenfahrzeugen nicht mehr fahren können, wir hätten sie schon bis 16.00 Uhr mieten müssen. Igor legt in der Beratung dar, dass wir am Aufstiegstag langsam aufsteigen werden – vier Stunden bis zu den Pastuchow-Felsen. Aber so „schnell“ bin ich doch heute gegangen?! Wir entscheiden, dass wir den nächsten Tag nutzen wollen und auch bereit sind, alles zu gehen. Igor schildert die Situation so: Wir werden 1,9 km aufsteigen und dabei einen Weg von 11 km zurücklegen. Nur Stefan aus Dresden favorisiert den übernächsten Tag, muss aber nun mitziehen.
Am 4. August klingelt mein Wecker um 2.00 Uhr. Die Nacht war nicht gut. Ich hatte ein sehr starkes Pulsgeräusch am Kopf, das mich deutlich am Schlafen gestört hat. Aber nun soll es beginnen: Der Himmel ist wolkenlos, und die Sterne leuchten. Das Frühstück ist wohlschmeckend und gibt Kraft. Kurz nach 3.00 Uhr geht es los. Wegen der Morgenkälte ist der Schnee sehr schön fest. Bald auch legen wir die Steigeisen an und kommen gut voran. Gegen 7.00 Uhr sind wir an den Pastuchow-Felsen und leisten uns eine kleine Pause. Igor legt sich hin und rollt sich ein wenig zusammen. Er findet, dass Essen und Trinken nicht nötig seien. Dann geht es weiter. Der Weg ist jetzt doch recht steil. Serpentinen sind nicht vorgesehen. Ich gehe versuchsweise in Serpentinenform und komme so recht gut voran. Ich werde aber doch der Letzte. Bald muss ich – wie alle anderen – immer wieder stehen bleiben und nach Luft schnappen. Die Höhe merke ich jetzt mehr als vor einem Jahr am Ararat. Dort war dieses Gefühl, Kraft schöpfen zu müssen, so gar nicht! Bei 5.000 Höhenmetern machen wir wieder eine Rast, aber nur sehr kurz. Ich komme gar nicht zur Ruhe. Dann geht es schon weiter. Der weitere Aufstieg sieht von unten wie eine Ausruhtour aus, ist aber in Wahrheit recht steil. Es ist sehr anstrengend. Mich motiviert die Aussage von Igor, dass es im Sattel normalerweise windstill sei und wir dort eine etwa zwanzigminütige Pause machen können. Aber es wird nicht windstill. Der Wind wird stärker, es wird nebliger, ich kann die Gruppe kaum noch sehen. Neben mir geht einer der beiden Assistenzführer – Aleksej. Ihre Aufgabe ist es, keinen aus den Augen zu verlieren und uns im Zweifelsfall zu helfen. Im Sattel zwischen den beiden Gipfeln – 5.200 m – treffe ich wieder auf Stefan aus Abstatt, unsere Gruppe ist weiter höher. Wir essen ein wenig – für mich wieder eine zu kurze und zu wenig effiziente Pause. Dann schließen wir auf 5.300 m zur Gruppe auf. Dort werde ich überredet, doch noch bis aufs Plateau wenigstens mit zu gehen. Also mache ich mich wieder tapfer auf den Weg. Ich merke, dass es meiner Gruppe auch sehr schwer fällt. Aber ich kann den Zusammenhang mit ihr nicht erhalten. Mir fehlt das Gefühl, zusammen mit anderen zu kämpfen. Emotional fühle ich mich – trotz der Begleitung durch Aleksei – in der Situation eines Einzelwanderers. Und so treffe ich eine Entscheidung, die ich bei Wanderungen allein immer treffe: die Rückkehr ist das Wichtigste. In der Höhe von 5.440 m entscheide ich, dass ich umkehre. Ich sehe die Gruppe nicht mehr, ich sehe keinen Gipfel, der Wind wird stärker, ich weiß nicht, was mich in den nächsten 200 Höhenmetern erwartet. Aleksej gibt mir zu verstehen, dass er meine bisherige Leistung sehr honoriert und steigt mit mir zusammen ab. Damit bin ich weiter gekommen als viele andere. Manche konnten ja gar nicht aufsteigen. Deutlich bin ich über die Höhe des Ararat hinaus gekommen. Aleksej und ich gehen zusammen zurück. Wir teilen Trinken und Essen. Aleksej zeigt mir, wie man einige Strecken auf dem Hintern hinunterrutscht. Er weist zweimal auf Insekten hin, die auf dem Schnee gelandet sind. Dann liest er Unrat auf, den die Touristen weggeworfen haben. Auch ich trage eine Flasche mit hinunter. Das gefällt mir sehr, sammle ich bei Wanderungen allein in den Alpen doch auch manchmal Abfall auf und bringe ihn mit hinunter zu einem Mülleimer. Auf der Höhe von „Prijut 11“ gelingt es ihm, uns in ein Kettenfahrzeug zu vermitteln, das nach Warentransport zurück fährt und dabei Wanderer mitnimmt. Wir sind acht, neun Leute. Alle anderen Russen. Die zahlen nichts. Aleksej sowieso als Bergführer nicht. Ich muss dann 400,00 RUB bezahlen. Aber das ist ja kein Problem. So bin ich an diesem Tag 1.740 Höhenmeter aufgestiegen und wieder gesund und gut nach 15.00 Uhr im Lager angekommen. Gleich bekomme ich von Mariam Suppe zum Mittagessen. Zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr kommen die anderen zurück. Sie waren alle auf dem Gipfel, wenn es auch nicht leicht gefallen ist. Peter meint, dass ich mich richtig entschieden habe. Gerade nach dem Plateau ist der Weg noch schwierig geworden, dort seien auch vor wenigen Tagen zwei Deutsche abgestürzt – und wir waren ja nicht angeseilt … Beim Abendessen sitzt die andere „Diamir-Gruppe“ neben uns. Sie wird morgen auf den Gipfel aufsteigen. Allerdings haben sie die Kettenfahrzeuge gemietet und werden bis knapp unter die Pastuchow-Felsen auffahren …
In der Nacht zum 5. August habe ich großartig geschlafen. Ich habe 90 Blutdruck gemessen – nach diesem Wandertag. Aber der Puls hat mich nicht gestört. Beim Aufstehen um 8.00 Uhr regnet und schneit es. Gut, dass wir gestern auf den Berg gegangen sind. Natürlich habe ich auch meine Zweifel, dass ich abgebrochen habe. Aber ich denke, dass ich für mich eine großartige Leistung vollbracht habe. In der Entscheidungsminute haben für mich nur zwei Dinge gezählt: Dass ich gut wieder hinunter komme, weil ich glaube, dass ich noch gebraucht werde. Und: dass ein Gipfelerlebnis in Wolken mir sinnlos schien. Der Regen nimmt zu. Die Existenz im Lager wird dann doch grenzwertig. Gut, dass wir heute wieder hinunter fahren. Beim Frühstück übergebe ich unser Trinkgeld an die Küche und an Mariam und halte dazu eine kleine Rede in russischer Sprache:„Liebe Frau Mariam, liebe Frauen in der Küche, wir zusammen danken Ihnen für Ihre Arbeit in der Küche. Alles war sehr schmackhaft. Wir wünschen Ihnen, dass die zukünftigen Besucher dankbar sein werden. Wir wünschen Ihnen, dass Gott mit Ihnen ist. Herzlichen Dank.“ Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Frau Mariam sehr bewegt ist. Ob sich viele Gäste die Mühe machen, in russischer Sprache zu danken – wenn auch mit Fehlern behaftet? Bei der Fahrt hinunter haben Wilfried, Anett und ich etwas Aufenthalt auf einer Station – wir waren nicht mehr mit der überfüllten Bahn mitgekommen. Dort entdecken wir das Photo eines alten Mannes vor dem Berg Elbrus. Die Texttafel darunter informiert:„Für Lichanow Jokka Aselanowitsch. 209mal stieg er auf den Elbrus. Den letzten Aufstieg auf den östlichen Gipfel des Elbrus führte er am Tag seines 110. Jahres im Jahr 1968 durch.“ Nach der Fahrt hinunter ins Tal und in unser Hotel in Terskol duschen wir alle erst einmal richtig. Dann gibt es ein Mittagessen in einer Bar. Danach schlafe ich über eine Stunde. Nun denke ich, dass ich nach Terskol gehen könnte, biege aber bald in einen Waldweg ein und habe einen schönen Spaziergang den Azau entlang bis zur Einmündung des von Süden kommenden Quellflusses des Baksan, des Kogutaika. Inzwischen sind die Wolken verweht, der Himmel blau, und die Sonne scheint. Endlich fühle ich mich richtig in einem Bergurlaub. Abends gibt es beim Abendessen die Urkunden. Als Letzter bekomme ich sogar eine! Für Igor gilt die erreichte Höhe von über 5.400 m als Erfolg. Ein wenig habe ich das Gefühl, dass für ihn als Bergführer dieser Gesamterfolg der Gruppe günstig ist – statistisch gesehen und gegenüber den Vorgesetzten. O.K.! Ich freue mich über meine Urkunde. Nun ist dokumentiert, dass ich „successfully climbed Mt. Elbrus 5642 m“. Nach dem Abendessen sind wir noch als Gruppe in eine andere Gaststätte gegangen, haben Bier und dann auch Wodka (Marke „Elbrus“) getrunken. Um 23.00 Uhr bin ich nach Hause zurückgekehrt.
Am 6. August vereinbaren wir zwei Vorhaben: Wir wollen erst auf den Tscheget auffahren, um Photos vom Elbrus machen zu können. Um 12.00 Uhr sollen wir wieder am Hotel sein, dann wird Igor ein Teil des Programms des ersten Tages mit uns durchführen. Gegen 9.20 Uhr müssen wir feststellen, dass die Bahnen nicht fahren: „Segodnä net!“ Warum, wird uns nicht deutlich. So steigen wir eben direkt auf, finden auch bald eine Stelle, von der aus die Gipfel des Elbrus zu sehen sind. Ich gehe etwa 400 Höhenmeter hinauf, setze mich dann aber ins Gras in die Sonne und bereite mit Hilfe des Wörterbuches von Wilfried und Anett aus Chemnitz die kleine Rede für Igor für den Abend vor. Um 12.00 Uhr geht es dann vom Hotel zu Fuß das Azau-Baksan-Tal hinunter. Beim Verlassen des Ortsbereiches entdecken wir den Grund für die Pause im Betrieb der Bahnen: Ein Elektromast ist beinahe umgefallen und muss stabilisiert werden. Zur Zeit ist überhaupt kein Strom da. Heute geht es zu den Narzan-Mineral-Quellen. Das Wasser ist hochgradig eisenhaltig, schmeckt mir aber sehr gut. Dort gibt es dann auch ein wunderbares Mittagessen mit Fleischspießen. Danach geht es zu Fuß zurück ins Hotel. Endlich ist Sommerwetter. Nach zehn Tagen erstmals in der Region. Beim Abendessen danke ich dann im Namen aller Igor für seinen Einsatz: „Lieber Herr Igor, wir gemeinsam danken auch Ihnen, dass Sie unser Führer (Lider) gewesen sind. Ein Kommentar: Das Wort ‚Lider‘ ist modern. Das traditionelle Wort lautet ‚Woschd‘(Voxdò). Und ‚Woschd‘war Joseph Wissarionowitsch Stalin! Sie haben für unsere Gruppe sehr gut gearbeitet. Ich nenne zwei Punkte: Erstens: Sie sind ein großer Telephonierer. Sie haben alle Aspekte sehr effektiv organisiert. Zweitens: Sie sind wie ein Führer gewandert, und wir sind selbständig gewandert. Unser Erfolg – das war unsere Arbeit. Wir danken Ihnen und Ihren Kollegen Jelena, Aleksej und Albert. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie – Ihrer Frau und Ihrem Sohn –, dass Gott mit Ihnen ist. Herzlichen Dank!“ Nach dem Abendessen gehen wir wieder auf den Platz im Ortsteil Tscheget und kehren in eine andere Gaststätte ein. Dort trinken wir wieder unser schon gewohntes Bier „Staryj Melnik“ („Alte Mühle“). Die in der Karte ausgewiesenen Snacks gibt es nicht, man muss sie sich im Laden nebenan kaufen, der wirklich um 21.00 Uhr noch geöffnet hat. Ich kaufe noch Sonnenblumenkerne dazu. Wir haben uns als Gesamtrechnung nach der Karte 650,00 RUB ausgerechnet. Als die Rechnung kommt, will man zwei Drittel mehr von uns. Da sagen wir standhaft „Net!“ Stefan aus Abstatt geht los und holt Igor. Als deutlich wird, dass unser Bergführer kommt, streicht die Bedienung den Betrag sofort durch und schreibt 650,00 RUB auf die Rechnung. Da hat man versucht, uns dreist zu betrügen …Im Anschluss gehe ich noch kurz zur großen Feier der anderen „Diamir-Gruppe“. Dort wird getanzt! Merkwürdig, dass für uns eine solche Feier nicht organisiert worden ist. Ich gehe gegen 23.00 Uhr. Am nächsten Morgen erfahre ich, dass alles noch viel länger gegangen ist. Besonders auch, dass gegen 0.30 Uhr dann für die Bergführer noch Essen und Wein aufgetischt wurden. Und so schläft dann Igor bei der Fahrt nach Mineralnye Wody am nächsten Tag meistens im Bus …
Am 7. August sind wir gut von Terskol nach Mineralnyje Wody gebracht worden. Bei einer kurzen Pause trinke ich an einem mobilen Stand ein kleines Glas Quas – 0,2 l kosten 7,00 RUB. In sowjetischen Zeiten war das doch ein Kopekengeschäft – wenn ich mich recht erinnere… Igor hat uns beim Einchecken bis zur letzten Gepäck- und Personenkontrolle begleitet und alles hervorragend beaufsichtigt. Ein guter Flug bringt uns nach Moskau. Auf das Gepäck müssen wir fast eine Stunde warten. Dann werden wir wieder von einem Begleiter abgeholt, der uns in mehr als einer Stunde zum Hotel „Ismailowo“ fährt. Ich tausche gleich noch einmal 50,00: 1.750,00 RUB. Wir verabreden uns in einer halben Stunde und fahren dann gemeinsam von der Station „Partisanskaja“ – die die Metro-Station in der Nähe des Hotels ist – in die Stadt hinein. Von der Station „Ploschchadj Revoljuzii“ aus erkunden wir den „Manege-Platz“, den „Roten Platz“, das „GUM“, essen zu Abend, gehen um den Kreml herum und bis in das Stadtviertel Arbat. Von der Station „Arbatskaja“ aus geht es wieder nach Hause. Im Hotel sitzen wir noch ein wenig beim Bier zusammen.
Am 8. August beginnt der letzte Tag der Reise. Pünktlich vor 9.00 Uhr ist unsere Reiseleiterin Frau Ludmilla da. Wir haben folgende Programmpunkte: Die Sperlingsberge mit der Universität im Rücken – ein großartiger Blick über Moskau, ein Blick auf das „Neue Jungfrauenkloster“, dann der Weg über den „Roten Platz“ und durch das Kaufhaus „GUM“. Ich spreche Frau Ludmilla wegen der Idee des Besuchs der evangelisch-lutherischen Peter-und-Pauls-Kathedrale in der Starosadskij-Gasse an. Sie weiß davon nichts, obwohl doch schon vor Monaten diese Idee von „Diamir-Reisen“ an den Partner in Russland weitervermittelt worden ist. Sie will aber die Möglichkeit mit dem Fahrer diskutieren. Schließlich muss ich noch mit meinem Stadtplan helfen und zeigen, wo diese Straße ist. Wir fahren dann auch dorthin in die Nähe, müssten aber zu Fuß weitergehen. Auch wissen wir nicht so ganz hundertprozentig, wo wir sind. So entscheidet die Gruppe gemeinsam, diese Idee fallen zu lassen. Weil die Telephonnummer in meinem Hauptgepäck ist, rufe ich in Erlangen an und bitte, bei der Kirche anzurufen und mitzuteilen, dass der Besuch nichts wird. Wir haben den Bus auch nur bis 13.00 Uhr und müssen bis dahin schon auf dem Flughafen sein. Dadurch ist wirklich nicht genug Zeit – obwohl das Flugzeug erst nach 16.00 Uhr starten wird. Aber, es ist Freitag und mit vielen Staus zu rechnen … Frau Ludmilla gibt hervorragende Kommentare zur Geschichte der Stadt und zu den Gebäuden und Denkmälern, die wir sehen. Gegen Ende weist sie sogar auf Unterschiede im Gottesdienst zwischen Ost- und Westkirche hin, woraus deutlich wird, dass sie selbst offensichtlich praktizierendes Kirchenmitglied ist. Als sie dann auf dem Weg zum Flughafen aussteigt und nach Hause geht, kommt mir die Frage auf: Was ist das für ein Leben? Für einen halben Tag mit einer Reisegruppe zusammen durch Moskau fahren. Und dann auf das nächste Engagement hoffen. Frau Ludmilla hat sich als Germanistin vorgestellt. Ihre deutsche Aussprache ist sehr stark vom Russischen geprägt, was mir aber keine Beschwerden bereitet. Sicher hat sie keine Gelegenheiten, durch Besuche in Deutschland unsere Phonetik besser zu lernen. So spüren wir am Ende unserer Reise noch einmal, wie wichtig für die Lebensexistenz vieler Menschen die Tatsache ist, dass wir uns auf den Weg gemacht haben – und haben auf den Weg machen können! Das Einchecken ist problemlos. Interessanterweise bleibt mir der landesinterne Meldezettel erhalten, auf dem dokumentiert ist, dass wir in der „ Kabardino-Balkarischen Republik“, im Bezirk „Elbrus“, in der Stadt „Terskol“, im Hotel „Esjen“ gewesen sind. Den Zettel hebe ich mir auf, denn trotz vieler Reisen nach Russland habe ich diesen internen Meldezettel, den Hotels z.B. ausstellen, noch nie gesehen!
So geht eine hochinteressante Reise gut zu Ende. In Frankfurt verabschieden wir uns voneinander. Anett aus Chemnitz hat alle E-Mail- und anderen Adressen. Wir werden von ihr hören. Mal sehen, wie der Austausch von Bildern klappen wird.
Rainer Stahl, Erlangen
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Marsch entlang des Gletschers |
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Leider erlaubr das neblige und wolkige Wetter keine weiten Aussichten |
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Basislager am Elbrus |
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Ankunft im Botschki |
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Gemeinsames Beisamensein bei schmackhaftem Essen |
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"Probelauf" an den „Pastuchow-Felsen" |
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Aufstieg zum Gipfel |
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„Für Lichanow Jokka Aselanowitsch. 209mal stieg er auf den Elbrus. Den letzten Aufstieg auf den östlichen Gipfel des Elbrus führte er am Tag seines 110. Jahres im Jahr 1968 durch.“ |
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Die ersehnten wunderschönen Aussichten. |
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Beim Abendessen danke ich dann im Namen aller Igor für seinen Einsatz. |
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Moskau |
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