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Reisebericht

Argentinien, Chile - Der höchste Berg Amerikas – Aconcagua (6962 m)

Reisebericht Aconcagua-Expedition 2003
verfasst am 06.06.2003 von Madlen Kind

Aconcagua – 6959m – der höchste Berg Amerikas! Ende Januar führte mich als Teilnehmer der DIAMIR-Aconcagua-Expedition 2003 eine dreiwöchige Reise dorthin, die ebenso erlebnisreich wie schön gewesen ist. Mit diesem kleinen Tourenbericht möchte ich die Reise für alle nacherlebbar beschreiben, die sich vielleicht selbst einmal für diese Gipfelbesteigung interessieren…
 
24.01.2003  Hinflug
19.25 Uhr starten wir ab Berlin Tegel auf unsere große Reise nach Südamerika. Der Flug geht über Paris nach Buenos Aires
 
25.01.2003  Buenos Aires
Am frühen Morgen landen wir in Buenos Aires. Das Wetter ist bestens und wir erleben einen ganzen Tag lang außerordentlich viel von einer der schönsten Großstädte der Welt. Am Abend geht es in einem typisch argentinischen Steakhaus zünftig zur Sache, aber auch unsere beiden Vegetarier in der Truppe kommen am Salatbuffet auf Ihre Kosten…
 
26.01.2003  Buenos Aires - Mendoza
Am Morgen besichtigen wir in Buenos Aires noch das wunderschöne Hafenviertel Boca, den berühmten Trödelmarkt und das Grab von Eva Peron in Recoleta. Nachmittags geht es per zweistündigem Flug weiter nach Mendoza, der Weinstadt zu Füßen der Kordilleren.
 
27.01.2003  Mendoza - Penitentes
Nach der Besorgung der Besteigungspermits für den Aconcagua im Nationalparkbüro kaufen wir im Supermarkt noch letzte Verpflegung ein. Gut ist, daß unser Expeditionsleiter Markus dafür die Meinung aller einholt und die hier hinzugekaufte Verpflegung auf die unterschiedlichen Geschmäcker abstimmt. Danach fahren wir über die gut ausgebaute Straße nach Penitentes, einem kleinen Skiort direkt an der Paßstraße nach Chile. Den Nachmittag nutzen wir dort für eine Akklimatisationswanderung.
 
28.01.2003  Penitentes - Confluencia
Heute heißt es zeitig aufstehen.
Die erste Trekkingetappe ist eher gemütlich und führt uns ins Zwischenlager Confluencia. Es ist verdammt heiß und die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel…
 
29.01.2003  Plaza de Francia
Der Ruhe- und Akklimatisationstag wird für einen Ausflug unter die gewaltige Südwand des Aconcagua genutzt. Wir gehen extrem langsam, aber dadurch kommt man wenigstens nicht außer Atem. Jörg tritt aus Versehen in eine Schlammrinne und versinkt sofort bis weit über den Knöchel in der braunen Pampe – schöne Bescherung! Dafür entschädigt der herrliche Blick auf die gewaltige Südwand. Wir glauben sogar, durchs Teleobjektiv Leute auf dem Gipfel zu erkennen, aber sicher sind wir uns nicht. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Gletschersee vorbei. Die Verlockung ist groß und so lassen wir uns zu einem kurzen Vollbad verleiten. Im eisigen Wasser hält man es natürlich nur eine reichliche Minute aus, doch es erfrischt ungemein. Zurück im Camp geht es allen gut und wir fühlen uns fit für die morgige letzte Etappe ins Basecamp…
 
30.01.2003  Confluencia - BC
Die letzte Trekkingetappe hat es in sich: schier endlos zieht sich das lange, flache Tal. Mehrfach ist dabei der Rio Horcones zu überqueren, der hier oben zum Glück nur ein kleiner Bach ist, denn es gibt keine Brücken. Manchmal muß man von Stein zu Stein springen oder einen ganz weiten Satz machen, um trocken rüberzukommen. Aber auch wenn man mal reintritt, ist das Wasser nicht tief.
Im Basislager richten wir uns häuslich ein und bauen gemeinsam unsere Zelte auf. Ein geräumiges Essenszelt steht uns zur Verfügung und das Küchenteam erwartet uns schon. Am Abend bereitet die in der Sonne rotglühende Westwand des Aconcagua ein faszinierendes Schauspiel…
 
31.01.2003  Ruhetag BC
Nach dem gemütlichen Ausschlafen gibt’s 9.15 Uhr Frühstück und anschließend gegen 11 Uhr gibt Markus eine detaillierte Einweisung in die Hochlager-Ausrüstung und –Verpflegung. Es ist für jeden Geschmack absolut reichlich Verpflegung dabei und Markus hat für alles gesorgt – von der Seite her sollte es also keinerlei Probleme geben. Nach dem Mittagessen (13 Uhr) steht der Nachmittag für einen kurzen Spaziergang rund ums Lager zur Verfügung. Das Wetter ist prächtig und allen geht es gut.
 
01.02.2003  Cerro Bonete
 
Heute haben wir den Wecker bereits auf 6.40 Uhr gestellt. Die erste ernsthafte Akklimatisationstour vom Basislager aus steht auf dem Programm. 7 Uhr gibt es Frühstück, doch ehe alle abmarschfertig sind, ist es 8 Uhr. Ziel unserer Tagestour ist der 5013m hohe Cerro Bonete – ein sehr schöner Aussichtsberg auf der anderen Talseite. Der Weg führt zunächst flach hinüber, dann teils steil in Serpentinen ansteigend immer über Schutt und Geröll bergan. Schon 10.45 Uhr erreichen die ersten den Gipfel. Ehe der Letzte oben steht, ist es 12.00 Uhr, doch es ist schön, daß die gesamte Gruppe den Aufstieg geschafft hat! Zu elft stehen wir auf dem Gipfel und genießen den Blick auf unser nächstes, um einiges höheres Ziel.
12.30 Uhr beginnen wir mit dem Abstieg. Zunächst gehen wir über den Grat in Richtung eines Vorgipfels, während einige von uns direkt auf dem Aufstiegsweg zurückgehen. Der Vorgipfel läßt sich dann aber wegen Brüchigkeit doch nicht besteigen. Es ist ein ganz übler kleinsplittriger Haufen, der zwar eine schöne Aussicht geboten hätte, aber ein Risiko in keinem Fall wert ist.
14.00 Uhr erreichen wir wieder die Berghütte im Tal und nach einer Rast in weiteren 30 Minuten das Basislager.
Heute war ein sehr schöner, wenn auch bereits etwas anstrengender Tag!
 
02.02.2003  Ruhetag BC
Heute ist wieder Ruhetag und damit Ausschlafen angesagt. Erst nach 9 Uhr frühstücken wir in aller Ruhe und dann beschäftigt sich jeder mit seiner Ausrüstung bzw. unternimmt kleine Wanderungen.
Viel passiert heute nicht, aber da wir morgen dann erstmals ins Lager 1 starten wollen, kriechen wir zeitig in die Schlafsäcke…
 
03.02.2003  Aufstieg L1
Schon 6.20 Uhr piepst der Wecker, kurz darauf sitzen wir in der Kälte des Morgens im Mannschaftszelt und wärmen uns an heißem Tee und Kaffee. Dann geht es los und gemeinsam steigen wir auf in Richtung Lager 1. Der Weg ist etwas monoton, aber je höher man kommt, desto schönere Blicke hat man auf die umliegenden Berge. Am Nachmittag erreichen wir schließlich das auf etwa 5350m Höhe gelegene Lager und bauen die zelte auf. Während einige noch am selben Nachmittag wieder ins Basislager absteigen, wollen wir zur Akklimatisation hier oben übernachten.
Ein Gipfelaufstieg ist natürlich noch längst nicht geplant, doch wie so oft kommt es anders…
Am Abend kommt der Funkspruch aus dem Basislager, daß es Rolf (der heute nicht mitgegangen ist) nicht gut geht. Während die anderen morgen oder übermorgen alle wieder aufsteigen wollen. Rolf muß eventuell zurück ins Tal, um sich von der Höhe zu erholen. Das Problem ist, daß er kaum englisch und gleich gar kein spanisch spricht. Markus als Expeditionsleiter schlägt vor, morgen zusammen mit Rolf nach Penitentes abzusteigen und danach wieder hinauf ins Basecamp zu kommen, um uns beim Gipfelsturm zu begleiten. Das sehen zwar alle ein, aber begeistert ist natürlich keiner, denn wer weiß wie lange das Wetter hält und ob Markus dann nicht zu spät kommt. Andererseits ist seine Erfahrung ein großes Sicherheitsplus und jeder hätte ihn gern beim Aufstieg dabei. Lange diskutieren wir alle Varianten durch und schließlich biete ich an, Rolf zu begleiten. Das will wiederum Markus nicht, denn jeder, der die Expedition bezahlt hat, soll eine faire Gipfelchance bekommen. So geht das hin und her. Letztendlich fragt Markus mich überraschend, ob ich mir denn zutrauen würde, eventuell schon morgen in Richtung Gipfel zu gehen, um dann übermorgen hinunterzugehen und mich um Rolf zu kümmern. Ich bin überrascht, aber da ich mich ausgezeichnet fühle und vom Muztagh Ata her weiß, daß ich sehr gut mit der Höhe klar komme, willige ich ein, es wenigstens zu versuchen. Die anderen kümmern sich inzwischen im Basislager um Rolf und es zeigt sich einmal mehr, daß alle ein Team sind, wie es sich an einem solchen Berg gehört.
 
04.02.2003  1. Gipfelerfolg
Bereits 2.22 Uhr reißt uns der Wecker unsanft aus unseren Träumen – wenigstens haben wir fest geschlafen, wenn auch leider viel zu kurz. Ich will es zuerst überhaupt nicht wahr haben, will am liebsten in meinem warmen Schlafsack liegen bleiben. Ich will heute doch noch gar nicht weiter! Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich nach dem gestrigen Aufstieg und der kurzen Nacht überhaupt schon wieder die Kraft zum weitergehen habe. Andererseits will ich es wenigstens versuchen...
 
Wir schmelzen Schnee, Kochen und Frühstücken schnell, aber trotzdem ruhig. Zum Glück geht das alles noch aus dem Schlafsack, doch irgendwann kommt der Moment, wo wir raus müssen. Das Anziehen und Rucksack packen in der Enge des Zeltes in eisiger Nacht sind das unangenehmste. Punkt 4.44 Uhr sind wir schließlich startklar. Wir sind zufrieden mit der Zeit (die komischen Zahlen scheinen für Markus, unseren Expeditionsleiter, irgend eine Bedeutung zu haben, denn er stellt den Wecker im Gebirge kaum mal auf eine vernünftige runde Zeit, wie jeder normale Mensch das machen würde... ;-))
Im Lichte der Stirnlampen folgen wir einem schmalen Pfand über die Schneefelder von Nido de Condores. Nachdem wir den Sattel durchquert haben, geht es nahtlos über in den Aufstiegshang zum Lager Berlin. In weiten Serpentinen geht es dieses relativ steile Stück doch recht gemütlich und zugleich in einem ordentlichen Tempo nach oben. Es fängt langsam an zu dämmern, und wir können schon bald auf das Licht der Stirnlampen verzichten. Gegen 6:30 Uhr erreichen wir das Lager Berlin. Erst kurz oberhalb des Lagers legen wir an einem Felsen eine kurze Rast ein, trinken den ersten Schluck aus den Thermosflaschen. Der Wind wird von nun an immer stärker und beim Essen und Trinken werden die Finger schnell kalt. Ich ziehe vorsichtshalber meine dicken Daunenhandschuhe an, bevor es wieder weiter geht. Irgendwie sind die Hände während der Rast doch ganz schön ausgekühlt und ich brauche sehr lange, um Hände und Füße wieder richtig warm zu bekommen.
Der Weg führt nun durch bizarre Felsformationen hindurch, vorbei an den “White Rocks” und über einen kleinen Sattel. Manchmal liegt hartgepreßter Schnee auf dem ziemlich deutlich ausgetretenen Pfad, doch Steigeisen sind hier noch längst nicht erforderlich.
Etwas später treffen wir auf die Route die vom ostseitigen Basislager kommt, die sogenannte “Falsche Polenroute”. Auf diesem Weg sehen wir einige Leute, die sich ebenfalls im Aufstieg befinden, jedoch noch weit unter uns sind. Überraschend schnell erreichen wir das ehemalige Lager Independencia. Heute ist nur noch eine halbverfallene winzige Holzhütte davon übriggeblieben. Immerhin gibt es hier etwas Windschatten, so daß wir erneut rasten. Da es gerade 9 Uhr ist, versucht Markus zu funken, doch außer ein paar undeutlichen Wortfetzen aus dem Basislager kommt keine vernünftige Verbindung zustande, und so vertrösten wir uns auf später. Nach einer ausgiebigen Rast geht es 9.30 Uhr weiter. Schon nach wenigen Minuten treten wir plötzlich aus dem relativen Windschatten einer Mulde heraus und stehen voll im Windkanal der langen Querung hinüber zur Canaletta. Der Wind ist wirklich furchtbar stark und bläst vor allem mit einer unvorstellbar gleichbleibenden Stärke. Ununterbrochen ist man hier dem Wind ausgesetzt, und so ziehen wir die Kapuzen ganz fest zu und sind froh über unsere dicken Skibrillen, die das Gesicht wenigstens etwas schützen. Die Querung dauert anderthalb Stunden, die mir allerdings wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Am anderen Ende, dem Eingang zur Canaletta, läßt dann endlich auch der Wind wieder nach. Von hier aus haben wir 11 Uhr auch den ersten vernünftigen Funkkontakt. Markus wechselt ein paar Worte mit dem Basislager und schätzt die verbleibende Strecke auf 2 bis 3 Stunden. Ich bin unheimlich müde und habe eigentlich gar keine Lust mehr, doch da ich mich rein vom Gehen her noch gut fühle, gibt es keinen vernünftigen Grund, umzukehren.
11.30 Uhr, nach einer Rast von 30 Minuten, beginnen wir mit dem steilen Aufstieg in der Canaletta. Hier liegt relativ viel Schnee, doch wir benutzen keine Steigeisen, denn wir fühlen uns auch so sicher genug. Außerdem ist man ohne Steigeisen schneller und da wir hier oben völlig alleine unterwegs sind, setzen wir auf Schnelligkeit, so gut es geht.
Eine ganze Wegstrecke, zwei kurze Pausen und knapp zwei Stunden später haben wir scheinbar noch immer längst nicht alles geschafft. Vor uns dehnen sich die Geröllhänge bis zum anscheinend noch fernen Horizont einer scheinbaren Gratlinie und es sieht alles noch überhaupt nicht so aus, als wären wir in Gipfelnähe. Da dreht sich Markus zufällig um und entdeckt in fast gleicher Höhe mit uns den Südgipfel – so weit kann es also doch nicht mehr sein! Wenige Minuten später stehen wir am Grat und kurz darauf auf dem Gipfel – 6959m hoch und auf dem höchsten Punkt Amerikas! So richtig habe ich bis zuletzt nicht daran geglaubt, aber nun ist es Wirklichkeit geworden! Die Uhr zeigt 13.30 Uhr – so schlecht waren wir also gar nicht unterwegs! Wir genießen den ausgezeichneten Fernblick in alle Richtungen und Markus fotografiert das gesamte Panorama. Wir lassen uns richtig viel Zeit und tragen uns in das sehr schön gestaltete Gipfelbuch ein. Erst als gegen 14.30 Uhr, nach über einer Stunde allein auf dem Gipfel, plötzlich quasi wie aus dem Nichts zwei Kletterer vom direkten Polengletscher kommend auf dem Gipfelplateau auftauchen, beginnen wir wieder mit dem Abstieg.
Die ganze Zeit während des Aufstiegs waren wir völlig allein unterwegs und nun kommen uns plötzlich jede Menge Leute entgegen. Ich bin müde und geschafft, aber bergab ist es eigentlich nur wichtig, schön konzentriert und sorgfältig die Füße voreinander zu setzen. Wir lassen uns Zeit und sind zum Funken 18 Uhr kurz oberhalb des Lagers Berlin. Ich bin sehr froh, eine reichliche Stunde später endlich den Schutz unserer Zelte zu erreichen. Wir haben es geschafft, aber erst beim anschließenden Kochen im Zelt wird uns das so richtig bewußt. Es war eine ganz schöne Gewalttour, aber der Erfolg und die wunderschöne Stunde völlig allein auf dem Gipfel rechtfertigen alle Anstrengungen...
 
05.02.2003  Ruhetag L1
Um 6.00 Uhr wache ich mit leichten Kopfschmerzen auf, da ich gestern abend vor lauter Müdigkeit dann irgendwie doch viel zu wenig getrunken habe. Eigentlich wollte – bestärkt durch unseren Erfolg gestern, heute schon eine zweite Gruppe zum Gipfel aufbrechen, doch aufgrund kalter Füße und Durchfall sind Martin, Werner und Jörg, die zwar pünktlich 5.00 Uhr gestartet waren, schon nach wenigen hundert Metern wieder umgekehrt. Werners eiskalte Füße zeigen einmal mehr, daß man hier selbst mit sehr guten Lederschuhen eigentlich nicht richtig ausgerüstet ist. Zum Glück kann sich Werner ein paar Plastikschuhe borgen und will es nach einem Ruhetag im Lager 1 morgen gemeinsam mit Martin und Jörg noch mal versuchen. Dann wird auch Markus als Expeditionsleiter mit dabei sein, der sich einen Gipfelaufstieg an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ohne Pause zwischendurch dann doch nicht so recht getraut hat, um sich nicht unnötig zu verausgaben.
Obwohl es Rolf inzwischen wieder etwas besser geht, steige ich wie geplant ab ins Basislager, um mich um ihn zu kümmern.
Das Wetter ist seit Tagen ausgezeichnet und so wünsche ich der zweiten Gipfelgruppe für morgen viel Glück, als ich ins Tal absteige…
 
06.02.2003  2. Gipfelerfolg
Nach Aufstehen 3.30 Uhr startet die zweite Gipfelgruppe heute bereits um 5.10 Uhr vom Lager Nido de Condores aus. Jörg fühlt sich wie schon gestern nicht gut und kehrt schon nach 20 Minuten um. 6.50 Uhr legen alle im Lager Berlin eine kurze Rast ein und 9.40 Uhr erreichen sie das Lager Independencia. Von 12.30 Uhr bis 13.20 Uhr rastet die Vierergruppe auf Rat von Markus hin lange am beginn der Canaletta, ehe das letzte steile Stück in Angriff genommen wird.
16.00 Uhr erreichen schließlich alle vier den Gipfel. Markus, unser Expeditionsleiter, steht damit 2 Tage nach dem ersten Gipfelerfolg bereits zum zweiten mal während dieser Tour auf dem Aconcagua!
 
07.02.2003  Aufstieg aus dem Basislager
Rolf geht es wieder soweit gut und er braucht keine Hilfe oder gar Betreuung mehr. An einen Gipfelversuch ist allerdings trotzdem nicht zu denken – dafür muß man 100%ig fit sein!
Da die anderen sich inzwischen fit für den Gipfelversuch fühlen, steige ich gemeinsam mit Antje und Klaus auf ins Hochlager Nido de Condores, wo wir die anderen treffen, die nach ihrem Gipfelerfolg heute absteigen. Das Wetter ist stabil und wir beschließen, es ganz ruhig anzugehen und morgen noch einen Pausentag einzulegen.
 
08.02.2003  Ruhetag L1
Während sich die anderen unten im Basislager erholen, verbringen wir den ganzen Tag im Lager 1 mit Essen, Kochen und Schlafen. So bereiten wir uns optimal für den für morgen geplanten Gipfelversuch vor. Markus, unse4re Expeditionsleiter, war nun schon zweimal ganz oben und will morgen ein drittes Mal mit uns gemeinsam gehen. Wenn alles klappt, wäre es auch für mich der zweite Erfolg. Klaus und Antje sind optimistisch es zu schaffen. Und auch Jörg, der schon 3x aus Lager 12 gestartet ist, aber immer wegen gesundheitlicher Probleme wieder umkehren mußte, will noch einen Versuch wagen. Zeitig geht es in die Schlafsäcke, denn morgen heißt es früh aufstehen!
 
09.02.2003  Gipfel
3.30 Uhr piepst der Wecker und wir kochen uns ein nahrhaftes Frühstück mit viel heißem Tee. 5 Uhr marschieren wir zu fünft los. Unser Expeditionsleiter Markus hat noch einige Sachen für Christoph im Gepäck, die im Lager Berlin deponiert werden sollen. Christoph will es morgen von dort aus im Alleingang versuchen.
Jörg läuft viel zu schnell los, bleibt dann aber immer wieder stehen. Er fuindet einfach keinen guten Rhythmus. 7 Uhr erreichen wir das Lager Berlin und legen eine kurze Rast ein. Wir ziehen alle unsere warmen Handschuhe an, denn ab hier wird kalt und windig und wenn die Hände erst mal kalt sind, ist nicht so einfach sie wieder warm zu bekommen. Nach einer halben Stunde Pause geht es weiter. Schon wenige Meter nach dem Start bekommt Jörg, der nicht die wärmsten Handschuhe an hatte, kalte Hände. Er will zwar sofort die Handschuhe wechseln, aber schließlich erkennt er, daß er auch heute wohl doch nicht 100%ig fit ist und das wohl nicht sein Berg ist. Er gibt auf und dreht um. Ich selbst habe auch kalte Hände und Füsse, aber irgendwie bekomme ich sie immer wieder warm. 9 Uhr machen wir Frühstücksrast oberhalb der Withe Rocks und 10.15 Uhr sind wir im Lager Independencia. Antje und Klaus legen hier die Steigeisen an, die Kapuzen werden aufgesetzt und jede noch so kleine Ritze der Jacke zum Schutz vor dem eisigem Wind in der folgenden Querung gut verschlossen.
Nach einer ausgiebigen Pause starten wir 11.15 wieder von Independencia. In der windigen Querung müssen wir einige kurze Pausen einlegen. Das Nahziel, der Beginn der Canaletta, scheint so nah und ist doch so endlos weit entfernt. Erst 13.30 Uhr sind wir dort. Klaus deponiert hier seinen Rucksack, unsere Gipfelverpflegung wird nun von Markus getragen.
15.30 Uhr ist der Gipfel gar nicht mehr weit, doch der steile Hang der Canaletta hat unheimlich viel Kraft gekostet, die Trittsicherheit läßt nach – der Wechsel zwischen vereisten Schneeflächen und Schotter macht das gehen mit Steigeisen schwierig.
16 Uhr ziehen Wolken auf. Die Wolken sehen nicht bedrohlich aus und wir gehen weiter – Schritt für Schritt.
17 Uhr – endlich stehen wir alle vier gemeinsam auf dem Gipfel. Es ist schon ganz schön spät, doch wir haben super Wetter und nun geht es ja nur noch bergab. Im Lager Berlin treffen wir noch Christoph, der heute hier hinaufgestiegen ist und morgen zum Gipfel gehen will. Markus gibt ihm noch einige Tips und dann geht es weiter abwärts. Erst spät am Abend erreichen wir im Licht der Stirnlampen wieder das Lager. Es war ein ganz schöner Gewaltmarsch, doch der Erfolg hat uns für die Strapazen belohnt.
Markus ist froh, daß alle wieder gut unten angekommen sind und kocht den ganzen Abend. Antje schläft sofort ein und auch Klaus ist todmüde…
 
10.02.2003  Abstieg Lager 1 - Basecamp
Am morgen schlafen wir in aller Ruhe aus, ehe wir gemütlich zusammenpacken, die Zelte abbauen und das Lager räumen. Der Abstieg ins Basislgaer geht trotz der schweren Rucksäcke beschwingten Schrittes, denn mit dem Gipfelerfolg in der Tasche fällt natürlich alles leichter. Unterwegs kommt uns Helmut entgegen, der Christoph entgegengehen will. Die beiden kommen schließlich gar nicht lange nach uns im Basislager an. Auch Christoph hat den Gipfel geschafft und ist an einem Tag (!) bis ins Basislager hinuntergestiegen!
Am Abend gibt es eine zünftige Gipfelparty mit Dosenbier und Champagner – alle sind glücklich, denn auch wenn nur 8 von uns 11 Leuten den Gipfel erreicht haben, so waren wir doch eine gute Truppe und es war für alle eine tolle Tour.
 
11.02.2003  Rückmarsch BC - Penitentes
Heute heißt es noch mal zeitig aufstehen. Ab 7 Uhr packen wir zusammen und 9 Uhr gibt es Frühstück. Dann machen wir uns auf den langen Weg hinunter zur Straße. Die etwa 30km lange Strecke zieht sich ganz schön, doch alle wollen natürlich so schnell wie möglich wieder zu den Annehmlichkeiten der Zivilisation und so stehen wir am späten Nachmittag gemeinsam am Parkeingang, wo wir abgeholt werden. Der erste Weg führt dann allerdings nicht gleich in unsere Unterkunft nach Penitentes, sondern, sondern zu den heißen Quellen von Puente del Inka. Markus kommt einige Minuten später, denn er hat in der Zwischenzeit irgendwoher Bier und Wein gezaubert und nun steigt im heißen Pool eine zünftige Party. Später abends in Penitentes genießen wir noch mal saftige argentinische Steaks und Chamnpagner zur Gipfelfeier…
 
12.02.2003  Penitentes - Santiago
Als wir 6.45 Uhr aufstehen, sind alle noch recht müde, doch Markus hat vorgeschlagen, lieber früh zeitig loszufahren, um mehr vom Tag zu haben. Im Bus nach Santiago können wir dann je nach Lust und Laune auch schlafen…
7.30 Uhr gibt’s Frühstück und 8.20 Uhr fahren wir los. Gegen 9 Uhr erreichen wir den 3300m hoch gelegenen Tunneleingang des Grenztunnels, der hinüber nach Chile führt. Die Grenzformalitäten dauern über eine Stunde, doch dann geht es weiter.
Auf der anderen Seite des Tunnels geht es die Paßstrasse 2700 Höhenmeter hinunter und das laut Fahrer Hugo auf nur 70 km Strecke! Schon 14 Uhr sind wir in Santiago und quartieren uns in einem sehr schönen Hotel direkt im Stadtzentrum ein. So steht der ganze Nachmittag noch zur Verfügung und wir genießen den Trubel in der sommerlichen Stadt…
 
13.02.2003  Santiago / Vina del Mar
Den letzten Tag haben wir für einen Ausflug an den Pazifik vorgesehen. Der Schnellbus bringt uns in knapp 2 Stunden nach Vina del Mar. Dort flanieren wir zum Strand und springen in die Wellen. Das Wasser ist zwar ziemlich trübe und leider auch der Himmel, doch warm ist es trotzdem und nach 3 Wochen Sonnenschein und blauem Himmel darf man sich wohl nicht beschweren, wenn es mal einen Tag bewölkt ist.
Am Abend essen wir in einem superleckeren Fischrestaurant und fahren dann sehr spät mit dem letzten Schnellbus nach Santiago zurück.
 
14.02.2003  Santiago / Rückflug nach Europa
Der Vormittag steht noch mal für einen Stadtbummel in Santiago zur Verfügung und am Nachmittag fahren wir zum Flughafen und treten den Heimflug an.
 
15.02.2003  Ankunft in Deutschland
Mit der Ankunft im kalten Deutschland endet eine fantastische Reise, bei der wirklich alle auf Ihre Kosten gekommen sind und die sicher allen lange in guter Erinnerung bleiben wird. Dank unserem Expeditionsleiter Markus und der perfekten Organisation sowie 3 Wochen besten Wetters hat die Tour wohl alle Erwartungen übertroffen. Und einige aus der Gruppe überlegen schon, wohin sie gemeinsam die nächste Reise (natürlich wieder mit DIAMIR) führen wird…
 
Madlen Kind

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