Uralte Handwerkskunst, Zeugnisse der Menschheitsgeschichte und Grillaromen, die ihresgleichen suchen.
Während der Westen der Türkei jährlich zahlreiche Touristen anzieht, bleibt der östliche Teil des Landes oft unentdeckt. Diese weniger bekannte Region ist ein wichtiger Teil der türkischen Kultur und Geschichte. Ostanatolien, oft als Wiege der Zivilisation bezeichnet, beeindruckt mit uralten Monumenten und einer faszinierenden kulturellen Vielfalt.
In diesem Beitrag präsentieren wir Ihnen sieben unvergessliche Sehenswürdigkeiten, die Ihnen einen tiefen Einblick in die reiche Geschichte und das lebendige Erbe dieser Region geben.
Wo liegt Ostanatolien?
Ostanatolien liegt im östlichen Teil der Türkei und grenzt an Armenien, Aserbaidschan, den Iran, den Irak und Syrien.
Wann ist die beste Reisezeit für Ostanatolien?
Die beste Reisezeit für Ostanatolien liegt zwischen April und Oktober. In diesen Monaten sind die Temperaturen angenehm und ideal für Besichtigungen und Outdoor-Aktivitäten. In den Sommermonaten von Juni bis August kann es allerdings recht warm werden.
Ist eine Reise nach Ostanatolien sicher?
Ja, eine Reise nach Ostanatolien ist sicher. Die Menschen in dieser Region sind besonders gastfreundlich und begrüßen Reisende mit offenen Armen. Nicht selten wird man freundlich angesprochen und auf eine Tasse Tee eingeladen. Auch von den umliegenden Grenzen gehen keine Gefahren aus.
1. Mardin - Ein Erbe der Seidenstraße
Hoch auf etwa 1000 Metern über den grünen Ebenen Mesopotamiens thront die Stadt Mardin. Die honigfarbenen Kalksteinmauern, durchzogen von den Schatten der Jahrtausende, bilden eine Kulisse, die von der bewegten Vergangenheit dieser Region erzählt. Farbenfrohe Teppiche, in den Souks von geschickten Händen gewebt, und kunstvoll gestaltete Innenhöfe, in denen das Plätschern alter Brunnen widerhallt, verleihen der Stadt eine fast mystische Atmosphäre.
Als ehemalige Station der Seidenstraße, bekannt als "Stadt der Toleranz", gilt Mardin als Schmelztiegel der Kulturen und ist eine der schönsten Städte Ostanatoliens. Islamische Kalligraphie an den Kirchen, Minarette, die neben Glockentürmen in den Himmel ragen, und ein Labyrinth aus engen Gassen verleihen der Stadt ihren Charme. Frisch gebackenes Fladenbrot, das noch warm aus den traditionellen Tandur-Öfen kommt, zartes, über Holzkohle gegrilltes Kebabfleisch und süßes Baklava, dessen dünne Schichten auf der Zunge zergehen, runden den Besuch ab.
2. Göbeklitepe - Das älteste bekannte Großbauwerk der Menschheit
Auf einem kargen Bergplateau gelegen, erheben sich massive T-förmige Steinpfeiler, kunstvoll verziert mit faszinierenden Tierreliefs und geheimnisvollen Symbolen. Göbeklitepe gilt als das älteste Großbauwerk der Menschheit und ist damit Zeugnis der ersten uns bekannten Siedlung. Die Errichtung des „bauchigen Berges“ – so die wörtliche Übersetzung – liegt über 12.000 Jahre zurück.
Die Untersuchungen des deutschen Forschers Klaus Schmidt aus den 19990er-Jahren lassen darauf schließen, dass die Schöpfer zu diesem Zeitpunkt bereits das Wissen, aber auch die notwendigen Mittel besaßen, um ein Bauwerk von solch einer Opulenz zu vollenden. Eine Erkenntnis, die den Blick auf die Entstehung einer ansässigen Zivilisation monumental veränderte.
3. Berg Nemrut - Die Wächter Ostanatoliens
Verborgen zwischen den schroffen Bergen des Taurusgebirges erhebt sich ein uraltes Heiligtum, das die Zeiten überdauert hat und Reisende aus aller Welt in seinen Bann zieht. Knapp 2.150 Meter hoch thront der Berg Nemrut, gekrönt von riesigen Steinstatuen, die wie stumme Wächter über das Land wachen.
Nach einer kurzen Wanderung erreicht man einen gigantischen Tumulus aus Schutt und Steinen, der heute etwa 45 Meter über den Gipfel hinausragt und das eigentliche Grab des Antiochos verbirgt. Um den zentralen Hügel gruppieren sich drei Terrassen: die Ost-, West- und Nordterrasse. Auf den Ost- und Westterrassen erheben sich bis zu zwei Meter hohe Köpfe, die heute losgelöst von ihren Torsi auf dem Boden ruhen. Zwischen diesen imposanten Statuen finden sich fein gearbeitete Reliefs und hellenistische Inschriften. Die Nordterrasse, etwas abgeschiedener und kleiner, bietet Reste von Altären und eine Feuerstelle, die auf rituelle Feiern und Opferungen hinweisen.
Der Aufstieg mag mühsam sein, aber der Blick vom Gipfel über die zerklüftete Landschaft Anatoliens bei Sonnenaufgang oder -untergang ist ein unvergessliches Erlebnis. Wenn die ersten oder letzten Strahlen des Tages die steinernen Gesichter glühen lassen, wirken die Figuren noch lebendiger und verleihen dem Gipfel des Nemrut eine fast magische Atmosphäre.
4. Midyat - Silber so fein wie ein Haar
In einem kleinen, gemütlichen Geschäft sitzt ein alter Kunsthandwerker konzentriert über einem fein gearbeiteten Schmuckstück. Mit ruhigen, geübten Händen biegt er zarte Silberdrähte, kaum dicker als ein Haar, zu komplizierten Mustern und Figuren. Die Luft ist erfüllt vom rhythmischen Klang des Hammers auf Metall und dem leisen, beruhigenden Murmeln des Handwerkers, der eine Geschichte erzählt – die Geschichte einer Stadt.
Midyat in der Provinz Mardin im Südosten der Türkei ist ein Ort, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die kunstvollen Steinfassaden, aufwendigen Schnitzereien und die uralten Kirchen und Klöster der Altstadt lassen das rege Treiben der Vergangenheit nur erahnen. Die engen, gepflasterten Gassen werden von köstlichen Düften traditioneller Gerichte wie Kebabs, gefüllten Weinblättern und frischen Mezze durchströmt. Kleine familiengeführten Restaurants und urige Weinhandlungen laden dazu ein, lokale Spezialitäten und Weine aus den umliegenden Weinbergen zu genießen.
Einmalig wird Midyat durch die belebten Handwerksmärkte der Stadt. Hier findet man neben den berühmten Telkari-Silberarbeiten auch handgewebte Teppiche, kunstvoll gestaltete Textilien und historische Überbleibsel. Diese Märkte sind ein wahres Paradies für Sammler und diejenigen, die einzigartige Souvenirs suchen.
5. Kloster Mor Gabriel - Im Schatten alter Mauern
Der Klang altertümlicher Glocken durchdringt die Stille der Morgendämmerung. Die Mönche beginnen ihren Tag mit Gebeten, während die ersten Sonnenstrahlen die massiven Steinmauern des Klosters Mor Gabriel in warmes Licht tauchen. Dieses syrisch-orthodoxe Kloster, das im Jahr 397 gegründet wurde, gilt als eines der ältesten christlichen Klöster der Welt und hat eine bewegte Geschichte erlebt, die bis in die frühchristliche Zeit zurückreicht.
Die beeindruckende Architektur besticht durch massive Steinmauern, kunstvolle Verzierungen und gut erhaltene Felder und Gärten. Besucher können durch die alten Hallen und Höfe schlendern, wo Fresken und Mosaike biblische Szenen und Heilige darstellen. Die friedvolle Atmosphäre lädt zur Besinnung ein. Besonders zur Gebetszeit, wenn die Mönche im Schatten der alten Mauern in stiller Hingabe versunken sind, spürt man eine tiefe spirituelle Verbindung.
6. Akdamar – Die tausend Jahre alte Kirche im Vansee
Langsam tuckert die Fähre aus dem Hafen, das Ziel fest im Blick: die Insel Akdamar, malerisch gelegen inmitten des türkisblauen Vansees. Das klare Wasser des Sees schimmert in verschiedenen Blautönen und spiegelt die umliegenden Berge wider. Die Hauptattraktion ist die armenische Heilig-Kreuz-Kathedrale aus dem 10. Jahrhundert. Diese beeindruckende Kirche war das kulturelle Zentrum der Region.
Die Insel selbst bietet eine friedliche Umgebung, die ideal für Spaziergänge und Erholung ist. Die grüne Landschaft, gesäumt von blühenden Bäumen und farbenfrohen Blumen, sowie der weitläufige Panoramablick über den See und die umliegenden Berge laden zum Verweilen ein. Die beste Jahreszeit für einen Besuch ist zweifellos das Frühjahr, wenn die Luft kühl und klar ist und die Natur in voller Blüte steht.
7. Vulkankrater Nemrut
Wo einst einschüchternde Rauchsäulen aufstiegen und donnerndes Grollen zu hören war, erhebt sich heute ein mächtiger Krater des Vulkans Nemrut (nicht zu verwechseln mit dem Berg Nemrut). Von der knapp 3000 Meter hohen Caldera eröffnet sich ein atemberaubender Blick über den Kessel. Wer bis zum Kratersee vordringen möchte, folgt der einzigen Zufahrtsstraße von Tatvan aus oder einem der zahlreichen Wanderwege. Auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet trifft man auf eine für Ostanatolien sehr ungewöhnliche Natur: Inmitten des Kraters hat sich ein eigenes kleines Ökosystem gebildet, in dem man Wildziegen, Füchse und mit etwas Glück sogar Braunbären beobachten kann.
Die Farben des Kratersees, der von türkis bis tiefblau schimmert, und die umliegenden Felsformationen bieten ein spektakuläres Panorama. In Kombination mit dem einzigartigen Klang der Natur wird dieser Besuch unvergesslich.
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