Yasur Vulkan: Blick über den Kraterrand
Vanuatus Insel Tanna und ihre Besonderheiten
Vanuatus berühmtester Vulkan, der Yasur auf der Insel Tanna, gilt als einer der aktivsten und zugleich am einfachsten zugänglichen Feuerberge unseres Planeten – und doch scheint er beim Blick auf die Landkarte fast unerreichbar. Die entlegene Südseeinsel Tanna kann man getrost noch als „unberührtes Paradies“ bezeichnen. Wie man zum Yasur Vulkan gelangt und was man auf Tanna sonst noch erleben kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Vanuatu ist ein Inselstaat im Südpazifik, der rund 83 Inseln umfasst. Ähnlich wie in Papua-Neuguinea unterscheidet sich die Kultur der Bewohner der einzelnen Eilande des Archipels teils stark. Obwohl Vanuatu weniger als 300.000 Einwohner hat, werden über 138 indigene Sprachen gesprochen. Auf der nur 550 km² großen Insel Tanna sind fünf verschiedene Sprachen belegt (zum Vergleich: Die deutsche Ostseeinsel Rügen ist mit rund 926 km² deutlich größer). Zur Verständigung untereinander dienen deshalb Englisch, Französisch und Bislama, eine auf dem Englischen basierende Kreolsprache.
Anreise zum Vulkan Yasur
Ähnlich komplex ist bereits die Anreise nach Vanuatu. Direktverbindungen ab Europa gibt es keine. Geflogen wird via Australien, Neuseeland oder Fiji nach Port-Vila auf der Hauptinsel Efate. Der Flug von Sydney zum Bauerfield Airport in Port-Vila dauert beispielsweise noch einmal dreieinhalb Stunden. Es empfiehlt sich entsprechend, eine Reise nach Vanuatu mit einem Aufenthalt in Australien zu kombinieren.
Efate ist das beschauliche Drehkreuz für Flüge auf die äußeren Inseln. Von dort aus fliegt Air Vanuatu mehrmals pro Woche mit ihrer einzigen ATR-72 nach Tanna. Die 70 Sitze der Maschine sind dabei selten komplett belegt. Alternativ kann man mit kleinen Chartermaschinen nach Tanna reisen. Die Kosten übersteigen den Preis eines Tickets bei der Nationalairline allerdings deutlich. Der Flug von Efate nach Tanna dauert nur rund 45 Minuten und bietet bei gutem Wetter atemberaubende Ausblicke auf die Riffe von Efate und Tanna sowie auf die Insel Erromango.
Unterkunft der Wahl: Whitegrass Tanna
Schon bei der Landung am Flugfeld von Tanna wird deutlich: Auf der Insel Tanna geht es beschaulich zu. Die Gepäckausgabe erfolgt per Hand. Die Ankunftshalle geht nahtlos zum Parkplatz über. Transferbusse oder Taxis gibt es dort keine. Wer auf Tanna landet, sollte sich sein Transportmittel vorab organisiert haben. Ebenso limitiert wie die Transfermöglichkeiten sind die Unterkunftsoptionen auf der Insel. Eine Reihe von Budget-Unterkünften ist im Inselinneren zu finden. Dort geht es eher rustikal zu – Gemeinschaftsduschen und gemischte Waschräume inklusive. Wer auf der Suche nach einer komfortablen Option ist, landet schnell beim Whitegrass Tanna – nur wenige Minuten vom Flugplatz entfernt an der Küste gelegen. Das Whitegrass Tanna ist die derzeit beste Option für eine Übernachtung auf der Insel. Allein der Blick vom Frühstücksraum auf das Meer ist die Reise wert.
Ausflug zum Yasur Vulkan
Vorab ein Tipp: Wer die weite Anreise nach Tanna auf sich nimmt, sollte vor Ort drei bis vier Tage Zeit einplanen. Unerwartete Regengüsse können zum Anschwellen eines Flusses führen und den Zugang zum Vulkan beschneiden – ein Umstand, welcher die Urlaubsfreude erheblich schmälern könnte. Überhaupt möchte man so flexibel sein, dass man den Ausflug zum Vulkan bestmöglich timen kann.
Die Tour zum Yasur Vulkan selbst beginnt in den Nachmittagsstunden. Gut motorisierte Allradfahrzeuge fahren Besucher zunächst auf guten, asphaltierten Straßen in den Südostteil der Insel. Es geht durch Dörfer, vorbei an Bananenplantagen und dichten Dschungel. Nach dem Überqueren des zentralen Bergmassivs öffnet sich der Blick auf den Vulkan. Wie ein grauer, rauchender Riese ragt der Yasur aus dem Aschemeer. Die Straßenverhältnisse verschlechtern sich fortan allmählich, bis man im Schritttempo durch eine Hindernisbahn aus Asche und Schlamm holpert. Auch die Flussquerung kommt – je nach Wasserstand - mit etwas Nervenkitzel daher. Vom Whitegrass Beach aus dauert die Fahrt gesamt rund 1,5h.
Into the Danger Zone: Yasur Vulkan
Das Büro der “Vulkanbehörde” ist ein Pflichtstopp für alle Besucher des Yasur. Hier erfolgt die Registrierung aller Touristen und ein kurzes Briefing. Eine Reihe von Hinweisschildern und Verhaltenshinweisen fasst ohnehin schnell zusammen, was jedem Reisenden klar sein muss: Der Besuch eines aktiven Vulkans ist immer gefährlich und eine einhundertprozentige Sicherheitsgarantie gibt es nicht. Die Aktivität des Feuerbergs wird permanent beobachtet und nur bei einem „niedrigen Aktivitätslevel“ darf man zum Kraterrand in die „Danger Zone“. Unerwartet große Eruptionen und umherfliegende Lavabomben können allerdings nie ausgeschlossen werden.
Rund eine Stunde vor Sonnenuntergang bringt eine kurze Fahrt die Besucher anschließend zum „Parkplatz“ (eine relativ gerade Ascheebene am Vulkankegel), von wo aus der zweiminütige Aufstieg erfolgt. Ein Wort zur Zugänglichkeit: Bei normaler Fitness sind zwei Minuten eher hoch gegriffen. Der „Aufstieg“ zum Kraterrand ist ein kurzer, gemütlicher Spaziergang auf einer Treppe mit Geländer.
Es raucht. Es dampft. Es knallt.
Wie kann man sich den Besuch auf dem Kraterrand des Yasur Vulkans vorstellen? Das ist so einfach nicht zu beantworten. Je nach Monat und Wetterlage präsentiert sich der Vulkan seinen Besuchern ganz unterschiedlich. Die besten Sichtverhältnisse herrschen in den Sommermonaten von Mai bis September. In der Regenzeit kann es nicht nur zu anhaltenden Niederschlägen, sondern auch zu intensiver Dampfentwicklung kommen. Unter Umständen verhüllt dann eine dichte Dampfhaube den rot leuchtenden Lavasee. Doch auch in den trockeneren Sommermonaten ist man vor diesem Phänomen nicht vollends gefeit. Auch hier kommt ein „Extra-Tag“ auf der Insel mit einer zweiten Chance daher. Mit Einbruch der Dämmerung sinken auch die Temperaturen merklich – entsprechende Kleidung ist zu empfehlen.
Wenn keine Dampfbildung herrscht oder der Wind die weißen Schwefelschwaden aus der Caldera bläst, erhält man einen sehr guten Blick ins Innere des Yasur. Lava leuchtet rot-orange. Kleinere und größere Eruptionen schleudern Lavabomben im Kessel umher. Je nach Intensität der Explosionen knallt und grollt es bedrohlich. Nach Einbruch der Dunkelheit glüht das Innere der Caldera wie der Vorhof zur Hölle. Fotografen mit guter Ausrüstung und Talent für Langzeitbeleuchtung haben zu diesem Zeitpunkt die besten Chancen auf die ikonischen Bilder vom Yasur-Vulkan, welche die Seiten der Hochglanz-Reisemagazine weltweit zieren. Die Fahrt zurück zum Resort in kompletter Dunkelheit ist übrigens nicht weniger abenteuerlich. Zur Belohnung wartet jedoch das vorbestellte, köstliche Abendessen.
Was kann man auf der Insel Tanna noch erleben?
- Kastom-Villages: In mehreren Dörfern der Insel kann man dem traditionellen Leben der Menschen auf Tanna näherkommen – dem Ni-Vanuatu. Besucher werden mit Gesang und Tanz begrüßt. Es folgen Demonstrationen des Alltagslebens auf Vanuatu. Berühmt ist das Dorf Yakel – Drehort des Films „Tanna - Eine verbotene Liebe“. Für Fotografen empfiehlt sich die Siedlung Imayo. Hier präsentieren sich die Bewohner in traditioneller Kleidung vor dem Panorama des Yasur Vulkans.
- Blue Cave und Blue Holes: Wer die Küste Tannas oder sogar die Unterwasserwelt Vanuatus erkunden möchte, geht mit dem Team vom White Grass Tanna auf Tour. Die Blue Cave ist eine gewaltige Grotte, die man – anders als andere Vertreter weltberühmter Höhlen – in den meisten Fällen für sich allein hat. Der Zugang zur Blue Cave erfolgt durch einen kurzen Tauchgang unter einem Felsvorsprung, was das Erlebnis besonders abenteuerlich macht. Das Hausriff des Resorts bietet zudem zwei „blaue Löcher“, die mit Tauchermaske und Schnorchel erkundet werden können. Erfahrenere Taucher steuern verschiedene Spots an der Westküste an. Im Meer um Tanna leben auch Dugongs.
- Der riesige Banyan-Baum und Inselleben: Nicht weit von der Inselhauptstadt Lenakel entfernt, in einem grünen Tal gelegen, befindet sich der wahrscheinlich größte Banyan-Baum der Welt. Ein Pfad führt zwischen den gewaltigen Luftwurzeln des etwa 200 Meter langen Gewächses hindurch. Wenn man einmal in Lenakel unterwegs ist, lässt man sich vom Guide und Fahrer auch noch die drei Höhepunkte der Stadt (Schule, Polizeistation und Parlamentsgebäude) zeigen und den Tag am besten mit den Locals am White Beach ausklingen. Hier wird in den Nachmittagsstunden speergefischt, nach Muscheln gesucht, gemeinsam gelacht oder einfach nur die Szenerie genossen.
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