Laufend zur neuen DIAMIR-Reise
Das Kaçkar-Gebirge in der Türkei als Bühne für Sport und neue Ideen
„Dann der Startschuss. Ich bin drin. Im Rennen. Im Flow. Im Moment. Alles, was danach kam, war Genuss und Qual zugleich und die Essenz dessen, warum ich das mache.“
Die Entstehung einer DIAMIR-Reise kann ein Marathon sein. Sprichwörtlich. Produktdesigner Stefan Hilger kennt sich zwischen der Türkei und der Mongolei bestens aus und gibt stets vollen Einsatz.
Im September 2025 reiste er mit unserer Kollegin Anna Zähr und Dominik alias „Dom Quichotte“ (Fotograf, Influencer und schon mehrfach als Reiseleiter für uns in Türkiye im Einsatz) zum Traillauf-Event „Kaçkar by UTMB“ ins Kaçkar-Gebirge.
Weil Stefan schon lange eine neue Reise in dieser Region anbieten wollte und Aktivsport für ihn wichtig ist, entstand die Idee einer kombinierten Info- und Laufsportreise. Was das Team erlebte und wie sich DIAMIR neue Regionen erschließt, schildert Stefan in seinem emotionalen Bericht.
27. September 2025, 4 Uhr morgens
Ich liege wach, habe kaum geschlafen. Jetzt sitze ich auf der Bettkante und rühre meinen Brei an. Drei Stunden vor dem Start, so will ich es immer: der Magen ruhig, die Energie rechtzeitig da. Nicht meine Fitness bereitet mir Sorgen, sondern das Wetter. Schon beim Aufwachen das Prasseln: strömender Regen. Ausgerechnet heute, beim ohnehin fordernden Rennen. Die Nervosität steigt, jetzt brauche ich Vertrauen in mich selbst. Es wird hart. Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich beim UTMB im Kaçkar-Gebirge starte – ich hätte gelacht. Und doch sitze ich hier.
Die Idee: Sportlich zur neuen DIAMIR-Erlebnisreise
Das fehlende Puzzleteil
Seit einiger Zeit suchte ich als Produktdesigner – unter anderem für DIAMIR-Erlebnisreisen in die Türkei – nach einer Möglichkeit, das Kaçkar-Gebirge stärker ins Spiel zu bringen. Wir haben bereits einige gut laufende Türkei-Reisen, doch mir fehlten aktuelle, eigene Erfahrungen aus der Region. Mein letzter Besuch dort, eine Urlaubsreise mit meiner Frau, lag fast 20 Jahre zurück. Meine wunderschönen Erinnerungen waren für die Entwicklung einer Reise für unsere Gäste im Jetzt zu lange her. Unsere Partner wissen, dass wir und unsere Gäste das Außergewöhnliche suchen. DIAMIR Erlebnisreisen ist in der Türkei längst für spektakuläre Ziele abseits der Riviera bekannt. Beispielsweise können Aktivreisende mit uns den Lykischen Weg oder Kappadokien erkunden.
Gleichzeitig möchte das Land den Tourismus stärker ins Innere lenken, in wunderschöne, teils kaum bekannte Regionen. Und genau dort sind wir mit unseren Aktivreisen im deutschen Markt fast allein unterwegs.
Die UTMB World Series ist die weltweite Trailrunning-Meisterschaft rund um den berühmten Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB). Er ist das prestigeträchtigste Trailrunning-Event der Welt. Seit 2022 fasst sie zahlreiche internationale Trailläufe unter einem einheitlichen Qualifikations- und Markendach zusammen. Bei den Wettkämpfen auf allen Kontinenten können sich die Teilnehmenden für das Jahresfinale am Mont Blanc qualifizieren.
Unsere DIAMIR-Delegation nahm auf unterschiedlichen Distanzen am Kaçkar by UTMB in der Türkei teil, einem extrem alpinen und anspruchsvollen Lauf durch die gleichnamigen Berge.
Kaçkar by UTMB: Auf den Trails meines Lieblingsreiselandes
Sportlich war ich schon immer gut unterwegs und nehme gern an außergewöhnlichen Events teil – etwa in 24 Stunden vom Fichtelgebirge bis ans Kap Arkona zu radeln. Diesmal kam der Impuls per E-Mail von einer Bekannten aus dem türkischen Tourismusministerium: „Hier wäre noch was für dich!“ – dazu ein Link zum weltweit bekannten UTMB. Der packte mich sofort.
Mit Trailrunning hatte ich bislang wenig Berührung, eher mit Fußball und Triathlon, aber Herausforderungen liebe ich. Und erstmals in der Geschichte des UTMB sollte ein Rennen im Kaçkar-Gebirge stattfinden.
Das Team formiert sich
Nachdem die offizielle Einladung ins Haus flatterte, ging es darum, das Team aufzustellen. Bei DIAMIR gibt es einige Laufverrückte. Dass aber unsere neue Kollegin Anna eine echte Trailrunning-Koryphäe ist, wusste ich damals noch nicht. Sie war sofort interessiert und gesetzt. So lernt man neue Team-Mitglieder eben kennen! Um flexibel zu bleiben, hielten wir das Team klein und entschieden uns für eine dritte Person: Dominik.
Vorbereitung: Netzwerk und ein langer Atem
Viele Fragen
Nach der ersten Euphorie kam die Realisierung: Da hast du dir was vorgenommen! Acht Monate lagen zwischen Idee und Startschuss – und die To-Do-Liste war lang. Wie kommen wir überhaupt hin? Turkish Airlines, unser langjähriger Partner für Flüge in die Region. Wer unterstützt uns vor Ort? Discover Kaçkar, die regionale Tourismusförderstelle unter Leitung von Ceylan Şensoy. Und natürlich die sportliche Frage: Wie bereitet man sich auf ein Hochgebirgsrennen vor? Trailrunning im Kaçkar ist etwas völlig anderes als Straße oder Cross. Höhenmeter, Wetter, Untergrund, Material – alles muss erarbeitet bzw. getestet werden. Mit unserer Zusage begann sofort die Vorbereitung. Jeder Tag zählte.
Trainingsalltag und Motivation
Ich bin das ganze Jahr aktiv und trainiere flexibel, so wie es zu Arbeit und Familie passt. Vielseitigkeit ist mir wichtig: Laufen, Radfahren, Schwimmen, Wandern, Skifahren, Skirollern und Pilates – plus genügend Regeneration.
Dann hieß es vor allem: laufen, vorzugsweise im Gelände. Radfahren nahm Druck raus, später kam Schwimmen dazu. Im Frühsommer setzte ich als mentalen Härtetest einen Triathlon an. Wettkämpfe brauche ich, um dranzubleiben. Selbst auf Dienstreisen in Thailand und Malaysia trainierte ich weiter. Über den Sommer folgten Läufe mit Höhenmetern und ein zweiter Triathlon.
Disziplin, Rückschläge und Routinen
Partynächte strich ich komplett, ging früh schlafen und nutzte die Morgenstunden zum Laufen. Rückschläge wie Knieschmerzen gehören dazu – wichtig ist nur, nicht aufzugeben. Auch im Urlaub konnte ich ideal trainieren: In Lykien und Kappadokien übte ich den Stockeinsatz im steilen, steinigen Gelände. Die letzten Wochen vor dem Wettkampf zählte ich herunter, plante kleine Rennen ein und reduzierte das Training vier bis sechs Wochen vor dem Start.
Wechsel in den Wettkampfmodus
Zwei Wettkämpfe wollte ich unbedingt noch absolvieren, um Nervosität und Druck zu spüren – das lässt sich im Training nicht simulieren. Erst der KNAPPENMAN in der Lausitz, dann der Dresdner Nachtlauf: 32 Grad, Menschenmassen, stickige Luft. Hart, aber entscheidend. Diese Rennen haben mich mental geschärft.
Als der große Tag näher rückte, lief alles reibungslos – und vor allem: Wir blieben gesund. Eine Erkältung hätte alles zunichtemachen können.
Das Scouting eines neuen Reiseziels im Kaçkar-Gebirge
Entspannte Anreise
Für mich zählte nicht nur das Rennen. Ebenso wichtig war das Scouting für mögliche Reisen ins Kaçkar-Gebirge. Bei der Recherche stieß ich auf erfreuliche Neuigkeiten: Die Anreise ist inzwischen deutlich einfacher. Neben Trabzon gibt es nun den neuen Flughafen Rize/Artvin (RZV), direkt im Meer aufgeschüttet. Technisch beeindruckend und ein großer Vorteil, denn die Transferzeit nach Ayder beträgt nur noch 30 bis 40 Minuten.
Am Dienstag, den 23.09.2025, flogen wir von Berlin über Istanbul nach Rize/Artvin. Dank unseres Sponsors Turkish Airlines in der Business Class unterwegs, kamen wir entspannt und voller Vorfreude in den Bergen an.
Unvorhergesehen zu den besten Ergebnissen
Zwei Faktoren erschwerten die Scouting-Planung im Vorfeld. Rückblickend erwiesen sie sich als wertvoll: Die gesamte Region stand wegen des erstmals stattfindenden Großevents Kopf, und das Tal war gezeichnet von den heftigsten Regen- und Schneefällen der vergangenen 15 Jahre. Überflutete Straßen, beschädigte Häuser – Bilder, die man nicht vergisst.
Alle waren mit Aufräumen und Wiederaufbau beschäftigt: Bauern brachten ihre Traktoren, Firmen stellten Bagger, die Dorfgemeinschaft arbeitete wie ein Uhrwerk. Diese Energie und dieser Zusammenhalt haben uns tief beeindruckt.
Wir bekamen Kadir, einen Fahrer mit eigener Agentur und für uns eine echte Bereicherung. Ohne festen Plan trafen wir viele Entscheidungen spontan, abhängig von Wetter, Licht und Stimmung. So sammelten wir genau die Eindrücke und Materialien, die wir brauchten: Abendlicht auf der Hanzidak-Alm, Begegnungen mit Familien, Besichtigungen von Unterkünften, Gasthäusern und Teestuben, sowie unzählige Fotos. Besonders fasziniert hat mich das für die Region typische Invasionswetter, bei dem Wolken in den Tälern hängen, während oben strahlendes Licht herrscht.
Rückblickend war diese flexible Herangehensweise ideal. Ohne starres Programm und mit offenem Blick erzielten wir die besten Ergebnisse. Künftig werde ich gerade in solch dynamischen Gebirgsregionen wohl kaum noch anders planen.
Das Ergebnis: Die DIAMIR-Erlebnisreise „Berge am Meer – Faszination Kaçkar-Gebirge“
Seit Januar 2026 präsentieren wir eine Reise, die bewusst anders ist als klassische Türkei-Programme: Sie führt bewusst abseits bekannter Pfade in das ursprüngliche Kaçkar-Gebirge, wo das seltene Zusammenspiel von subtropischer Küste und hochalpinen Yaylas eine einzigartige, naturgewaltige Kulisse schafft. Im Fokus steht die tiefe Ruhe der Bergwelt und das authentische Leben bei einheimischen Gastgebern, ergänzt durch gezielt ausgewählte kulturelle Höhepunkte wie das Sumela-Kloster. Die Tour ist ein echtes Unikat für Wanderer, die eine berührende Abgeschiedenheit und eine neue, unverfälschte Facette der Türkei jenseits des Massentourismus suchen.
Wettkampftag
Die intensive Woche verging, und nun rückten Wettkampfvorbereitung, Feinjustierung und Materialchecks in den Mittelpunkt. Doch das Wetter kippte: Die Prognosen wurden düster, der Samstag versprach Regen und Kälte.
Wir wohnten im Berghotel Hasimoglu in Ayder, zusammen mit Läufern, Funktionären – sogar dem Gouverneur von Rize. Discover Kaçkar hatte alles perfekt organisiert.
Die Ausrüstung wurde zur kleinen Herausforderung: Der Laufrucksack musste die komplette Pflichtliste fassen – Ersatzkleidung, Lampe, Verpflegung, Stöcke, Verbandszeug, Notration. Zehn Liter Volumen für all das? Fast unmöglich.
Beim Abholen der Startunterlagen lag das typische Knistern in der Luft. Kurze Blicke, angespanntes Abschätzen. Durchtrainierte Athleten überall – und mir schoss ein Gedanke durch den Kopf: Hoffentlich werde ich nicht Letzter. Die Nervosität stieg. Am Abend zog ich mich zurück: packen, dehnen, essen, trinken, herunterfahren. Dominik lockerte die Stimmung mit seinem Humor, Anna erinnerte uns an den Salzhaushalt. Ihren Rat nahm ich ernst – und der kleine Salzstreuer aus dem Flugzeug sollte mich später tatsächlich vor Krämpfen retten.
27. September 2025, 6:55 Uhr
Regen. Nebel. Kühle Luft. Ich stehe irgendwo in der vorderen Hälfte des Startfelds. Die türkische Nationalhymne erklingt, dann die Hymne des UTMB – Gänsehaut pur. Im Licht der Stirnlampen glitzern Regentropfen, Nebelbänder ziehen durchs Tal, die Atmosphäre ist fast mystisch. Dann der Startschuss. Ich bin drin. Im Rennen. Im Flow. Im Moment. Alles, was danach kam, war Genuss und Qual zugleich und die Essenz dessen, warum ich das mache. Sich Herausforderungen zu stellen, sich Ziele zu setzen, den eigenen Weg zu gehen – das ist es, was mich antreibt.
Epilog
Genau solche Momente brauche ich, Augenblicke, in denen man sich selbst begegnet und spürt: Ich bin lebendig. Danke an alle, die das möglich gemacht haben: Organisatoren, Helfer, Mitstreiter und besonders an meine Familie für Geduld und Freiheit.
Manchmal muss man Dinge einfach tun, nicht weil man das Ergebnis kennt, sondern um herauszufinden, ob sie möglich sind. Der Kaçkar hat mir das erneut gezeigt. Es geht weniger darum, Grenzen zu verschieben, als in Bewegung zu bleiben – körperlich, geistig, menschlich.
Jetzt, mit Mitte 40, spüre ich deutlicher denn je, wie wertvoll das ist. Die Anstrengung, das strukturierte Training, das Hinarbeiten auf ein Ziel: Es schafft Klarheit und gibt Energie – für Sport, Arbeit, Alltag. Stillstand liegt mir nicht. Ich will weiter investieren: in Erlebnisse, Ideen und Begegnungen. Wer in Bewegung bleibt, bleibt lebendig.
Neugierig auf weitere Reisen in der Türkei?
Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie die neuesten Inspirationen und Reiseangebote weltweit!