Leben in Namibia
So passen sich Mensch, Tier und Natur an die Extreme an
Eine jährliche Durchschnittstemperatur von ca. 23 Grad Celsius klingt erstmal wenig dramatisch. Doch im Vergleich zu unseren hiesigen rund 10 Grad Celsius kommt einem ein Wert jenseits der 20 doch erschreckend heiß vor. Unter diesen Bedingungen leben in Namibia Mensch, Tier und Natur. In der Spitze prasseln über 40 Grad Celsius auf sie ein, nachts kann es in der Wüste schon mal einstellig werden. Wie ist das (Über-)Leben in Namibia für sie möglich? Welche Tricks haben sie entwickelt, um sich an die Extreme anzupassen? Drei Beispiele.
Die San
In der Hitze des Tages und der Kälte der Nacht zeigt sich, wie tief die San mit ihrer Umgebung verbunden sind. Als eines der ältesten Jägervölker der Welt haben sie gelernt, sich den extremen Temperaturschwankungen in den Wüsten- und Halbwüsten Namibias ohne technischen Aufwand anzupassen.
Am Tag
Am Tag tragen die San nur leichte und helle Kleidung, beispielsweise aus gegerbtem Leder, die die Haut vor der intensiven Sonneneinstrahlung schützt. Zur Mittagsstunde lassen sie es dann langsam angehen, suchen Schatten unter Bäumen und vertagen körperliche Anstrengungen nach Möglichkeit auf den Nachmittag. Um bei 40 Grad Celsius genügend Flüssigkeit aufzunehmen, können sich die San nicht einfach am Wasserhahn bedienen. Sie nutzen wasserhaltige Pflanzenknollen oder trinken das Wasser aus Straußeneiern. Diese Strategie ist überlebenswichtig in Namibia, da Wasservorräte für Mensch und Tier knapp sind.
In der Nacht
Kehrt die Dunkelheit über Namibia ein, wird es kalt. Sehr kalt. Um den teils frostigen Temperaturen standhalten zu können, mussten die San erfinderisch werden. Sie wärmen sich mit Tierfellen und schlafen möglichst eng beisammen, um ihre Körperwärme zu teilen. Ihre Schlafplätze wählen sie bedacht: Windgeschützt oder in flachen Senken versuchen Sie der Witterung weitestgehend zu trotzen. Zuvor wärmen sie sich an Feuerstellen auf und nutzen diese Zeit für das Gespräch miteinander. Erfahrungen und Wissen werden in diesem Rahmen von Generation zu Generation weitergegeben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die San-Kultur bereits vor 100.000 Jahren entwickelt haben könnte. Möglich wären ihr Bestehen und Leben in Namibia über diese lange Strecke nicht gewesen, wären sie nicht Meister der Anpassung.
Der Wüstenelefant
Sie sind deutlich kleiner, leichter und schmaler als ihre Artgenossen in anderen afrikanischen Regionen. Genau das sichert den Wüstenelefanten in Namibia das Überleben. Ihre recht zierliche Statur (immerhin noch 2 – 3 m groß und bis zu 4000 kg schwer) bringt Vorteile mit sich:
- weniger Energie- und Wasserverbrauch
- mehr Beweglichkeit auf steinigem oder sandigem Terrain
- leichteres Zurücklegen großer Distanzen
Ihr Leben in Namibia führt sie jeden Tag bis zu 70 Kilometer weit, um Wasser- und Nahrungsquellen zu erreichen. Ihre Wege sind dabei oft identisch mit denen ihrer Vorfahren: Ihr Gedächtnis leitet sie zu versteckten Wasserstellen, die sie manchmal mit den Füßen ausgraben! Trotz ihrer Größe sind Elefanten sensible Tiere, die kleinste Unterschiede in ihrer Umgebung wahrnehmen und sich zunutze machen. So können sie beispielsweise unterirdisches Wasser wittern, indem sie die Feuchtigkeit im Boden oder subtile Abweichungen in Temperatur, Dichte oder Bodenbeschaffenheit wahrnehmen. Ein Talent, das ihnen und auch anderen Tieren in Namibia das Überleben sichert.
Die Welwitschia mirabilis
Auf den ersten Blick wirkt sie eher wie ein wirrer Haufen trockener Blätter. Doch was da am Boden der Namib-Wüste liegt, ist eine der ältesten und erstaunlichsten Pflanzen der Welt. Die Welwitschia mirabilis, von der Forschung auch als lebendes Fossil bezeichnet, kommt mit nur zwei Blättern aus, die sie ein Leben lang behält. Sie wachsen stetig weiter, fransen aus, rollen sich ein, zerteilen sich längs und trotzen dabei Wind, Sonne und Sand.
Ihr Geheimnis für ihr Leben in Namibia liegt in einer Kombination aus extremer Genügsamkeit und intelligenter Nutzung der Umgebung:
- Die Welwitschia mirabilis bezieht ihre Feuchtigkeit nicht aus Regen, sondern direkt aus dem täglichen Küstennebel.
- Ihre tiefe Pfahlwurzel versorgt sie mit Wasser aus dem Boden
- Eine wachsartige Blattoberfläche schützt vor Verdunstung und UV-Strahlung
Die Welwitschia wächst extrem langsam – gerade einmal wenige Millimeter pro Jahr. Dafür lebt sie aber bis zu 2000 Jahre. Diese Anpassungsstärke sichert der Pflanze seit der Zeit der Dinosaurier ihr Bestehen. Seit 100 Millionen Jahren hat sie sich nahezu nicht verändert.
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