Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Südsudan – Völker zwischen Turkana-See und Weißem Nil

Teilen

Niemals hätte ich gedacht, dass mir jemals der Geruch von verbranntem Kuhdung so ans Herz wachsen würde, aber der Besuch bei den Mundari war so beeindruckend, dass ein Schnuppern an der Kleidung, die ich dort getragen habe, jedes Mal ein Lächeln hervorrief!

Nach einer kurzen Akklimatisierung in Juba fuhren wir (8 Touristen und 1 Reiseleiter) nach Terekeka, wo in der Umgebung einige Mundari ihr „Cattle Camp“ direkt am Nil aufgeschlagen hatte. In einigen Metern Entfernung dazu erwarteten uns auch schon ein Koch und sein Team. Zwei Nächte verbrachten wir an diesem durch den Qualm der Kuhdung-Feuer in weißen Dunst gehüllten mystischen Ort. Jeweils morgens und abends besuchten wir das „Cattle Camp“ und durften am Alltag des in Symbiose mit ihren Rindern lebenden Volkes teilhaben. Den Qualm und die Asche nutzen sie als natürliches Mückenabwehrmittel für sich und die Rinder. Letztere werden nicht geschlachtet, als Nahrung dienen nur die Milch und die zahlreichen Ziegen.

Nach einer Übernachtungspause im komfortablen Hotel in Juba ging es mit einer Cessna nach Kapoeta, wo wir eine Nacht im schön gelegenen „Mango Camp“ in kleinen Stein-Hütten (mit fließend Wasser und Strom am Abend) verbrachten.

Auf dem dortigen Markt waren eindeutig wir die Attraktion und nicht die mit Piercings und Schmucknarben verzierten Toposa! Etwas ruhiger ging es in ihren Dörfern zu, die wir besichtigen durften. Am nächsten Morgen bedankten wir uns mit einigen Säcken Maismehl, Salz und Öl für die Gastfreundschaft.

Weiter ging es in die Umgebung von Camp 15. Der Ort ist wohl nach dem dortigen verlassenen Armee-Camp, bestehend aus hunderten kleiner Strohhütten, benannt. Ansonsten war vom Bürgerkrieg nicht mehr viel zu merken, nur doch die starke Präsenz der UNO und der Hilfsorganisationen zeugen von dieser Katastrophe. In den nördlichen und westlichen Landesteilen ist es dagegen noch nicht so sicher.

Wir zelteten dort direkt in einem zwischen Schirmakazien und Elefantenfußbäumen gelegenen Dorf der Boya und bestaunten uns gegenseitig. Die Leute waren freundlich und besonders die Kinder ließen sich bereitwillig fotografieren, da jeder natürlich dann sein Bild sehen wollte.

Von den Boya ging es in den komfortablen Geländerwagen weiter nach Ilieu zu den Lutoka, die sich selbst nicht besonders schmücken, aber äußerst fähige Baumeister eines in den Fels integrierten Dorfes sind. Wir übernachteten auf einem Schulhof am Fuße der Berge, wo gerade Ferien waren. Leitsprüche an den Mauern der Schule zeugten von Bemühungen um Gleichberechtigung und verbesserte Hygiene: „boys do not laugh at girls during menstruation“ und „avoid open defecation“ waren einige Beispiele.

Nach einer Hotelübernachtung in Torit, wo man, wie in allen Städten, nicht fotografieren durfte, ging es zurück nach Juba. Die Strecke hatte es in sich, 100 km Buckelpiste bei 40°C, die einzig anstrengende Tour auf dieser Reise. Aber selbst diese wurde durch zahlreiche Fotostopps und Begegnungen mit Menschen am Wegesrand kurzweilig. Wir haben uns stets sicher gefühlt, was nicht zuletzt an unserem erfahrenen Diamir-Reiseleiter und der sehr professionellen ugandischen und südsudanesischen Tourenleitung lag.

Durch die schwierige Logistik und das europäische Preisniveau im Land ist die Reise natürlich vergleichsweise teuer. Da ein Euro knapp 300 südsudanesische Pfund beträgt, erregte das Zahlen der Restaurantrechnungen in 20- und 50-Pfundnoten daher immer allgemeine Erheiterung, man sollte dafür extra Zeit einrechnen!

Fazit der Reise: Wenn man Hitze gut verträgt, keine Angst vor Berührungen, Schmutz und zeitweiligem Komfortverzicht hat, ist dies eine absolut lohnenswerte, bereichernde und wunderschöne Reise in eine der ursprünglichsten Regionen Afrikas!

Passende Reisen von DIAMIR