Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Tschad – Eine Reise für Liebhaber der Wüste

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16 Tage Wüstenreise vom 04.02. – 20.02.2014

Auf dieser Reise durchs Tibesti-Gebiet im Nordwesten von Tschad und dem westlichen Ennedi ist Wüste in all ihren Formen und Farben zu erleben: Lange, weitläufige, gelblich-graue Wüstenebenen; kahle, schroffe Gebirge; schwarze, riesige Felsen- und Geröllhalden; mit ockerfarbenem Sand gefüllte Wadis mit steil aufragenden Felswänden; bizarre von Sand und Wind geschliffene Stein und Felsstrukturen, in denen man manchmal Gesichter, Tiere oder Geister zu
entdecken glaubt. Und zum Schluss der Reise noch riesige wunderbar geschwungene Sanddünen, die in der Abendsonne golden aufleuchten.


Am Trou de Natron steigt ein guter, trittfester Wanderer in ca 2 1/2 Stunden vom Kraterrrand (2180m) zum Kraterboden (1480m), erst über einen steilen Couloir, dann auf relativ einfachem, aber steinigem Weg bis es kurz vor Schluss nochmals steiler wird. Das Salz am Boden des Kraters, das man von oben weiss schimmern sieht, bildet kristalline Strukturen. Ein kleiner Teich kühlt denjenigen, der ein Bad nehmen möchte (für „diejenige“ ist ein Bade wohl nur möglich, wenn kein Einheimischer dabei ist). Wir waren im Februar dort und in dieser Höhe wird es abends und nachts empfindlich kühl, die Temperatur fiel unter 0°C – ein warmer Schlafsack und warme Kleider sind also nötig.


Ein weiterer Höhepunkt sind die Petroglyphen, die wir per Zufall hinter Zouar entdecken, und dann vor allem jene beim „Mann von Gonoa“ (Nähe Bardai), welche auch Elefanten, Büffel, Giraffen, Gazellen und sogar ein Nashorn abbilden. Gegen Schluss der Reise tauchen die Seen bei Ounianga-Kébir und -Sérir auf (UNESCO Weltnaturerbe): die frischen grünen und blauen Farbtupfer sind eine Wohltat für die Augen nach all der Dürre in diesem kahlen und kargen Land. Baden bei 17°C ist möglich (einer der Seen bei Sérir ist ein Süsswassersee, die anderen sind salzig). Aber auch hier gibt's keine Landwirtschaft. Das einzige was hier wächst, sind Datteln (werden getrocknet, sind steinhart, und fast nur als Paste geniessbar). Dennoch kommen wir fast täglich an Brunnen vorbei und können unsere Kanister füllen. Nur für eine Dusche oder Haarwaschen in dieser staubigen Gegend reicht es nicht.
Wir passieren einige Dörfer. Die Häuser sind aus Baumstämmen, Steinen oder Matten gebaut, die aus Palmblättern geflochten oder gewoben werden. Um die Hütten suchen immer ein paar Ziegen nach fressbarem, manchmal auch im Abfall …


Die Leute sind meist zurückhaltend gegenüber Fremden. Bisher gibt es ja auch kaum Besucher in dieser Gegend: Wir begegneten gerade mal zwei kleinen Touristengruppen auf der ganzen Tour. Doch dank unserer lokalen Führer und Fahrer haben wir keinerlei Probleme. Wer etwas französisch kann, sollte z.B. das Gespräch mit den Marktleuten suchen. Als eine Frau einwilligte fotografiert zu werden, und die anderen dann ihr Bild sahen, wollten sie plötzlich alle auch ein Foto von sich sehen. Auf den Märkten gibt es kein frisches Obst oder Gemüse (ausser Zwiebeln). Alles muss im Auto von Faya her mitgenommen werden. Man muss sich also auf etwas einseitige Kost (abends) von Reis, Couscous, Pasta, ein paar Fleischstücken mit evtl. Karotten oder Kartoffel
einstellen. Zum Mittagessen gibt es meist einen Salat (mit Sardinen statt
Fleisch, wer wollte) und Bohnen, Maiskörnern und Oliven aus der Büchse. Das höchste der Gefühle: Fruchtsalat (aus der Büchse). Dörrfrüchte mitzunehmen wäre also sehr zu empfehlen.

Wer diese Reise unternimmt, muss sich bewusst sein, dass die fast täglichen Autofahrten lange und oft sehr holprig sind. Es kann kilometerweit im Schritt-Tempo über Geröllhalden gehen, und dann wieder weht einem der Staub um in die Augen, wenn die Fahrer auf flachen Wüstenebenen
mit 80-100kmh über die Piste brettern. Mit den (nicht geraden neuen) Autos sind die Fahrer wahre Künstler: ein platter Reifen ist im Nu geflickt. Und wer ein bisschen Krafttraining machen will, darf beim Stossen mithelfen, wenn ein Auto mal zu tief im Sand stecken bleibt. Aber das gehört sozusagen zu dieser Reise: Jedenfalls sind wir alle wohlbehalten und gesund zurückgekommen. Und mit wunderschönen Erinnerungen an eine Gegend, die mit ihren Formen und Farben fasziniert.

Marie-Louise Gänger

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