Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Tansania – Fantastische Abenteuer am Mount Meru und Kilimanjaro

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14 Tage Trekkingreise 17.06.2013 – 30.06.2013

Hallo an alle Gipfelaspiranten!
Und? Mount Meru mitgebucht? Ja? Sehr gute Wahl!

Im Nachhinein muss ich sagen, dass war eine meiner besten Entscheidungen überhaupt. Zum einen wäre da der meist als Hauptmotivation dienende Effekt, dass die Vorakklimatisierung am Meru die Gipfelchancen am Kili deutlich erhöht. Zum anderen ist auch die Besteigung des Meru ein fantastisches Abenteuer, welches der Besteigung des Kili in nichts nachsteht: Der einzige Unterschied ist der fehlende Superlativ einer der Seven Summits zu sein!

Zu Ersterem kann ich aus eigener Erfahrung jetzt folgendes berichten:Unser Guide Yohana, der uns an beiden Bergen begleitete, meinte, die meisten, die den Meru zuvor bestiegen, schafften es am Kili auch bis zum Gipfel. Der Effekt der Vorakklimatisierung war am Kili tatsächlich deutlich zu spüren: Da wir am Kili die einzige Gruppe waren, die zuvor am Meru war, waren wir morgens meist die letzte, die zur jeweiligen Tagesetappe aufbrach, aber stets die erste, die das Tagesziel erreichte.

Doch eins nach dem anderen:
„Basis“ für usere beiden Touren war die Meru-View-Lodge. Diese kann man ruhigen Gewissens ohne jede Einschränkung weiterempfehlen: Das Personal war sehr freundlich. Als erste Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Lodge war tagsüber stets eine junge Deutsche vor Ort, und das Briefing vor den Touren wurde von einer ihrer Kolleginnen – ihrerseits ebenfalls eine junge Deutsche – abgehalten. Da Letztere wohl selbst auch schon den Kili bestiegen hatte, konnte sie auch einige nützliche Tipps aus eigener Erfahrung geben.

Gleich nach der ersten Nacht im Bungalow ging es los: Einen großen Teil seines Reisegepäcks konnte man an der Lodge zur Aufbewahrung zurücklassen: Dinge, die man entweder für An- und Abreise benötigte, oder die besonders warmen Klamotten, welche für die Gipfelnacht am Kili bestimmt waren, da es dort noch einmal signifikant kälter würde, als am Meru.

Der Aufstieg zur Miriakamba-Hütte erfolgte über die Southern Route, mit ein paar netten Tierbegegnungen. Die Hütte lag mitten in der Wolkendecke, sodass es dort recht klamm und ungemütlich war. Letzteres galt besonders für die Matratzen in den Doppelstockbetten. Hier zahlte sich die Idee aus, die Rettungsdecke aus einem abgelaufenen Erste-Hilfe-Kasten aus dem Auto mitzunehmen: Die wiegt praktisch nichts, nimmt keinen Platz weg, und war echt Gold wert!

Am Tag darauf ging es erst ein paar Stunden über die Holztreppen durch den Bergnebelwald, bis wir am Mgogo wa Tembo die Wolkenobergrenze durchstießen. Von dort an hatten wir wirklich hervorragendes Wetter: Die Wolkendecke war für den Rest der Meru-Tour stets unter uns, und an der Saddle Hut konnte man die klammen Klamotten vom Vortag schön von der Sonne trocknen, und sich selbst von ihr den Pelz wärmen lassen.

Am Nachmittag ging es dann hoch zum Little Meru, während des Aufstiegs hat sich dann auch tatsächlich endlich, zum erstenmal seit unserer Ankunft, der Kili gezeigt und seinen Gipfel in der Ferne aus den Wolken gestreckt! Am Gipfel selbst haben wir uns vergleichsweise lange aufgehalten – sicher eine ganze Stunde. Unsere Guides hatten hier wohl im Gegensatz zu den beiden Hauptgipfeln keine Eile, das Wetter und die Aussicht waren wirklich toll, und für die Akklimatisierung war’s natürlich auch gut.

Die „Nacht“ vor dem Gipfelsturm habe ich kaum bis gar nicht geschlafen. Zum einen war ich natürlich aufgeregt und voller Vorfreude, zum anderen musste ich feststellen, dass meine natürliche Ruheatmung hier nicht mehr ausreichte, und dass ich alle halbe Minute etwa mal bewusst einen tiefen Atemzug nehmen musste. Praktischerweise war gerade Vollmond, als wir aufstiegen, so dass die Szenerie zusätzlich zum Schein unserer Stirnlampen ganz brauchbar ausgeleuchtet war.

Kurz vor dem Gipfel, der Morgen graute schon, und die Flagge am Gipfel war schon zu sehen, habe ich mich dann vorgedrängelt, um als erster oben zu sein. Der Blick über die 2000 m unter uns liegende Wolkendecke entschädigt für alle Strapazen!

Beim Abstieg am nächsten Morgen habe ich dann noch unseren Ranger interviewt zum Gefahrenpotential der Tiere am Mount Meru: Der meinte, am gefährlichsten seien wohl die Büffel: Wenn die losrennen, und man steht im Weg, ist das halt unvorteilhaft, da die sich nicht daran stören. Leoparden gingen einer Gruppe Menschen wohl eher aus dem Weg, weswegen die Träger auch durchaus ohne Bewaffneten Ranger unterwegs seien, und zu Hyänen meinte er „Hyena? No! It’s not dangerous. It’s like little dog!” Von seiner Flinte hätte er noch nie Gebrauch machen müssen, die trüge er nur zur Abschreckung.

Im Übrigen fiel mir auf, dass das Personal der Tanapa tatsächlich sehr darauf bedacht ist, ihren Berg sauber zu halten: Konnte sich ein Tourist doch mal wieder nicht benehmen, und hat seinen Müll achtlos einfach an den Wegesrand geschmissen, so wurde das vom Ranger fein säuberlich aufgesammelt, und mit ans Gate getragen, um dort entsorgt zu werden.

Am Gate angekommen, mussten wir uns dann noch gedulden, bis der Koch ein letztes Mittagessen für diese Tour kredenzt hatte, was unserer Meinung eigentlich überflüssig war, da wir viel lieber gleich in die Lodge gefahren wären. Dort hätte es sicher auch etwas zu Essen gegeben…

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