Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Höhen und Tiefen in Bolivien

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Dresden und La Paz haben zweierlei gemeinsam – sie liegen beide in einem Talkessel und sie lieben ihre Bergbahnen. Während in Dresden der Elan am Neubau vor hundert Jahren erloschen ist, kommen in La Paz immer neue Linien hinzu. Jede Straße führt entweder bergauf oder begrab, sodass für Touristen die Fahrt mit der Bergbahn eine preiswerte Möglichkeit darstellt, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.

Immerhin liegt die Stadt sehr hoch, sodass die älteren Einheimischen gerne Cocablätter kauen. Kaufen kann man sie ganz legal an nahezu jeder Straßenecke. Zur „Beruhigung“ der Touristen hat man wohl extra das Coca-Museum eingerichtet, welches über die Historie des Coca-Verzehrs berichtet. Gerne würde ich auch von den bewusstseinsverändernden Wirkungen schreiben, allein sie stellten sich nicht ein. Dafür entfaltet das vor Ort gebraute Bier, in 0,66 Liter Flaschen oder Gläsern gereicht, eine hervorragend durstlöschende Eigenschaft, die den sommerlichen Temperaturen entgegenwirkt.

Das quirlige Leben des bolivianischen Regierungssitzes und die menschenleere Stille der Atacama-Wüste trennen nur etwa eine Flugstunde. Eine Jeep-Rundreise von Uyuni führte durch den Salzsee Salar de Uyuni zur Laguna Colorada und weiter zum Geysir Sol de Manana. Auf der größten Insel im Salzsee leben keine strickenden Männer wie im Titicacasee, sondern nur Säulenkakteen, dafür aber deutlich mehr. Aus der Salzkruste des Sees schneiden die Anwohner Ziegel, mit denen sie sich Hütten bauen. Eine etwas größere dient als „Salzhotel“. Im Speisesaal sind sogar die Tischplatten aus Salz. Wir sind heute die einzigen Gäste und unser Abendbrot wird extra für uns zubereitet. Ein Blick ins Gästebuch offenbart, dass das öfter vorkommt. Allerdings reicht andererseits die Kapazität auch nur für eine Handvoll Einzelreisende. Ein Erlebnis ist es allemal.

Neben der Laguna Colorada gibt es noch weitere Hochgebirgsseen, die teilweise völlig leblos sind, aber auch von hunderten Flamingos bevölkert werden. In dieser Höhe ist es die meiste Zeit so trocken, dass weder Bäume noch Sträucher wachsen. Trotzdem findet man manchmal Vicunas. Dafür ist es nachts bitterkalt und man hat einen Blick auf die Milchstraße wie selten. Es gibt aber eine Eisenbahnlinie, auf der Güterwaggons mit Erzkonzentrat befördert werden. Die einmalige Natur im Dreieck Bolivien, Chile und Argentien ist auf jeden Fall eine Reise wert.