Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Äthiopien | Historische Route

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Ich habe mich aufgemacht auf eine Reise durch Nordäthiopien – oftmals als „Die Wiege der Menschheit“ bezeichnet. Kennenlernen konnte ich ein Land mit einer bezaubernden Landschaft, wo verschiedene Religionen/Ethnien größtenteils ein friedliches Zusammenleben führen. Meine 10-tägige Reise beginnt in der Hauptstadt Addis Abeba – einer Stadt mit der Mischung aus Moderne, Tradition und dem größten Straßenmarkt Afrikas. Axum erreicht man von Addis Abeba bereits nach einem kurzen Flug über das spektakuläre Semien Gebirge. Mit ihren engen Gassen fühlt man sich in Axum, wie in die Antike zurückversetzt. Der monumentale Stelenpark und die Legende um die Königin von Saba verstärken dieses Befinden. Auf der Weiterreise nach Mekele, Hauptstadt der Provinz Tigray, fährt man durch das faszinierende Adua Gebirge und kann unterwegs den Terrassenanbau bestaunen. Meist handelt es sich um das landestypischste Getreide Teff, aber auch Weizen und Linsen werden angebaut. Unterwegs besuche ich einige der ältesten Felsenkirchen der Welt. Sehr sehenswert sind die Quirkos-Kirche in der Nähe von Wukro und die Felsenkirche Mikael Melhazane, mein persönlicher Favorit. Sie liegt idyllisch auf einer Anhöhe umgeben von Bauernhütten und Getreidefeldern. Erbaut wurde sie etwa 400 Jahre nach Christus von Abreha Atsebeha. Unterwegs begegnet man vielleicht Kindern mit Kühen beim Getreide dreschen und sieben, für Mensch und Tier Schwerstarbeit. Nach einem traditionellen Abendessen (Injera) geht es ausgeruht am kommenden Tag von Mekele zum Tagesziel Lalibela. Die Felsenkirchen von Lalibela zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und entspringen einer langen Tradition des Kirchenbaues. Die wahrscheinlich bekannteste Kirche ist die Bete Gyorgis, von oben in den Fels gehauen hinterlässt sie bei jedem Besucher einen bleibenden Eindruck. Ich habe das Glück in der Kirche des „Heiligen Raphael“ (Bete Gabriel Raphael) einem Gottesdienst beizuwohnen. In zeremonieller Kleidung mit Weihrauch, Trommeln und Gesang wird das Abendmahl eingenommen. Am nächsten Morgen fliege ich weiter in die alte Königsstadt Gondar. Beeindruckend ist das Debre Berhan Selassie Kloster mit meisterhaften Wandmalereien. Die Engel an den Decken geben mir das Gefühl von allen Seiten beobachtet zu werden. Der im 17./18. Jahrhundert erbaute Palastbezirk Gemp erinnert mich an alte Burgen und Festungsanlagen im europäischen Raum. Auch das als „Bad des Fasilidas“ benannte Wasserschloss lässt mich staunen. Während des Timkat-Festes wird das Becken mit Wasser gefüllt. Der Bischof von Gondar weiht das Wasser, indem er sein Kreuz in das Wasser taucht und anschließend stürzen sich zahllose Pilger in das geweihte Nass. Von Gondar fahre ich über Land weiter nach Bahir Dar zum Tanasee. An einem Samstag, wo allerorts Markttag ist, gleichen die Straßen einer Völkerwanderung. Überall sind Menschen unterwegs um Lebensmittel, Gebrauchswaren und vieles mehr zu verkaufen. Manchmal trifft man auf Kinder die Ackerflächen bewachen und mit Steinschleudern Raben vertreiben. In Bahir Dar angekommen, fahre ich an die Tis-Issat-Wasserfälle, den Ursprung des Blauen Nils. Der Fluss vereinigt sich in Khartoum mit dem Weißen Nil und bildet den Hauptwasserlieferant für den Sudan und Ägypten. An meinem letzten Tag genieße ich noch eine Bootsfahrt auf dem Tana-See und staune, welche Lasten die landestypischen Papyrusboote tragen können. Auf der Halbinsel Zeghe besichtige ich das inmitten von Kaffeesträuchern gelegene Kloster Bete Maryam und nutze die verbleibende Zeit um letzte Souvenirs wie Tücher und köstlichen äthiopischen Kaffee zu kaufen. Zurück in Addis Abeba erwartet mich zum Abschluss ein traditionelles Abendessen mit volkstümlichen Tänzen und Gesang. Eine einmalige Reise durch den Norden des Landes geht zu Ende und schon während des Rückfluges steht für mich fest, dass ich Äthiopien wieder besuchen werde, denn die Naturvölker im Süden des Landes habe ich leider noch nicht kennengelernt.

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