Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Winterliches Japan – Fotoreise in die Schneelandschaften Hokkaidos

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Hauptziel unserer Fotoreise zur Winterszeit ist die im Norden Japans gelegene Insel Hokkaido, zu dessen Flughafen Kushiro wir nach einem kurzen Umstieg in Tokio direkt aufbrechen. Ankunft am Nachmittag, hier erwartet uns bereits unsere Führerin Kaori, die uns die nächsten 11 Tage sehr engagiert in der täglichen Organisation und im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung unterstützen wird. Am ersten Abend führt sie uns in einem sehr traditionellen Gasthaus zu einem fantastischen Abendessen, bei dem wir die in ganz Japan berühmte und geschätzte Küche von Hokkaido kennenlernen können. Wir sitzen um ein gemütliches Feuer, auf dem die Suppe gekocht, sowie die Köstlichkeiten, viele aus dem Meer, gegrillt und zubereitet werden.

Am nächsten Morgen geht es weiter zum Akan Crane Center, dem ersten Beobachtungsort für die auf Hokkaido überwinternden Mandschurenkraniche. Heute bläst der Wind etwas stärker, sodass die Vögel bei Landung und Start auf einer großen Schneefläche immer mit ihrer Koordination kämpfen müssen. Mittags besuchen wir Ito, eine weitere und landschaftlich sehr schön gelegene Fläche, auf der die Kraniche zur ihrer Unterstützung in der schneereichen Zeit angefüttert werden. Aufgeregt sind sie, als die Maiskörner verteilt werden – wir sehen die ersten wunderschönen Tänze der Vögel, oft im Paar durchgeführt.

Der Tag endet mit einer Fahrt nach Rausu, auf der nördlichen Shiretoko-Halbinsel gelegen, welche 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier wohnen wir im Ryokan in einem traditionellen japanischen Zimmer mit Tatami-Matten und Futonbetten. Am nächsten Morgen fahren wir früh, noch in der Dämmerung, im Hafen zu unserem exklusiv gecharterten Boot, mit dem wir 6 Stunden lang nach eigenen Wünschen und in unserem eigenen Rhythmus die hier im Winter zahlreich anzutreffenden Seeadler und Riesenseeadler beobachten können. Normalerweise hat sich Mitte Februar das Packeis, auf dem die Adler dann leben, bis kurz vor den Fischerort im Meer herangeschoben, doch dieses Jahr ist es wärmer als gewohnt – und so ist das Packeis noch über 100 km entfernt und für uns leider nicht erreichbar. Nun halten sich die Adler in den umliegenden Bergen und Wäldern auf und sind, schnell von den Möwen angelockt, wenn es etwas zu fressen gibt, in kürzester Zeit und in großer Anzahl um unser Schiff herum. Frühmorgens ist der Himmel sehr bedeckt, kurz vor Mittag kommt die Sonne heraus, so erleben wir die Adler in verschiedenen Licht- und Wetterkonstellationen, was uns eine vielfältige Motivgestaltung bei unseren Bildern ermöglicht. Am Abend dieses Tages verbringen wir einige Stunden in einem Ansitzversteck und können zweimal beobachten, wir ein Riesen-Fischuhu zum vorbereiteten Luderplatz kommt und sich dort einen Fisch holt. Schon jetzt, aber insbesondere in der folgenden Nacht stürmt es heftig, sodass wir am nächsten Morgen erst etwas später zu unserem zweiten Bootschartertag aufbrechen können. Es schneit fast den ganzen Tag – wie wunderbar! In den tänzelnden Schneeflocken ergeben sich neue, sehr reizvolle Fotomotive, ganz besonders wenn sich die Adler in Interaktionen gegenseitig in der Luft umwirbeln. Fast bei allen von uns sind die Speicherkarten in solch einer Geschwindigkeit gefüllt, wie wir uns das vorher nicht haben vorstellen können.

Um die Adler auch auf einer Eisfläche sehen zu können, ändern wir spontan unser Programm und fahren am nächsten Tag vorbei an der landschaftlich sehr reizvollen Halbinsel Notsuke (schöne, vereiste Küsten, zahlreiche Hirsche, mehrfach Rotfüchse) nach Süden zum Städtchen Nemuro. Es liegt in der Nähe einer zugefrorenen Meereslagune und hier können wir am folgenden Morgen bei einem kleinen Gästehaus, von einem japanischen Fotografen betrieben, eine Anfütterung der Greife verfolgen. Mit zwei Pulkaschlitten wird gefangener Fisch aufs Eis gefahren und dort verteilt; innerhalb von Minuten ist der Himmel voll von Adlern und auch sehr vielen Schwarzmilanen. Über eine Stunde lang verfolgen wir das Spektakel – und wieder laufen die Kameras heiß.

Unser nächstes Ziel ist der Kussharo-See. Hier dampft die Erde, am Mount Sulphur erleben wir, wie große Rauchsäulen zum Himmel aufsteigen. In zahlreichen kleinen Springquellen blubbert und zischt es, die Steine ringsrum leuchten knallig gelb von den Ablagerungen der schwefelhaltigen Dämpfe. Am nahe gelegenen See gibt es heiße Quellen, die einen Teil des Wassers vor dem winterlichen Zufrieren schützen. Hierhin ziehen sich die Singschwäne in dieser Jahreszeit zurück. Über zwei Tage lang können wir sie aus größter Nähe beobachten und fotografieren, immer mit ihren schönen Lauten im Ohr.

Die restlichen Tage auf Hokkaido gehören wieder den Mandschurenkranichen. Frühmorgens sehen wir sie an ihrem Schlafplatz im Fluss, tagsüber ist – von drei möglichen Gelegenheiten sie zu beobachten – Ito unsere Lieblingsstelle geworden. Wir konzentrieren uns auf Flugaufnahmen sowie auf Aufnahmen der Tänze. Wieder haben wir Glück und erleben bei einigen Stunden im Schneefall völlig andere Momente als am Tag zuvor, der viel Sonnenschein hatte. Durch den Hinweis eines zufällig getroffenen Fotografenkollegen hören wir von einem Habichtskauz, den wir bei unserem zweiten Versuch auch abends im Wald in seiner Baumhöhle antreffen.

Ans Herz ist uns Hokkaido gewachsen in diesen Tagen. Die Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung sind unfassbar intensiv und eindrucksvoll, aber auch die Landschaften haben uns sehr gefallen: wilde Küsten, leuchtende weiße Schneeberge. Die japanischen Traditionen in den ursprünglichen Hotels haben uns wie die einheimische Essenskultur herausgefordert, dabei ist so mancher von uns auch ein Fan der gemeinschaftlichen Onsen-Bäder geworden.

So verlassen wir die Insel wieder mit etwas Wehmut, haben aber noch einen Höhepunkt unserer Reise vor uns: von Tokio aus fahren wir mit dem Schnellzug Shinkansen über Nagano nach Yudanaka, wo sich ganz in der Nähe tagsüber im Jigokudani-Affenpark die sogenannten „Schneeaffen“ in das Wasser der heißen Quellen setzen. Unser Glück bleibt uns treu: wir erleben einen fantastischen Tag und können verfolgen, wie die japanischen Makaken, zwischendurch leicht von Schneeflocken berieselt, im Pool sitzen, sich gegenseitig entlausen, manchmal um die Ecke, zum Fluss runter oder auf den Berg hochjagen und manchmal einfach nur relaxt im warmen Wasser sitzen und sich entspannen.

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