Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Magie und Mythos Indochinas – eine Reise durch Laos, Vietnam und Kambodscha

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Jet lag in Hanoi: flirrendes, wimmelndes, hupendes, geräusch- und geruchvolles Leben auf Straßen und „Bürgersteigen“, I-Pad neben Wassereimer und Ventilator, Bratspieße neben Moped-Auspuff, Fernseher neben Korbflechten und Kräuterwaschen. Organisches und Anorganisches, Modernes und Archaisches, Tier und Mensch scheinen dichter beieinander als bei uns. Vielleicht nicht so ein Sprung wie von hier nach Indien, aber doch ein Sprung. Trotz annähernd vierzig Grad in Deutschland ist die Feuchtigkeit eine Umstellung, auch die frühe Dämmerung. Gleich am ersten Abend ein tolles Restaurant, empfohlen von unserer Reiseleiterin. Überhaupt das Essen in Südostasien: ziemlich durch die Bank lauter Highlights – frisch, gemüse- und früchtereich, kräuterduftend, aromatisch und variantenreich zubereitet.

Gut generell die kleine Reisegruppe! Und Glück konkret mit unserer netten Gruppe! Die Guides unterschiedlich, auch unterschiedlich interessant und mitreißend, aber jeder auf seine Weise bemüht, uns Land und Leute nahezubringen. Die Vielfalt ist hier auch das Schöne: dass wir im Laufe der Reise verschiedene Guides kennenlernen. Merkwürdiger historischer „Zufall“, auf Schritt und Tritt der DDR zu begegnen – durch deren ehemalige Verbindung mit dem sozialistischen Bruderland.

Viele, viele Busfahrten, weitgehend komfortabel – viel Platz, gute Sicht – das Land rauscht mit tausend Eindrücken an uns vorbei. Roadmovie-Gefühl. Halongbucht leicht grauverhangen. Die Touristen-Schiffskapazität scheint bereits an eine Grenze gekommen. Wäre schade, wenn die letzten Paradiese zu billig an den Tourismus verschleudert würden – das immer im Bewusstsein gesagt, dass wir mit dabei sind, sie in Besitz zu nehmen. Viele solche Grundsatz-, fast kann man sagen: moralische Fragen, beschäftigen uns immer wieder auf der Reise: Was darf, was sollte man, was sollte man eher nicht? Was kann man egoistisch für sich fordern, was sollte man in Ruhe lassen, wie kann man Tourismus „nachhaltig, umweltverträglich und sozialkompatibel“ gestalten? Wie verändert unser Dazutreten das, was wir gern „ganz ursprünglich“ genießen würden? Das Tolle an unserer Gruppe ist, dass solche Fragen immer mal wieder diskutiert werden, auch mit der Reiseleiterin. Toll an der Gruppe ist natürlich umgekehrt genauso, dass man auch mal ungeniert Quatsch miteinander machen kann.

Die Schiffsreise in der Halongbucht ist trotzdem sehr schön, auch das Übernachten.

Nachtzug nach Hue: hygienisch nicht unbedingt lupenrein, aber die Erfahrung wert! Ab morgens Blicke aus dem Fenster, Reisfelder, Gräberlandschaften, nachts nette Bierdosenrunden (auf ganz nüchternen Magen traut man sich nicht auf die Toiletten – dabei sind sie bei uns eigentlich auch nicht besser!) und die Erfahrung kultureller Unterschiede.

Spontaner Kochkurs in Hoi An gelungen, informativ und in schönem Ambiente: Unbedingt übernehmen! (Die Teilnahme kann ja freiwillig bleiben). Fahrt übern Wolkenpass mit legendären Orten wie China Beach großartig. Museen immer interessant – gern auch Zeit, allein herumzuwandeln, nach allgemeinen Einführungen; man muss nicht immer an die Hand genommen werden (der Guide ist ja da und man kann ihn fragen). Gut, wenn man bei dem engen Zeittakt auch mal bisschen Zeit zum Relaxen oder selber Gucken hat – wie z.B. in Hoi An. Auch hier die Frage: wie viele Touristen und Läden verkraftet das Städtchen noch? Ab wann sieht man die alten Häuser nicht mehr? So charming das leichte Hippieflair in den Ufer-Bars auch ist…

Saigon war sehr kurz, ein schönes Restaurant im Kolonialgebäude mit der Gruppe; erschreckender Verkehr, fast menschenverachtend… gut war der chinesische Großmarkt als Eindruck, vielleicht etwas zu ausführlich der Wiedervereinigungspalast, aber doch sehenswerte Impressionen von sozialistischer Tristesse (pastellfarbene Telefone in Bunkerbüros! die DDR ist noch ganz nah). Unbedingt das Antikriegsmuseum, gern auch mit mehr Zeit.

Mekongdelta-Blicke aus Bus und Boot tolles Erlebnis – besonders unser „eigenes“ kleineres Boot, auch die Exkursion zu der Reiscräcker-Manufaktur. Schwimmender Markt am Morgen schöner Ausflug: hoffentlich hält er sich noch eine Weile, auch als lebendiger Traditions-Markt für Anrainer, und nicht nur für Touristen!

Und dann Kambodscha. Lebendiges Phnom Penh – Überraschung angesichts der trotz viel Armut im Land höheren (Dollar-)Preise, der „amerikanisierten“ Flusspromenade. Sympathisch und sehr gut das Restaurant (Romdeng), Essen köstlich und toll, so ein soziales Projekt (Straßenkinder zu beschäftigen) mit zu unterstützen (wir gehen dann später in Vientiane in dem Restaurant derselben Organisation auch sehr gut essen). Erschütternd das ehemalige Schulgebäude, das den Roten Khmer als Gefängnis- und Folterlager diente. Gespenstische letzte Runde vor der abendlichen Schließung, der schließende Wärter alles andere als freundlich, fast fürchtet man, mit eingesperrt zu werden. Dass wir spontan zu den „Killing Fields“ fahren können, obwohl es nicht vorgesehen war: einer der vielen Momente auf der Reise, wo flexibel reagiert wird seitens der Veranstalter: das ist sehr gut! (Umgekehrt finde ich: die Guides dürfen schon klare Ansagen machen und müssen nicht immer demokratische Meinungsbilder einholen: sonst kann man ja eine Individualreise machen!)

Wie sehr „Indochina“ in die Verwerfungen, Geschichte und Kriege des europäischen und amerikanischen Kontinents eingebunden ist: das hat man, wenn man es vielleicht auch schon wusste, auf eindrückliche Weise nacharbeiten können auf dieser Reise. Wobei ja Pol Pot gerade ein doch ziemlich hausgemachtes Horrorphänomen war (nein, denn auch hier hat die Ablehnung der Amerikaner aufgrund ihrer aberwitzigen Kriegsaktionen das Ihre dazu beigetragen). Interessant dazu auch die „native speakers“, sprich Guides und ihre Sichtweisen auf diese Geschichte (beide Guides reden sehr offen und engagiert über die Pol Pot-Zeit). Auf der ganzen Reise mit viel Geschichte, leider auch viel Kriegsgeschichte, in Berührung gekommen: lehrreich und traurig (nicht gewusst z.B., dass ein Drittel von Laos mit Landminen verseucht ist! Exzellente Aufklärung darüber im COPE-Zentrum in Vientiane!).

Sehr schön und gute Vorbereitung auf die Tempel das Nationalmuseum in Phnom Penh, samt kundigem engagiertem Guide!

Dann Siem Reap (Hotel mit großem Pool! Auch in Phnom Penh: Riesenpool mit kühlem! Wasser!) mit seinen Tempeln… Die Stadt selbst im Aufbruch zur totalen Verwestlichung, eine Bank neben der anderen, Luxusgeschäfte… demgegenüber der Nachtmarkt, auf dem man günstig schöne Handwerksprodukte finden kann (Die Freizeit am letzten Tag war wohltuend, nach dem Tempelmarathon!) Was soll man noch sagen zu den Tempeln? Absolut großartig natürlich, Superlative – aber klar, man ist nicht allein. Am Ende fand ich es eigentlich gut, wie es war, auch wenn es anstrengend war. Eine Mittagspause oder Pausen überhaupt sind wichtig, aber dass solche Besichtigungen auch mal anstrengen, liegt in der Natur der Sache. Auch hier finde ich immer gut eine Mischung aus: Geführt werden und in Ruhe gelassen werden und feste Treffpunkte zum Wiederfinden.

Na und dann haben wir uns auf eigene Faust nach Laos aufgemacht – wo die anderen ihre Reise begonnen haben. Da schließt sich der Kreis. Laos wirklich deutlich gemütlicher und beschaulicher, Luang Prabang sehr sympathisch und das Hotel Chitdara lädt zum Verweilen ein. Trekkingtouren im Schlamm nur bedingt empfehlenswert (wie wir sie mit einem lokalen Veranstalter unternommen haben) – da setzte die Regenzeit erstmals heftig ein! In Vang Vieng kamen dann richtige Sintfluten, und so waren wir froh, als wir noch ein paar Tage in Vientiane durch Kunsthandwerkläden, Cafés und Tempel bummeln konnten.

Alles in allem eine sehr gelungene Reise mit Diamir! Vielen Dank!

Kekke Schmidt

August 2015

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