Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Am magischen Kronotsky-See

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Hallo liebe DIAMIR-Gäste,

Mein Name ist Alla Ganster-Kuznetsova. Seit vielen Jahren bin ich für DIAMIR Erlebnisreisen als Reiseleiterin auf Kamtschatka im Einsatz. Ich bin auf Kamtschatka geboren und aufgewachsen. Ich verbringe mehr Zeit in der Wildnis Kamtschatkas als in der Stadt und kenne mittlerweile jede Ecke meiner Halbinsel. Dachte ich bisher! Dass ich in meiner Heimat noch mit atemberaubenden Aussichten überrascht werden könnte, hätte ich nie geglaubt. Nun, ich täuschte mich gewaltig…

In Rahmen einer wissenschaftlichen Expedition mit Forschern des Kronotsky-Naturreservats durfte ich im Oktober 2018 zum selten besuchten Kronotsky-See mitfliegen und mir dabei ein Bild vom größten See der Halbinsel machen.

Der Flug dorthin dauert ca. 1,5 Stunden, je nachdem welche Route die Piloten wählen. Entweder an der Ostküste entlang, direkt an der unberührten Pazifikküste oder die Route vorbei an den aktiven Vulkanen des Nordens. Wir haben Glück gehabt und auf dem Hinflug die Permafrost-Tundra an der Küste bei herrlichem Sonnenuntergang gesehen und vier Tage später die rauchenden Vulkane Karimsky und Awatschinski beobachten können. Allein das ist unschlagbar gut.

Während die Forscher ihrer Arbeit am Kronotsky-See nachgingen und eine ganz seltene Lachsforellenart untersuchten, habe ich mir das Lager „Istok“ sowie die Umgebung rund um das Lager angeschaut. Drei Hütten befinden sich direkt am Ufer des Flusses Kronotskaya, dem einzigen Abfluss des Sees in idyllischer Lage. Das erste, was mir auffiel: die Ruhe! Diese ganz besondere Stille! Ein Umstand, der heute sogar auf Kamtschatka nicht mehr selbstverständlich ist.

Es gibt hier keinen Hubschrauberverkehr, keine anderen Touristen… ich fühlte mich wie die allererste Entdeckerin, alleine inmitten der Wildnis.

Ich war auch erstaunt über den gewissen Grad an Komfort, wie beispielsweise den der geheizten Holzhütte mit Wasserleitung, Strom und sogar einer Banya (russische Sauna), die sorgfältig vom Chef des Lagers Timofey für uns angeheizt wurde. Beeindruckend.

Übrigens Timofey ist der Neffe des berühmten Seglers Födor Konükhof (Fjodor Filippowitsch Konjuchow), der hier am Kronotsky-See sein Fernweh zu heilen versucht.

Am nächsten Tag fuhr Timofey mit mir in seinem Boot rund um den Kronotsky-See und erst dann habe ich es realisiert, wie gigantisch der See ist. Der Kurilensee kam mir schon immer groß vor, aber diese Dimensionen dort waren schier nicht zu fassen.

Vier Stunden haben wir gebraucht um den See einigermaßen abzufahren. Pausen halfen mir, die Größe und die damit völlig verschiedenen Perspektiven zu begreifen.

Verteilt über den See befinden sich zahlreiche kleine Inseln, die ihn wie eine Perlenkette schmücken. Doch diese sind nicht unbewohnt…als ich an einer diesen Inseln ans Land gehen wollte, um ein besseres Bild des prachtvollen Vulkans Kronotsky zu schießen, warnte mich Timofey und zeigte mir den Bär, der uns von der Insel aus schon witternd beobachtete… den Versuch, dort ans Land zu gehen haben wir schließlich aufgegeben und sind weitergefahren. Der See ist umgeben von mächtigen Vulkanen, jedoch ist die Pyramide des Kronotsky von triumphaler Dominanz.

Das einzige Lager am See Namens „Istok“ befindet sich etwa 40 km entfernt von der Pazifischen Küste und quasi unmittelbar an der Mündung des Flusses Kronotskaya.

Zu Sowjetzeiten sind in der flachen Tundra kleine Flugzeuge gelandet, um die Geologen zu versorgen. Vor einigen Jahren wurde dort dann die Lodge errichtet. Drei schöne Holzhütten bieten uns genug Platz. Und es gibt hier eine Sauna und eine Dusche.

Vom Lager „Istok“ sind wir 28 km zu Fuß zum Lager „Aerodrom“ marschiert. Der Pfad führte uns durch Steinbirkenwälder und Tundra-Gestrüpp. Unterwegs beobachteten wir immer wieder Bären, Füchse und Elche. Im Lager „Aerodrom“ angekommen, richteten wir uns erst einmal ein und bereiteten uns auf den nächsten Tag vor, an dem uns ein Boot die Kronotskaya hinab zum Pazifik bringen sollte.

Als ich um 6 Uhr morgens aufstand und vor die Hütte trat, konnte ich in ca. 50 m Entfernung zehn Braunbären beobachten. Aleksey kam hinzu und hatte durch sein Fernglas eine dramatische Szene erfasst. Zwei ausgewachsene Wölfe hatten an der Waldgrenze eine Bärenmutter mit ihren beiden Jungen in eine Sackgasse getrieben. Das ist Wildnis pur – oftmals eben schonungslos und brutal.

Das Erlebnis während der Bootstour zum Pazifik übertraf nochmal alles bisher erlebte. Eine Szenerie mit 8 Vulkanen, Braunbären rechts und links am Flussufer, Bären im Wasser Fische fangend – bei Bär Nr. 35 hörte ich auf zu zählen. Über uns im kühlen Herbsthimmel kreisten Riesenseeadler und alles umgeben von sieben Vulkanen und dem Wächter Kronotsky. Ich muss schnell alles niederschreiben, um mich später vor lauter glücklichem und überwältigendem Gedankenchaos an alles erinnern zu können. Zurück im Lager noch eine weitere Überraschung: ca. 300 Meter entfernt vom Lager sahen wir vier Nordrentiere, deren Population nach 2016 durch den Ausbruch vom Vulkan Kizimen stark dezimiert wurde.

Überglücklich und stolz verließen wir mit unserem MI8-Hubschrauber diesen tollen Landstrich und genossen auf dem Rückweg einmal mehr die Parade der Vulkane.

Fazit: Das Kronotsky-Gebiet ist für Kamtschatka-Wiederholungsbesucher und Entdeckerseelen gleichermaßen bestens geeignet. Das Abenteuer ist definitiv exklusiv, da in beiden Lagern insgesamt nur eine Gruppe untergebracht werden kann. Es gibt weder am See noch im Lager „Aerodrom“ Tages- oder Trekkingtouristen. Das Gebiet ist nur mit dem Hubschrauber erreichbar und durch begrenzte bzw. streng regulierte Genehmigung wenig besucht. Die Zwischenlandungen im berühmten Tal der Geysire und in der Caldera Uson machen solch eine Tour zu einem herausragenden Erlebnis, wo sich Kamtschatkas schönste Seite in einer Tour bündelt.

Herzliche Grüße, Ihre Alla Ganster-Kuznetsova

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