Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Regenwaldexpedition in Kamerun und Zentralafrika

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Ursprünglich, geheimnisvoll, faszinierend – mit diesen Worten lässt sich diese Reise in das westliche Kongobecken wohl am ehesten beschreiben. Ergänzen möchte ich noch das Attribut „abenteuerlich". Denn das war diese Tour vom ersten Tag an.

Ums vorweg zu nehmen: diese Reise ist nichts für Afrika – Neulinge, oder Touristen, die mit dem Abenteuer Afrika komfortable Lodges und romantische Abende am Lagerfeuer verbinden möchten.

Nach einer anspruchsvollen zweitägigen Fahrt in robusten Geländefahrzeugen kamen wir mitten in der Nacht im WWF-Camp in Mambele an, dem Ausgangspunkt unserer Regenwaldexpedition. Bereits diese erste Etappe stimmte uns nachhaltig auf unser Abenteuer ein, denn die Straße Richtung Lobeke-NP war als solche nicht existent. Sie entpuppte sich als rutschige Lehmpiste, die unsere Fahrer und Fahrzeuge auf eine harte Probe stellte.

Nach einer kurzen Nacht ging's dann los. Eine ca. 40-minütige Autofahrt brachte uns zum Startpunkt der Expedition, einem Ranger-Camp mitten im Nirgendwo. Von da aus hieß es für die kommenden drei Tage selber laufen. Die teilweise recht anstrengenden Märsche durch den dichten Regenwald brachten uns zu natürlichen Lichtungen, wo wir nachmittags und am jeweils nächsten Morgen die Tiere des Waldes beobachten konnten. Es kam wirklich alles was Rang und Namen hat: Waldbüffel, Sitatungas, Schimpansen, Waldelefanten, Füchse und Vögel, Vögel, Vögel„. Mehr als einmal haben wir unsere Fotoapparate beiseitegelegt und staunend das Szenario beobachtet, welches sich vor unseren Augen abspielte.

Begleitet wurden wir bei diesen Exkursionen von Mitarbeitern des WWF, die uns nicht nur sicher durch den Dschungel führten, sondern uns auch viel über Flora und Fauna erzählten, und uns interessante Einblicke in ihre Arbeit vor Ort gewährten.

Die Nächte verbrachten wir in einfachen Zelten, unter einem atemberaubenden Sternenhimmel, untermalt mit den geheimnisvollen Geräuschen des Waldes, und dem Luxus von Buschdusche und Buschtoilette. Morgens wie abends wurden wir von unserer Reiseleiterin Agnes und unserem Koch John mit köstlichem Essen versorgt. Was für eine Leistung, denn die Träger der Expedition mussten neben unserem Hauptgepäck und den Zelten, auch die Lebensmittel von Buschcamp zu Buschcamp tragen.

Nach drei Tagen tiefsten Regenwalderlebnisses hieß es dann für uns Abschied zu nehmen von einem einzigartigen Abenteuer. Mittlerweile an den Verzicht von Elektrizität, fließendem Wasser und sauberer Garderobe gewöhnt, machten wir uns per Jeep und Piroge auf den spannenden Weg Richtung Dzanga-Sangha NP in der Zentralafrikanischen Republik.

Untergebracht wurden wir für die kommenden vier Tage in der Doli-Lodge, einer einfachen, aber zweckmäßigen Location mit einer wundervollen Lage direkt am Sangha, einem der großen Zuflüsse des Kongo. Dass es auch hier hin und wieder Probleme mit der Stromversorgung und fließendem Wasser gab nötigte uns fünf Touristen (mehr waren wir tatsächlich nicht!) nur ein müdes Schulterzucken ab. Wir waren ja mittlerweile Dschungel tauglich.

Die kommenden Tage waren mit unglaublich beeindruckenden Erlebnissen gespickt. Die direkte Begegnung mit dem alten Silberrücken „Makumba“, einem 300 kg schweren Gorilla und seiner Familie, war atemberaubend. Er gestattete uns sogar einen Blick auf seine 18 Monate alten Zwillinge „Inguka und lnganda".

Faszinierend war es ebenfalls die Welt der Ureinwohner, den Pygmäen, kennen zu lernen zu dürfen. Sie gewährten uns Einblicke in ihren täglichen Lebensrhythmus und nahmen uns sogar mit auf die Jagd. Sie/wir hatten Glück, denn die Pygmäen erbeuteten prompt mit ihrer traditionellen Form der Netzjagd eine Buschantilope. Jedem zartbeseiteten Reisenden sei empfohlen s ich zeitnah vom Ort des Geschehens zu verabschieden, denn das Tier wird noch an Ort und Stelle getötet.

Absoluter Höhepunkt im Dzanga Sangha NP war für mich der Besuch der Dzanga-Bai, einer riesigen Lichtung mitten im Regenwald. Eine große Aussichtsplattform, die schon vor vielen Jahren von Naturschutzorganisationen zum Zweck von wildlife monitoring errichtet wurde, bot die perfekte Basis für spektakuläre Tierbeobachtungen.

Schon der Weg dorthin, durch Wald, und streckenweise auch durch einen Fluss, war ein echtes Highlight. Je näher wir der Lichtung kamen, umso lauter wurde die tierische Geräuschkulisse. Am Ziel angekommen bot sich uns ein einzigartiges Bild. Große Herden scheuer Waldelefanten, insgesamt weit über 80 Tiere, waren hier versammelt.

Waldbüffel lagen im Schlamm und ruhten s ich aus, Vögel flogen kreischend aus allen Himmelsrichtungen auf die Lichtung, und von überall hörte man die Stimmen der Tiere. Für mich war es der intimste Moment der gesamten Reise, denn es war, als wollte der Wald mit aller Macht sein Geheimnis, die Dzanga-Bai, schützen.

Auch die anderen Reiseteilnehmer empfanden die Stunden, die wir auf dieser Lichtung verbringen durften, als etwas ganz besonderes.

JEDER, der auf der Suche nach einer einzigartigen Begegnung mit den Tieren des Regenwaldes ist, wird von diesem Ort nachhaltig beeindruckt sein! Wir waren an zwei aufeinander folgenden Tagen dort, und das lohnt sich in jedem Fall.

Irgendwann nähert sich das Ende einer jeden Reise, und wir machten uns langsam auf den Rückweg. Dieser war genauso spannend, zeitintensiv und anstrengend wie bereits der Hinweg. Aber, er bot uns somit auch die Möglichkeit, uns behutsam vom „Planeten Regenwald" zu verabschieden. Denn nichts anderes war diese Tour, eine Reise in eine völlig andere Welt.

Abschließend muss ich sagen, dass diese Reise perfekt beschrieben und organisiert wurde.

Meine persönlichen Erwartungen waren sehr hoch, und sie wurden in allen Bereichen übertroffen!

Besonders hervorheben möchte ich die wirklich bemerkenswerte Leistung, die unsere Begleiterin Agnes und ihre Mitarbeiter vor Ort erbracht haben. Sie haben nichts ausgelassen, um uns eine fantastische Zeit in ihrer Heimat zu ermöglichen. Von einer perfekten Umsetzung des Reiseverlaufs bis hin zu regelmäßigen Pausen in authentischen Restaurants (vielleicht sollte ich besser Bretterbuden„ sagen), war alles dabei. Und Agnes' Ansage “wo ich esse, könnt ihr auch essen" haben wir ohne zu zögern Folge geleistet – ohne irgendwelche Verdauungsprobleme ;- )

Als eigentlich erfahrene Afrika-Reisende muss ich sagen: ich hatte nach dieser Reise das Gefühl zum ersten Mal wirklich in Afrika gewesen zu sein. Und – ich möchte wieder dorthin!

Eure Silke Schultze

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