Eine Person sitzt auf einer Sanddüne in der Wüste von Algerien. Die Sonne strahlt auf die sanften Hügel der Sahara im Nationalpark Tassili n'Ajjer.
Foto von Wüstenlandschaft im Nationalpark Tassili n‘Ajjer in Algerien mit großen Felsen und Büschen.
In Algerien in der Wüste sind beeindruckende Felszeichnungen an einem großen Stein zu sehen, umgeben von Sand und Felsen.
Ein Kamel sitzt in der Wüste vor einer felsigen Landschaft im Tassili n‘Ajjer, Algerien, umgeben von Sand und Gras.

Reisebericht

Algerien, Tassili-n’Ajjer - Sterne, Steinzeit-Kühe und leuchtender Sand

Kathrin Undeutsch, 17.03.2024

Von Algier nach Djanet

Algier empfängt uns Anfang März mit frühlingshafter Luft. Der erste Ausflug nach Tipasa ist beeindruckend. Zwischen den ausgedehnten römischen Ruinen wachsen schattenspendende Bäume. Dazwischen schlendern ein paar Menschen, aber wir haben die Ruinen fast für uns allein. Am Nachmittag besuchen wir die große Moschee, ehe uns ein Nachtflug nach Djanet bringt. 

Mit den Tuareg ins Herz des Tassili-n’Ajjer-Nationalparks

Wir starten unsere Wüstentour mit Geländewagen, die von Tuareg gesteuert werden. Während wir unserem Fahrer Löcher in den Bauch fragen, bringt er uns sicher mitten hinein in den Tassili-n’Ajjer Nationalpark. Riesige Mondlandschaften ziehen vorbei, die sich am Horizont im Staub verlieren. Schon in der ersten Nacht spannt sich ein tiefes Sternenzelt über uns auf. Neben dem kleinen und dem großen Wagen entdecken wir Orion, die Cassiopeia, Jupiter und das Sternbild des Löwen. Die Milchstraße ist ein helles Band am Nachthimmel.

An den nächsten beiden Tagen erkunden wir die lebensspendende Oase Iherir und das Guelta Tihoutaouine. Wer hätte gedacht, dass uns mitten in der Wüste Libellen und Fröschen begegnen?

50 Shades of Red, Yellow and Brown: Wüstentrekking mit Kamelen

Schließlich ist es soweit. Das Herzstück der Reise beginnt – unsere viertägige Wüstentour mit den Kamelen. Schnell entpuppen sich die Tiere ruhige und gutmütige Wesen. Die Sättel sind erstaunlich bequem, auch wenn jeder von uns erst seine Sitzposition herausfinden muss. In weichem Wiegeschritt zieht unsere Karawane vorbei an Dünen und turmhohen Felsformationen. Die Turbane, die wir in Djanet auf dem Markt gekauft haben, schützen uns von der brennenden Sonne. Sie sind Farbkleckse zwischen den matten Hellgelb-, Braun- und Rottönen der Wüste. Wir brauchen allerdings die Hilfe der Tuareg, um die Turban-Wickeltechnik zu verstehen.

 Freiluftgalerie: Jahrtausende alte Felsgravuren im Tassili Tadrart

Jeden Tag verändert sich die Landschaft um uns herum und es gibt Neues zu entdecken. Als die Kamele schließlich ohne uns weiterziehen, sind wir ein wenig wehmütig. Für eine Nacht kehren wir zurück nach Djanet, bevor wir in den Tassili Tadrart aufbrechen. Hier finden sich andere, noch kargere Wüstenlandschaften mit unzähligen Gravuren und Zeichnungen aus der Jungsteinzeit. Die Motivwahl zeigt, dass Kühe auch vor 8.000 Jahren bei den Menschen schon beliebt waren. 

Am Abend unseres letzten Wüstentages macht sich ein Teil unserer Gruppe auf und besteigt eine 150 m hohe Düne. Es ist die höchste in der Umgebung. Der Aufstieg wird immer mühseliger im nachgiebigen Sand vor dem Dünenkamm. Aber als wir oben sitzen, entschädigt der Ausblick für alles. Der Sonnenuntergang ist ein magisches Farbenspiel. So weit das Auge reicht, leuchten die vormals ockerfarbenen Dünen nun in kräftigen Rottönen. Da wird auch unsere sonst sehr gesprächige Reisegruppe für einen Augenblick still.

Entspannt und erfüllt treten wir den Rückweg an. Wir haben noch Zeit, um in Djanet Souvenirs zu erstehen und verbringen den letzten Tag wieder in Algier. „Bonjour! Welcome!“, rufen uns die Menschen lächelnd zu. Vom ersten bis zum letzten Tag haben wir uns im Algerien willkommen gefühlt.

Blick auf die Naturlandschaft im Tassili n‘Ajjer, Algerien, mit Felsen, Palmen und einem Wasserlauf in der Wüste.
Drei Personen wandern durch die Wüste Tassili n‘Ajjer in Algerien, umgeben von Sanddünen und Felsen.