Reisebericht
Algerien, Tassili-n’Ajjer - Sterne, Steinzeit-Kühe und leuchtender Sand
Von Algier nach Djanet
Algier empfängt uns Anfang März mit frühlingshafter Luft. Der erste Ausflug nach Tipasa ist beeindruckend. Zwischen den ausgedehnten römischen Ruinen wachsen schattenspendende Bäume. Dazwischen schlendern ein paar Menschen, aber wir haben die Ruinen fast für uns allein. Am Nachmittag besuchen wir die große Moschee, ehe uns ein Nachtflug nach Djanet bringt.
Mit den Tuareg ins Herz des Tassili-n’Ajjer-Nationalparks
Wir starten unsere Wüstentour mit Geländewagen, die von Tuareg gesteuert werden. Während wir unserem Fahrer Löcher in den Bauch fragen, bringt er uns sicher mitten hinein in den Tassili-n’Ajjer Nationalpark. Riesige Mondlandschaften ziehen vorbei, die sich am Horizont im Staub verlieren. Schon in der ersten Nacht spannt sich ein tiefes Sternenzelt über uns auf. Neben dem kleinen und dem großen Wagen entdecken wir Orion, die Cassiopeia, Jupiter und das Sternbild des Löwen. Die Milchstraße ist ein helles Band am Nachthimmel.
An den nächsten beiden Tagen erkunden wir die lebensspendende Oase Iherir und das Guelta Tihoutaouine. Wer hätte gedacht, dass uns mitten in der Wüste Libellen und Fröschen begegnen?
50 Shades of Red, Yellow and Brown: Wüstentrekking mit Kamelen
Schließlich ist es soweit. Das Herzstück der Reise beginnt – unsere viertägige Wüstentour mit den Kamelen. Schnell entpuppen sich die Tiere ruhige und gutmütige Wesen. Die Sättel sind erstaunlich bequem, auch wenn jeder von uns erst seine Sitzposition herausfinden muss. In weichem Wiegeschritt zieht unsere Karawane vorbei an Dünen und turmhohen Felsformationen. Die Turbane, die wir in Djanet auf dem Markt gekauft haben, schützen uns von der brennenden Sonne. Sie sind Farbkleckse zwischen den matten Hellgelb-, Braun- und Rottönen der Wüste. Wir brauchen allerdings die Hilfe der Tuareg, um die Turban-Wickeltechnik zu verstehen.
Freiluftgalerie: Jahrtausende alte Felsgravuren im Tassili Tadrart
Jeden Tag verändert sich die Landschaft um uns herum und es gibt Neues zu entdecken. Als die Kamele schließlich ohne uns weiterziehen, sind wir ein wenig wehmütig. Für eine Nacht kehren wir zurück nach Djanet, bevor wir in den Tassili Tadrart aufbrechen. Hier finden sich andere, noch kargere Wüstenlandschaften mit unzähligen Gravuren und Zeichnungen aus der Jungsteinzeit. Die Motivwahl zeigt, dass Kühe auch vor 8.000 Jahren bei den Menschen schon beliebt waren.
Am Abend unseres letzten Wüstentages macht sich ein Teil unserer Gruppe auf und besteigt eine 150 m hohe Düne. Es ist die höchste in der Umgebung. Der Aufstieg wird immer mühseliger im nachgiebigen Sand vor dem Dünenkamm. Aber als wir oben sitzen, entschädigt der Ausblick für alles. Der Sonnenuntergang ist ein magisches Farbenspiel. So weit das Auge reicht, leuchten die vormals ockerfarbenen Dünen nun in kräftigen Rottönen. Da wird auch unsere sonst sehr gesprächige Reisegruppe für einen Augenblick still.
Entspannt und erfüllt treten wir den Rückweg an. Wir haben noch Zeit, um in Djanet Souvenirs zu erstehen und verbringen den letzten Tag wieder in Algier. „Bonjour! Welcome!“, rufen uns die Menschen lächelnd zu. Vom ersten bis zum letzten Tag haben wir uns im Algerien willkommen gefühlt.