Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Algerien – Notizen aus einem weiten Land

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13 Tage Kultur und Naturrundreise vom 13.04. – 26.04.2014

Die Hände des jungen Verkäufers in der Altstadt von Algier packen flink und geschickt das kleine Buch in lila Glanzpapier. Sorgfältig wird noch eine gelbe Schleife gebunden, das Kärtchen drangehängt, aber dann stocken auf einmal die Bewegungen. Khaled lacht und erzählt, er habe nicht oft Gelegenheit sein Englisch mit Fremden zu üben, und ob wir nicht noch ein kleines Weilchen bleiben können.

Es ist leicht mit Algeriern in Kontakt zu kommen. Sie sind offen, herzlich und interessiert. Bienvenu schallt es uns auf den Straßen von Algier, Oran oder Tlemcen entgegen, sobald wir als Deutsche erkannt werden: Bayern München oder Dortmund Fan? Eine häufig gestellte Frage. Die Bundesliga kennen hier anscheinend alle. Und Trainer Jürgen Klopp entdecken wir grinsend mit gelber Kappe auf der Titelseite einer algerischen Sportzeitung.

Algerien hat viele Gesichter. Die Hauptstadt Algier, weiß, schön und stolz auf zahlreichen Hügeln gelegen, erstickt in der Rush-Hour im Verkehrstau. Die Kasbah, Unesco Weltkulturerbe, verfällt. An vielen Ecken und Enden der Stadt gibt es Riesenbaustellen. Und trotzdem ist schwer, sich der Faszination von Algier zu entziehen, dafür sorgen die vielen, bunten kleinen Läden, die Bars und Restaurants, der Fischmarkt und Begegnungen wie mit Khaled.

1.000 Kilometer weiter südlich strahlt uns Ahmed stolz auf der Türschwelle entgegen. Wir werden zwei Nächte in seinem Haus in der Oase Taghit verbringen. Es ist ein einstöckiges rotes Lehmhaus, mitten in einem alten Ksar gelegen, der traditionellen Wohnburg der Berber. Die Zimmer sind einfach und karg, die Gastfreundschaft groß. Abends hocken wir zusammen auf dicken, roten Kissen am Boden, die Männer stöhnen über ihre Knie, vor uns niedrige Tische mit Köstlichkeiten wie Cous-Cous,Tajine oder Hühnchen aus dem Erdofen. Dann kommt ein Nachbar mit seiner Laute vorbei. Er singt von den Gärten Allahs, von Liebe und Poesie, und wieder hat Algerien ein neues Gesicht bekommen.

Am nächsten Morgen locken die Sanddünen. Bis zum Himmel wachsen sie: rund, sanft und tückisch. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Unsere Füße versinken immer wieder im feinen, gelben Sand. Eine kleine Kamelherde streift ungerührt unseren Weg, die Dattelpalmen in der Oase sind schon winzig, da beschließen wir die Umkehr. Der Weg ist das Ziel trösten wir uns. Bis zum Himmel ist es heute zu weit.

Und weiter geht es Richtung Osten: das zahnlose Lächeln von Mohamed hüpft von einer Backe zur anderen. Das riesige, kreisrunde Messingabzeichen auf seiner Brust weist ihn als offiziellen Fremdenführer von El-Ateuf aus, einer Siedlung strenggläubiger Mozabiten, die man ohne Guide nicht betreten darf. Und plötzlich sind wir wirklich in einer fremden Welt. Die Frauen sind bis auf ein kleines Guckloch für nur ein Auge weiß verhüllt, sie huschen durch die alten, engen Gassen und versuchen, die Begegnung mit uns zu vermeiden. Die Männer: streng und traditionsbewusst. Hier bestimmt der Koran den Alltag. Alkohol, Rauchen und Radiomusik sind streng verboten. Dafür sind Wege und Gassen makellos sauber, keine Spur vom ansonsten allgegenwärtigen, algerischen Plastikmüll.

Mohamed hat neun Kinder, aber nur eine Frau, wie er stolz verrät. Seine freundlichen Augen strahlen, als er uns zur 700 Jahre alten, strahlendweißen Sidi Brahim Moschee führt, die seltsam vertraut und modern wirkt. Kein Wunder, erfahren wir, der berühmte französische Architekt Le Corbusier hat sich genau hier seine Inspiration geholt.

Wieder zurück in Algier. Wir sitzen nachts in einer kleinen Bar, trinken Bier und Pastis. Zufällig entdeckt und neugierig geworden durch das kleine, dezente Schild „Algier Bar seit 1940“. Aber erst auf unser lautes Klopfen hin öffnete sich uns die dunkle, schwere Tür. Dahinter Lärm, Lachen, Zigarettenrauch, Kneipengespräche. Für eine Stunde gehören wir dazu, Algerien umarmt uns. Zum Abschied wirft mir die Chefin vom Tresen aus eine Kusshand zu. Bis zum nächsten Mal, lächelt sie. Ja, bis zum nächsten Mal!

Claudia aus Frankfurt

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