Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Senegal & Gambia März 2019

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mehrfach war ich bereits im Senegal, aber ist Gambia wirklich so viel anders? Lohnt sich eine Kombination beider Länder? Davon wollte ich mich selbst überzeugen…
Der Fug war kurzweilig, der neue und recht moderne Flughafen Dakar angenehm und die Einreise ohne Visum sehr einfach. Mit einem herzlichen „Teranga – Willkommen“ werde ich begrüßt und zum Hotel gefahren.
Ein Frühstück im Afrika Queen Hotel, unserem Stammhotel in Somone/Saly, unter Palmen und mit Meerblick sind ein guter Auftakt. Munia, der Koch strahlt mich an, als ich mich bei ihm mit „DjereDjeff“ – einem wichtigen Schlüsselwort auf Wolof, für sein Omelette bedanke.
Durch trockene und karge Buschlandschaft, verziert mit majestätischen Baobabs und später unterbrochen durch die Flussläufe des Sine-Saloum geht es nach Kaolack, der zweitgrößten Stadt des Landes. Durch meinen Fahrer, einen Reiseleiter der „Grand Tour“ – unserer 3-wöchigen Senegal-Reise, erhalte ich eine wahre Lehrstunde über die Entwicklung des Landes in den letzten Jahren. Angekommen in Kaolack besuchen wir einen der größten überdachten Märkte des Landes. Wir stoppen an unzähligen Ständen, probieren Hibiskus, verarbeiteten Weihrauch in allen möglichen Varianten, cremen uns mit frischer Karieté-Butter ein, staunen über die vielen Arten an geräuchertem Fisch und der Auswahl an Gemüse und Obst. Gleich einen Gang weiter befindet sich die Halle mit den Handwerksständen, hier werden Kleider genäht, Teppiche gewebt, Schuhe und Ledertaschen per Hand hergestellt, Korbwaren geflochten und Kalebassen in jeglicher Form geboten. Eine unglaubliche Auswahl, dazu das bunte Treiben und Feilschen der farbenfroh gekleideten Frauen mit Eimern oder Körben auf Ihren Köpfen. Jetzt bin ich mittendrin im pulsierenden Leben und die Gedanken an zuhause sind so weit weg.
Auf dem Weg nach Gambia halten wir auf einem Viehmarkt, wo mir keiner glauben mag, dass mein Geld nicht für 3 Rinder oder 5 Ziegen reicht. Kurz vor der Grenze sehen wir spontan noch Steinkreise mit prächtigen Megalithen, die ähnlich alt (ca. 3.500 Jahre) wie ihre englischen Kollegen in Stonehenge sind. Die Ausreise aus dem Senegal ist sehr bürokratisch und zäh. So bleibt Zeit, nebenbei noch ein wenig CFAs in die gambische Währung Dalasi zu tauschen. Ein paar Meter weiter zu Fuß erfolgt dann die Einreise in Gambia, die eher im Schnelldurchlauf und mit viel Humor passiert. Nun freuen sich einige unter uns, durch die englische Sprache doch wieder mehr Kontakt zu den „Locals“ zu erhalten.
Je näher wir zum Gambia-Fluss kommen, verändert sich die Vegetation. Es wird immer grüner, Palmen kommen in Sichtweite, dazu dichte Mangrovenwälder. Die neu gebaute Brücke spart enorm Zeit und das zum Teil stundenlange Warten auf die kleine Fähre entfällt. Somit erreichen wir die Unterkunft schneller als gedacht. Das Camp ist einfach, aber wunderbar direkt am Fluss gelegen.
Nun heißt es Kopfbedeckung auf, Kamera startklar und ab in die Piroge. Wir überqueren den ca. 2,5 km breiten Fluss, um in die abgelegenen Flussarme zu gelangen. Ein prächtiger Seeadler begrüßt uns und gibt einen Vorgeschmack auf die Beobachtung der vielfältigen Vogelwelt. Graureiher, Silberreiher, Eisvögel, Störche, Kormorane, Schlangenhalsvögel und Geier sind nur einige der zahlreichen Arten. Dann sind alle ganz aufgeregt, ein großes Krokodil liegt faul am Ufer und posiert zumindest kurz für uns, bevor es nach zahlreichem Klicken der Kameras die Flucht ergreift. Wow, damit hatten wir nicht gerechnet. Am Ende lassen sich gar grüne Meerkatzen in den Baumkronen sehen.
Auf dem Weg nach Banjul entdecken wir noch ein neues Unterkunftsjuwel. Idyllisch wie eine Ruhe-Oase liegt die kleine Lodge am Rande der Mangroven. Vogelgezwitscher, aufmerksames und nettes Personal, hübsche kleine Bungalows und ein prachtvoller Garten mit viel Schatten sind Gründe genug, hoffentlich bald die ersten Gäste dort nächtigen lassen zu können.
An der nördlichen Küste Gambias erwarten uns dann alle Klischees des klassischen Bade-Tourismus: breite Strände, große und zum Teil ein wenig in die Jahre gekommen Hotels, Souvenirshops, unzählige Bars und Restaurants und die passenden Touristen dazu. Davon bekommen wir zum Glück nicht allzu viel mit, denn der Besuch des kleineren aber nicht minder interessanten Marktes in der Altstadt Banjuls ist ein Muss.
Viel spannender ist dann am nächsten Morgen die Fahrt mit der Fähre über den Fluss. Hunderte Menschen zum Teil mit ihren Waren jeglicher Art auf dem Kopf balancierend, Busse, vollbeladene Laster versuchen ihren Platz auf dem Schiff zu ergattern. Das Wasser ist ruhig und somit erreichen wir nach 30 Minuten das andere Ufer.
Letzter Höhepunkt unserer Reise ist das Saloum-Delta mit der wunderbar gelegenen und schön gestalteten Keur Saloum Lodge. Von hier aus besuchen wir per Boot entlang der Mangroven das Dorf Sipo, das vom Fischfang und der Verarbeitung der Austernmuscheln lebt. Wir erhalten sogar eine Audienz bei der „Königin“ des Dorfes, die mit ihren ca. 75 Jahren noch sehr rüstig und humorvoll aus Ihrem Leben und von der Geschichte des Dorfes plaudert. Auf dem Weg zur Petite Cote spazieren wir noch über durch das beschauliche Fadiouth, einem hübschen und nur auf Muscheln errichtetem Dorf mit kleinen Gassen und einem interessanten Friedhof. Hier finden Katholiken & Muslims nebeneinander ihre letzte Ruhe und es ist ein Zeugnis für das friedliche Miteinander verschiedener Religionen und Natur-Traditionen in der Region.
Letztlich bin ich von der Reise sehr begeistert und finde, dass sich beide Länder gut ergänzen und eine interessante Einstiegsvariante für Westafrika bieten. Wer wilde Tiere im Sinne einer Safari sehen möchte, ist im östlichen und südlichen Afrika besser aufgehoben. Wer aber die verschiedenen Kulturen und Volksgruppen der Regionen mit all ihren Traditionen kennenlernen möchte, gern auf Märkten feilscht und Kontakt zur Bevölkerung nicht scheut, wird hier fündig. Bootsfahrten in wunderbarer, abgeschiedener Natur sorgen für Ausgleich und Entspannung zwischendurch.