Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Von Khartoum nach Asmara

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Reisebericht ERISON (17.2.-2.3.19)

Diese Reise wird es so in Zukunft wohl nicht mehr geben, was schade ist, denn gerade der Ost-Sudan, der bei anderen Sudan-Rundreisen gern ausgelassen wird, ist besonders interessant. Ursprünglich war geplant, von Kassala die Grenze nach Eritrea auf dem Landweg zu überschreiten. Nachdem diese jedoch kurzfristig wegen zu viel Schmuggels geschlossen wurde, mussten wir zurück zum Ausgangspunkt Khartoum und von dort über Addis Abeba nach Asmara fliegen. Eine reine Eritrea-Tour wäre da einfacher, auch wenn wir 2 unterschiedliche, beide auf ihre Weise reizvolle Strecken fuhren.

Höhepunkte in Khartoum sind die Ringkämpfe der Nubier, die in einem kleinen Stadion 3x wöchentlich stattfinden und der Zusammenfluss von blauem und weißem Nil, neben Märkten, Nationalmuseum und ansprechendem Hotel Assaha (ein Moskitonetz wäre hier allerdings angebracht!).
Kassala besticht durch das bunte Treiben und die ausgesprochene Freundlichkeit der Menschen, obwohl die Armut durch lange Schlangen vor den Geschäften und vor allem an Tankstellen hautnah spürbar ist. Höhepunkt dort ist der Besuch der halb zerstörten Moschee der Khatmiya-Bruderschaft, ein durch seine Bogen-Architektur sehr fotogenes Bauwerk.

Asmara wird nicht umsonst das „Rom Afrikas“ genannt, leider verfallen die Art-Deco-Gebäude aus der italienischen Kolonialzeit immer mehr. Dadurch, dass sie aber weiterhin genutzt werden, behält die Stadt das mediterrane Flair. Von dort unternehmen wir Sternfahrten, die allein schon eine Reise wert sind. Über Serpentinen geht es zum Teil mehr als 2500 Höhenmeter hinab durch atemberaubende Landschaften. Die Straßen werden auch von Rennradsportlern genutzt, dem Nationalsport Eritreas. Unbeschreibliches Glück hatten wir, auf dem letzten noch befahrbaren Teilstück der Eisenbahnstrecke Asmara-Massawa eine Dampflock mit Touristenwaggon anzutreffen!

Zunächst geht es aber nach Südosten, wo wir uns in Kohaito auf die Spuren der Antike begeben. Auch landschaftlich ist die Umgebung reizvoll, man blickt zum Teil einige hundert Meter steil in den afrikanischen Grabenbruch hinab und kann eine kleine Canyon-Wanderung zu frühgeschichtlichen Felszeichnungen unternehmen.
Nach Norden geht es in das hübsche Keren, wo wir einige der zahlreichen Volksgruppen kennen lernen und den Kamelmarkt besuchen.

Zuletzt geht es nach Massawa in den Osten ans Rote Meer. Die osmanisch geprägte Altstadt wurde leider im Unabhängigkeitskrieg 1990 stark zerstört, was aber die Menschen nicht davon abhält, weiterhin dort zu wohnen und den Ort lebendig zu halten. Es blieb leider keine Zeit für eine Schnorcheltour durch den Dahlak-Archipel (ich nehme aber an, dass dieser Punkt statt des Ostsudans zukünftig angeboten wird). Die Ausgrabungen von Adulis sind ein weiteres Highlight dieser Reise. Die Hafen- und Handelsstadt florierte von mindestens 2000 v. Chr. bis zu ihrem Untergang nach Zerstörung durch die Perser im 8. Jahrhundert n. Chr. So macht Geschichte wirklich Spaß! Nebenbei kommen auch Vogelbeobachtungen nicht zu kurz.

Aber nicht nur Historiker und Kulturliebhaber kommen bei dieser Reise auf ihre Kosten, sondern auch alle mit Sinn für außergewöhnliche Reiseziele und Mut zum Komfortverzicht!

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