Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Wanderabenteuer in den Bergen und Wüsten Turkmenistans

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„Ich habe mich verirrt. Die Flammen im Krater haben den Sternenhimmel ausgelöscht und allen Schatten das Licht entzogen. Die Flammen fauchen, es sind Tausende.“

So beginnt Erika Fatland´s Roman „Sowjetistan“ und dort, am Feuerkrater, endet unsere Reise. Wir haben uns natürlich nicht verirrt, denn seit Fatland´s Reise ist dort eine touristische Infrastruktur mit beleuchteten Wegen und Jurten-Unterkünften entstanden. Trotzdem hat die „Höllenpforte“ seine Anziehungskraft nicht verloren. Es handelt sich um ein vor über 40 Jahren eingestürztes Gasbohrloch. Man hatte das austretende Methan angezündet, um es unschädlich zu machen, dachte, dass das Feuer nach einigen Tagen erlöschen würde. Nun brennt es noch immer und ist die größte touristische Attraktion des Landes- aber bei weitem nicht die einzige.

Unsere Rundreise beginnt in Ashgabat, der Landeshauptstadt mit ihren weißen Prunkbauten aus Marmor, zahlreichen Wasserspielen und bunter Neon-Beleuchtung. Bei der Stadtrundfahrt erfährt man schon mal einiges über das Land und die Kultur. Vor allem die kunstvoll geknüpften, gewebten oder gefilzten Teppiche erzählen jede Menge Geschichten über das Land, ein guter Einstieg. Die spezifischen Muster der 5 Bundesländer sind sogar auf der Landesflagge verewigt und werden einem im Laufe der Reise überall begegnen.

Am nächsten Tag startet unsere Wander- und Camping-Reise und wir lernen unsere 5 Fahrer kennen. Jeder Toyota-Landcruiser ist mit maximal 3 Touristen besetzt. Wir bekommen unsere persönliche Übernachtungstasche mit Isomatte, Schlafsack, Kissen, Decke, Handtuch und Waschschüssel. Die Zelte werden ebenfalls gestellt. Die Sachen sind neuwertig, so dass es nicht erforderlich ist, eigene Ausrüstung mitzubringen. Auch sonst haben die örtliche staatliche Agentur und unsere deutsch sprechende Reiseleiterin Anna, die, wie unser Wanderführer aus Russland kommt, alles perfekt organisiert. Nur das Tagesprogramm unterliegt manchmal spontanen Änderungen wegen der fortgeschrittenen Zeit oder sonstigen Gegebenheiten. So kommen wir langsam in die Camping-Routine hinein, Anna kocht 2x am Tag leckere Gerichte, bei Einkäufen frischer Lebensmittel lernen wir unterwegs einige Märkte und Läden kennen. Die meisten Fahrten sind nicht so lang, die Fahrer lesen einem jeden Wunsch von den Augen ab. Sie fahren sehr sicher und routiniert, auch wenn das Gelände, wie in den Dünenkesseln der Karakum-Wüste, schwierig wird. Es kommt Rallye-Feeling auf. Es wird fast jeden Tag ein bis 2 Mal gewandert, an einem Tag machen wir eine Ganztageswanderung mit über 1000 Höhenmetern. So erkunden wir das Land mit allen Sinnen. Es geht durch atemberaubend schöne Schluchten, Canyons, Steppen und Berglandschaften, sogar ein erloschener Schlammvulkan ist dabei. Im Herbst dominieren Gelb- und Rottöne. Das Wetter ist fast immer sonnig bei wolkenlosem Himmel und nicht zu heiß. Unterwegs besuchen wir verschiedene, zum Teil unterirdische Thermalquellen und einige historische Stätten. Einmal wird in einem Dorf gezeltet. Auch bei anderen Gelegenheiten können wir die ausgesprochene Gastfreundschaft der Turkmenen erleben.

Nach 6 Nächten im Zelt sind wir in Turkmenbashi in der „Touristenfreizone“ Awaza in einem der 5-Sterne Hotels untergebracht. Der Kontrast könnte nicht größer sein, aber es tut gut, den Wüstensand im kaspischen Meer abwaschen und danach noch den Spa-Bereich mit großem Pool und Saunalandschaft nutzen zu können!

Die Reise endet mit einer Fahrt durch Ashgabat bei Nacht. Der Gesundheitspfad wird für uns jedoch ein Mysterium bleiben, denn wir konnten ihn nicht erkunden, er war meist gesperrt oder es fehlte einfach die Zeit. Es soll sich um zwei Trimm-Dich-Pfade handeln, die am Rande Ashgabats durch die Berge führen, einer 8 und einer 32 km lang.

Mit den politischen Besonderheiten dieses 25 Jahre jungen neutralen Landes wird man auf dieser vielseitigen Reise überall konfrontiert. Es ist durchaus spannend und lehrreich zugleich. Diese Reise ist daher allen mit Spaß am Zelten, Wandern und einer wohldosierten Mischung aus Kultur und Natur sehr zu empfehlen!

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