Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Naturexpedition Falkland Inseln und Südgeorgien

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Oktober 2017, die Vorfreude steigt, die Reise nach Südgeorgien steht unmittelbar bevor…Freunde und Familie haben gefragt „warum willst du den nochmal dort hin, du warst doch im Sommer schon in Georgien, warum jetzt nochmal in den Süden des Landes?“ Aber mit der kleinen Kaukasusrepublik hat Südgeorgien nichts zu tun … die schroffe Insel, etwa 1400 km von der argentinischen Küste entfernt, ist unter Fotografen und Polarreisenden der große (Pinguin)Traum….

In Puerto Madryn geht es an der Bord der komfortablen Sea Spirit und zunächst führt uns die Reise auf die Falkland Inseln. Bei milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein zweifeln wir an weißen Sandstränden mit türkis-blauem Meer, ob wir wirklich Richtung Subantarktis fahren oder vielleicht doch Richtung Karibik abgebogen sind. Aber die Wassertemperaturen belehren uns eines besseren und die Magellan- und Eselspinguine an traumhaften Stränden sind ein klassisches Bild der Falklands.

Aber das Ziel der 3 wöchigen Reise ist Südgeorgien. Expeditionsleiterin Anja brieft uns immer wieder, dass Wetter und vor allem Wind in Südgeorgien die Anlandungen prägen, das es nicht selten ist, dass Anlandungen abgesagt werden müssen, wenn 50 % von den geplanten Anlandungen klappt, die Expedition ein Erfolg ist …wie bei allen Expeditionsreisen sind wir trotz luxuriösem Schiff und viel moderner Technik von Wind und Wellen abhängig!

Doch wir haben Glück: 6 Tage gutes Wetter, 98 % der Anlandungen klappen und wir können sogar 3 längere Wanderungen unternehmen! Die erfolgreichste Südgeorgien-Expedition von Poseidon Expeditions, die Gesichter von Passagieren und Crew strahlen jeden Tag mehr!

Wir bewegen uns in schroffer rauer Bergkulisse auf den Spuren der Walfänger in Stromness und Grytviken und in den Fußstapfen berühmter Namen wie Ernest Shackleton: Nach einen beispiellosen Reise in einem Rettungsboot von Elephant Island (Antarktis) – ihr Schiff Endurance hatten sie bereits vorher beim Versuch einer Transantarktis-Expedition im Eis verloren – ist Shackleton an der Südseite von Südgeorgien angekommen und in einem Gewaltmarsch die Insel durchquert haben um in Stromness Rettung finden – wir wandern einen Teil des Weges von Shackleton, besuchen in Grytviken sein Grab … Gänsehautmomente für jeden Polarfan!

Aber vor allem sind wir unterwegs in Pinguinkolonien … in großen Pinguinkolonien … in St. Andrews Bay erwarten uns bis zu 600.000 Königspinguine, es handelt sich um die größte Brut-Kolonie weltweit, in Salisbury Plain besuchen wir eine kleinere Kolonie mit circa 200.000 Brutpaaren …wir nähern uns zunächst mit dem Schiff und können an Land eine Art Ameisenhaufen über den ganzen Strand verteilt beobachten, je näher wir kommen, desto ungläubiger realisieren wir, es sind alles Pinguine! Braune flauschige Jungtiere, die kreischend ihre Eltern um Futter anbetteln, ältere Tiere in der Mauser, erwachsene Tiere …dazwischen riesige Seeelefantengruppe, die jetzt im Oktober von den Bullen verteidigt werden und wo Jungtiere zur Welt kommen.

Wir fotografieren, staunen, sind sprachlos…stehen teilweise mit Tränen in den Augen am Strand und lassen die Szenerie wirken…alle Sinne sind im Einsatz: die Geräusch- (und Geruchs) kulisse, die wilde Berglandschaft von Südgeorgien die uns umgibt, der eisige Wind der uns ins Gesicht fährt, während man liegend, sitzend oder stehend von Pinguinen, Seebären und Seeelefanten umzingelt ist …

Was soll nach Südgeorgien noch kommen, mag sich mancher auf der Rückfahrt zu den Falkland Inseln gedacht haben, aber auch dort erwarten uns Highlights, die ein würdiger Abschluss für diese einmalige Naturexpedition bilden. In West Point Island verbringen wir Stunden direkt in einer Schwarzbrauen-Albatross-Kolonie. Die Tiere, mit bis zu 2,5m Flügelspannweite sausen direkt über unsere Köpfe hinweg, man spürt und hört den Luftzug, so nah sind die riesigen Vögel! In der Kolonie lebt auch eine große Gruppe Felsenpinguine, die sich hüpfend zwischen den Albatrossen bewegen und die Felsen vom Strand hinauf klettern. Mit strahlenden Gesichtern, vollen Speicherkarten und einem weinenden Auge verlassen wir nach einem obligatorischen Besuch in der Hauptstadt Stanley die Falkland Inseln und reisen zurück nach Südamerika.

Die Reise ist zu Ende, traurig verlasse ich „meine“ Kabine, die mit begehbaren Kleiderschrank und großzügigem Wohnraum sehr viel Luxus geboten hat, schweren Herzens lassen wir das brillante Küchenteam zurück, die unsere Südatlantikabenteuer kulinarisch begleitet haben und das professionelle Expeditionsteam und die nautische Crew, die die Reise in dieser Form erst möglich gemacht haben…

Die Bilder und Erlebnisse im Kopf, die arbeiten, das Realisieren, was wir dort im fernen Süden erlebt haben, das beginnt erst nach und nach … auf Wiedersehen Südgeorgien!