Zum 25. Jubiläum hat DIAMIR diese Reise ermöglicht. Reise ist untertrieben, Expedition trifft es besser.
Es bedurfte einer ausgefeilten Logistik
Der örtliche Expeditionsleiter Bernd Kroening hat jahrelange Erfahrung, kennt die Yanomami von früheren Expeditionen und verfügt über die notwendigen Kontakte, um diese Reise zu ermöglichen. Zusätzlich war Rafael Sola Ferrer als Reiseleiter dabei, um sich um die Gäste, 5 an der Zahl, zu kümmern.
4 Tage dauerte die Anreise zu den Yanomami
Zunächst ein Flug nach Bogota, wo wir eine Übernachtung hatten. Am nächsten Tag mit 2 Autos nach Villavincencia über die Serpentinen der Anden, da starke Regenfälle die Autobahn im Tal weggespült hatten. Dort wiederum eine Übernachtung. Dann weiter mit dem Charterflug nach San Felipe am Rio Negro, dem Grenzfluss zu Venezuela. Dort steigen wir um ins Boot, zum ersten Zeltplatz am Strand, wo der Rio Casiquiare in den Rio Negro einmündet.
Am nächsten Tag erreichen wir den Ort am Rio Guanapo, wo die Yanomami kürzlich ein neues Shabono (eine ringförmige Gemeinschaftsunterkunft) gebaut haben. 2 Leute aus San Felipe, die zu Bernds Team gehören, waren schon einige Tage zuvor eingetroffen, um uns anzukündigen und unser Camp vorzubereiten.
Die Yanomami leben in Gruppen von etwa 100 Personen
Das Shabono wird aus Naturmaterialien gebaut, hat einen offenen Innenhof und ein Dach aus Palmwedeln. Unter dem Dach haben die Familien ihre Hängematten aufgespannt. Wir sind beim Eintreten erstmal total überwältigt. Die Schamanen sind gerade dabei, ein Ritual abzuhalten, wofür sie sich gegenseitig halluzinogenes Pulver in die Nase blasen, um besser mit der spirituellen Welt in Kontakt zu treten. Sie behandeln in diesem Zustand auch Kranke. Dabei nehmen sie die Krankheit in sich selbst auf und spucken sie dann unter starken Schmerzen wieder aus. Auch mit anderen negativen Einflüssen wird so verfahren. Damit erfüllen sie eine wichtige Aufgabe für die Gemeinschaft. Diese Rituale finden 2-3 Mal in der Woche statt.
Wir werden ausgesprochen freundlich aufgenommen
Die Regel, am ersten Tag noch keine Fotos zu machen, wird schnell gekippt, die Yanomami haben nichts gegen Kameras. Wir dürfen nach Belieben den Alltag und die Lebensweise der Yanomami begleiten, mit ihnen in den Wald gehen, um Nahrung zu sammeln oder dürfen ihnen beim Angeln und baden am Fluss zuschauen. Sie sind sehr zurückhaltend, gehen miteinander und mit ihren Haustieren sehr liebevoll um.
Wir bleiben insgesamt 4 Tage und Nächte bei ihnen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Neugier und dem Gedanken, ob es nicht besser wäre, sie in Ruhe zu lassen. Aber die Yanomami sind nicht naiv und wissen unsere Geschenke in Form von Grundnahrungsmitteln, Angelhaken, Schmirgelpapier und anderem zu schätzen. Sie hatten zuvor konkrete Wünsche an Bernd übermittelt. Sie sind auch dankbar für eine basismedizinische Behandlung, nach der wir ausdrücklich gefragt wurden.
Mit Wehmut reisen wir wieder ab
Wir freuen uns aber auch über die Annehmlichkeiten der "Zivilisation". Die Kriebelmücken hatten uns zugesetzt, dafür gab es am Schwarzwasserfluss kaum Mücken und somit auch keine Malaria-Gefahr. Was die Verpflegung angeht, mussten wir jedoch auf nichts verzichten. Es gab Gourmet-Food und -Drink. Wie sie es geschafft haben, Tafelspitz auf dem offenen Feuer zuzubereiten, ist mir bis heute ein Rätsel! Nicht nur Solarstrom betriebene Kühlschränke, sogar einen mobilen Hotspot hatte Bernd dabei, so dass wir mit unseren Lieben daheim im Kontakt bleiben konnten. Am meisten werde ich das abendliche Bad im Fluss vermissen!
Wir fahren mit dem Boot zurück nach San Felipe, dann geht es über Inirida mit Flugzeugen zurück nach Bogota. Die Städte sind mir jedoch nach der Ruhe des Waldes zu schrill.
Diese Reise war etwas ganz besonderes.
Sie regt an, über Gesellschaftsformen, Nachhaltigkeit und Globalisierung nachzudenken. Es sind noch viel mehr schöne Fotos entstanden, die ich aber aus Datenschutzgründen nicht ins Internet stellen möchte.
Herzlichen Glückwunsch an DIAMIR zum 25. Jubiläum!