Kasachstan – wild, weit und voller Überraschungen
Über Wege, die keiner kennt: Vom Kaspischen Meer zu den himmelhohen Bergen
"Ihr wollt nach Kasachstan?" Gibt's da außer Steppe was zu sehen?
Das mit der Steppe stimmt - sehr sogar! Aber selten haben wir ein Land bereist, das so viel spannende Abwechslung bietet: Wirklich sensationelle Landschaften, kaum bekannte Städte, schneebedeckte Berge aber auch den Niedergang eines Binnenmeeres – vor allem aber eine herzliche Gastfreundschaft, die einfach selbstverständlich ist.
Astana – sowjetischer Charme & futuristische Visionen
Zwischen leicht maroden Straßen mit grauen Plattenbauten und den glänzenden Wolkenkratzern, die wie aus einem Science-Fiction-Film wirken, erzählt Astana zwei Geschichten zugleich: die der düsteren, sowjetischen Vergangenheit und die einer futuristisch modernen Hauptstadt. Morgens trinken wir in einem unscheinbaren Café in der Nähe unseres Hotels, Tee aus einfachen Gläsern, umgeben vom Duft frisch gebackener Samsa – und nur ein paar Straßen weiter spiegelt sich die Sonne in den goldfarbenen Ministeriumstürmen und gläsernen Hochhäusern. Hier fühlt es sich fast so an, als würden wir in zwei Städten gleichzeitig spazieren gehen.
Das Herz der neuen Stadt schlägt am Baiterek-Turm, dem 97 Meter hohen Symbol Kasachstans, von dessen Aussichtsplattform die Skyline sich wie ein architektonisches Schachbrett ausbreitet.
Nicht weit entfernt liegt der imposante Palast der Unabhängigkeit, und gleich daneben die große Pyramide des Friedens und der Eintracht, in dem Konferenzen und Ausstellungen stattfinden. Die Verbindung zwischen diesen "beiden Städten" bildet die einer Fischhaut nachgebildeten Atyrau-Brücke über den Ishim. Wir fühlen uns sehr wohl in dieser eindrucksvollen Hauptstadt, die jeden Morgen von einer großen Schar an Reinigungskräften blitzeblank geputzt wird.
Türme aus Kreide und ein weißes Meer
Eine Reise zum Mars ist auch heute noch ziemlich aufwendig und für einen Schwaben echt zu teuer! ;-)
In der Mangystau waren wir uns aber sicher, bereits dort zu sein. Diese Marslandschaft empfängt uns mit bizarren, schneeweißen Tafelbergen, mit Kreidefelsen, die wie gewaltige Zinnen aus dem Wüstenboden ragen. Eine atemberaubende Szenerie, durchaus vergleichbar mit den Drei Zinnen in Südtirol - nur ohne Touristen!
Wir schlagen unsere Zelte direkt am windgeformten Steinbogen auf und erleben einen gemütlichen Abend in absoluter Einsamkeit und Stille. OK, der Wind fordert uns bei Nacht mehrfach auf, die Zeltheringe etwas tiefer in den Boden zu rammen. Aber wenn wir schon draußen sind - was ist eigentlich Lichtverschmutzung?
Der schimmernde, spiegelglatte Salzsee Tuzbair, die mysteriösen Steinkugeln von Torysh, oder die Tiramisu-Berge von Kyzylkup – sanft geschichtete Hügel in Creme- und Kakaofarben: die Mangystauebene ist kein Ort, den man besucht und abhakt. Diese Landschaft fordert Zeit – sie hinterlässt aber dafür das Gefühl, in eine andere, bisher fast unbekannte Welt gereist zu sein.
Der Aralsee - vom großen See zur Salzwüste – eine ökologische Katastrophe
Den Aralsee gibt es nicht mehr – er ist eine Erinnerung. Einst gehörte er zu den größten Binnengewässern der Welt, doch heute versucht das nette, kleine Museum im staubigen Aralsk die Erinnerung an die guten Zeiten wach zu halten. Es gelingt ihm aber auch mit den schönsten Ölgemälden aus der Fischereizeit nicht. Verrostete Verladekrane, zerfallene Fischerhäuser und ein paar verwitterte Holzboote im tiefen Staub sprechen eine andere Sprache - der Aralsee ist einer der größten menschengemachten ökologischen Katastrophen zum Opfer gefallen!
Wir besuchen den im Norden gelegenen Kleinen Aralsee, den man nach dem Zerfall der Sowjetunion versucht hat zu retten. Bei Mittagessen erfahren wir von unserer freundlichen kasachischen Gastfamilie, dass sich der Wasserspiegel des Kleinen Aralsees durch den Bau des Kokaral-Damms wieder etwas stabilisiert hat und einige Fischarten zurückgekehrt sind. Wir können nur ahnen, wie schwer das Leben der einstigen Fischer heute ist.
An der südlichen Seidenstraße – Turkestan, Shymkent und Taraz
Ohne Steppe geht's nicht! Und auf den Zugfahrten zwischen den kasachischen Städten gibt's viel davon - stundenlang - bei Tag und Nacht. Sowas im Kino anzuschauen, wär stinklangweilig - aber im Zug war's echt unterhaltsam, gemütlich und manchmal richtig spannend. Der Speisewagen -ein Erlebnis, der aus der Sowjetzeit stammende Samowar aus schwerem Stahlblech, immer bereit für unseren Tee und für jeden Wagen ein Schaffner, der sich um alles kümmert.
Bisschen eng bei Nacht, das Abteil, das stimmt! Aber wenn man zu zweit 4 der recht günstigen Fahrkarten kauft, ist's echt gemütlich. Wir hatten zuerst Respekt vor den langen Strecken, aber die Zeit verging wie im Fluge, trotz des Gerumpels und dem Gequitsche der Wagen, an das wir uns schnell gewöhnt haben.
Jede der drei Städte, die wir auf dieser Reise besucht haben, war lohnend und ergänzte das positive Bild, das wir auf dieser Reise gewonnen hatten.
Almaty - fast am Ende der Welt - aber nur fast!
Zum Ende unserer Reise ist unser Programm-Zettel nochmals prall gefüllt. Ich zähle einfach mal auf:
Die Stadt Almaty selbst (früher Alma-Ata), umgeben von den 4 500m hohen Bergen des Trans-Alatau, die Eisschnelllaufbahn Medeo mit großer Tradition, der wunderschöne Bergsee Issyk, der gepflegte Panfilov-Park, die klassische Oper (für die wir uns mit List und Tücke Karten fürs Ballett ergattern konnten!), die Seilbahnfahrt zum Hausberg Kok-Töbe mit Sonnenuntergang, die Wanderung durch den imposanten Charyn-Canyon, das Picknick am verträumten Tuzkol-See mit Blick auf die Tienschan-Bergkette und den 7000er Khan Tengri , eine herrliche, wenn auch anstrengende Seen-Wanderung mit abendlichem Badesspass in der russischen Banja.... Es fällt mir leicht zu schwärmen!
Ja, es gibt in Kasachstan außer Steppe was zu sehen - und nicht zu knapp!
Ein herzlicher Dank geht an den lieben Mustafa, der uns auf dieser wunderschönen Reise begleitet hat und der uns zum Freund geworden ist.