Ich war gespannt auf die Orte, die ich sonst nur aus dem Geschichtsunterricht oder den Nachrichten kannte...
Kuwait
Es ist empfehlenswert, ein individuelles Vorprogramm in Kuwait zu buchen, da sonst für das Land zu wenig Zeit bleibt. Wir hatten eine ausführliche Stadtrundfahrt mit Fahrt in die Wüste, Kamelstreicheln inklusive. Sonst beginnt die Reise nach einem Nachtflug mit anschließendem stundenlangen Warten auf die Visa. Etwas zu stressig.
Wir treffen unser irakisches Team
Die Grenze zum Irak wird zu Fuß überschritten, nach zeitaufwändiger Ausreise aus Kuwait und Visabeschaffung auf irakischer Seite. Hier treffen wir unser irakisches Team bestehend aus Fahrer und Guide. Etwas enttäuschend ist der zu kleine Bus, aber wir arrangieren uns notgedrungen! Das erste Ziel: Basra. Hier herrscht selbst im kühlen Februar mediterranes Flair in der Altstadt. Überraschend freundlich und aufgeschlossen sind die Menschen dort. Am nächsten Tag geht es nach Besichtigung des Zusammenflusses von Euphrat und Tigris in die Sümpfe, eine fruchtbare Gegend und Versteck der verfolgten Madan. Wir cruisen mit 3 Holzbooten durch das Labyrinth aus Schilf, traditionelle Schilfhütten an den Ufern und ein paar Reiher und Eisvogelarten sind zu sehen.
Auf den folgenden Tag wird die Besichtigung des Zikkurats von Ur verschoben, hier siedelten sich vor über 4000 Jahren unter anderem die Assyrer an, das Zikkurat selbst ist eine Art pyramidenförmiger Tempel, der dem Mondgott Nanna gewidmet wurde. Nach Veränderung des Flusslaufs wurde der Ort verlassen. Weiter geht es nach Uruk, einer der ältesten Städte der Welt. Hier wurden die ersten Worte in Keilschrift verewigt, es ging dabei um so etwas profanes wie Lohnschulden in Form von Bier, in vorislamischen Zeiten gängiges Zahlungsmittel. Heute muss man Bier heimlich beschaffen und trinken, obwohl es eine irakische Brauerei gibt!
Babylon-Nadschaf-Kerbala
Nach einem Zwischenhalt in Babylon geht es in die heiligsten Städte der Schiiten, Nadschaf und Kerbala, hier sind tausende Pilger unterwegs zum Imam-Ali-Schrein und anderen Stätten. Eine Universitätsabschlussfeier stiehlt den Ruinen von Babylon die Schau. Wir werden auch gebeten, uns mit den Absolventen ablichten zu lassen. Selbst die Polizisten an den Checkpoints wollen Selfies mit uns! In Bagdad herrscht Aufbruchsstimmung und Lebensfreude.
Ein weiteres Highlight ist das begehbare Minarett in Samarra, für die, die sich die schmale Außentreppe ohne Geländer hinauf trauen.
In Hatra kann man die Geschichte des Landes ablesen, der Aufbau des Tempels 200 v. Chr., die Restaurierung durch Saddam Hussein in den 1970er Jahren und die Zerstörung durch den IS 2015.
Mossul, Alqosh und Lalish
Auch in Mossul treffen wir auf die jüngste Geschichte. Im letzten Krieg (Irakische Regierung gegen den IS) führte 2017 eine Schlacht zur völligen Zerstörung der Altstadt, seither gilt der IS jedoch als besiegt. Wir fühlten uns auch im kurdischen Norden jederzeit sicher.
Die autonome Region Kurdistan hat eine eigene Flagge und ein eigenes Militär, die Leute sind etwas reservierter, aber nicht weniger freundlich. Die Landschaft wird schöner, aber das Wetter schlechter. Hier besuchen wir das christlich-orthodoxe Kloster in Alqosh und das Heiligtum der Jesiden in Lalish. Letzteres hat mich besonders beeindruckt, auch wenn man bei einstelligen Temperaturen dort barfuß oder sockfuß herumlaufen musste.
In Kurdistan
Die auf einem Bergsockel gelegene Stadt Amadiye ist ebenfalls sehenswert, genau wie der große Dokan-See, wo auch noch eine Bootsfahrt stattfindet.
Die Hotels in Kurdistan sind nicht mehr ganz so schick wie im Süden, aber wenn man lange genug fragt, bekommt man auch saubere Zimmer. Das Essen ist schmackhaft, irritiert war ich nur von den Bergen an Plastikmüll, die dabei entstanden, und davon, dass überall in Innenräumen geraucht werden durfte. Den Müll sieht man leider auch überall in der Landschaft.
Suleimaniyya und Erbil
Im Norden sind eher die modernen Städte wie Suleimaniyya und Erbil interessant. Auch den Extraweg zum Besuch der Gedenkstätte in Halabscha möchte ich nicht missen. Hier wurde im ersten Golfkrieg zwischen Iran und Irak ein Giftgasanschlag auf die zivile kurdische Bevölkerung mit Tausenden Toten verübt.
Der Aufenthalt in Erbil wurde durch ein Schneechaos in Istanbul etwas verkürzt. DIAMIR hatte alle Hände voll mit den Umbuchungen der Flüge zu tun, aber am Ende kamen alle gut zu Hause an. Ich möchte hier noch mal die nette Unterstützung unseres Reiseleiters Markus Rudolph lobend erwähnen, der uns zuletzt Abreisende bis zum Flughafen begleitet hat und selbst einen späteren und umständlichen Flug genommen hat! Ich habe auf dieser Reise sehr viel über die antike und die jüngere Geschichte auffrischen können und auch viel Neues dazugelernt, ich nehme aber auch ganz viele schöne Erinnerungen an die Begegnungen mit den Menschen dort mit!