Paddel-Abenteuer in der kanadischen Arktis
Auf den Spuren der Paleo-Eskimo am Thomsen River
Es gibt nur wenige Besucher auf Banks Island im Aulavik Nationalpark am Thomsen River in der kanadischen Westarktis, und wir gehören nun zu den Glücklichen, die wiederkehrten!
Das Abenteuer beginnt
Schon für die An- und Abreise benötigt man eine knappe Woche. Man sollte auch unbedingt einen Puffer einplanen, da wetterbedingte Verzögerungen eher die Regel als die Ausnahme sind. DIAMIR hatte uns ein rundrum-sorglos-Paket zusammengestellt, so dass wir die Reise, die eigentlich von einem kanadischen Anbieter organisiert wird, bequem von Deutschland aus unternehmen konnten, inclusive der erforderlichen Umbuchungen der Rückreise, die sich um 3 Tage verspätete. Aber so ist es auch entspannter und man kann schon bei den 2-3 Übernachtungen in Vancouver, Whitehorse und Inuvik ganz gut entschleunigen und den Jetlag überwinden. Die kanadischen Mitreisenden und unsere Reiseleiter lernen wir am Abend vor dem Flug nach Banks Island kennen. Wir sind eine kleine Gruppe von 6 Touristen und 2 Guides, und wir haben Glück, es harmoniert!
Ausgesetzt in der Wildnis
Es ist ein komisches Gefühl, als das Flugzeug uns in der Wildnis abgesetzt hat, ganz ohne Telefonnetz, Internet oder sonstiger Infrastruktur, aber das verfliegt schnell. Wir beschäftigen und mit dem Zeltaufbau, genießen die Stille und beobachten erste Wildtiere
Routine stellt sich ein
Zeltaufbau, Beladen des Kanus, Paddeln und der gesamte Tagesablauf funktionieren nach wenigen Tagen immer reibungsloser und es stellt sich eine Routine ein. Es gibt leckeres Essen, wir werden bekocht, müssen nur den Abwasch übernehmen. Wir paddeln nicht jeden Tag, so dass wir viel Zeit für Wanderungen haben. Ein Highlight sind natürlich die Tierbeobachtungen, aber auch die kleinen Blüten der verschiedenen Tundrapflanzen erfreuen uns, täglich kommen neue hinzu. Durch die Helligkeit rund um die Uhr geschieht hier alles in Zeitraffer. Die meisten Tiere sind nicht scheu, nur die Schneeeulen haben eine so große Fluchtdistanz, dass ich kein vernünftiges Foto bekommen habe. Arktische Wölfe sehen wir diesmal leider nicht, Grizzlies und Eisbären zum Glück nicht, aber es gibt Spuren. Lemminge sehen wir im Gegensatz zu 2003 viele, auch wenn sie sich überwiegend in ihren unterirdischen Tunneln aufhalten. Moschusochsen sehen wir fast täglich, auch wenn die Herden in meiner Erinnerung 2003 größer waren. Da Moschusochsen keine Talgdrüsen haben, vertragen sie den Regen nicht, sie erfrieren, wenn sie durchnässt sind und es dann sehr kalt wird.
Zeichen früherer Zivilisation
Immer wieder finden wir Überreste von Camps der Thule-Eskimos, den Vorfahren der Inuvialuit, die etwa zwischen 1500 vor bis 1000 nach Chr. die Insel bevölkerten, bis eine kleine Eiszeit dazu führte, dass es keine Nahrungsgrundlage mehr gab. Es gibt Steinkreise als Fundamente für Zelte, Vorratsspeicher aus aufgeschichteten Steinen und sehr viele Schädel und Knochen der gejagten Moschusochsen und Caribou.
Klimawandel hautnah
Das Wetter war im Gegensatz zu 2003 deutlich nasser und stürmischer. Auch Eis und Schnee waren viel früher geschmolzen. Damals mussten wir 4 Tage warten, bis der Thomsen River schiffbar war. Jetzt hatte er Hochwasser. Trotz Niederschlägen sank der Pegel jedoch täglich um mehrere Zentimeter. Nicht nur einmal liefen wir daher auf eine schwer erkennbare Sandbank auf. Ansonsten kamen wir aber gut mit den Bedingungen zurecht, auch wenn wir keine erfahrenen Kanuten sind.
Abenteuerliche Rückreise
Die Wetterkapriolen führten dazu, dass das Charterflugzeug einen Tag Verspätung hatte und sich dann auch noch auf der Landebahn auf einer Flussinsel im Matsch festfuhr, so dass wir noch eine weitere ungeplante Übernachtung hatten. Es hieß erst, dass das Flugzeug nur leer starten könne, und die Piloten wollten zunächst ohne uns abfliegen. Unserem Guide Colin gelang es dann jedoch in einem filmreifen Stunt, die rollende Maschine zu überholen und aufzuhalten. Nach Rücksprache der jeweiligen Vorgesetzten über Satellitentelefon konnten wir dann alles einladen und wider Erwarten problemlos abheben. Alle Ängste (Essen, Strom und Klopapier wurden langsam knapp) waren im Nu verflogen und ich schmiedete alsbald Pläne für das nächste Arktis-Abenteuer!