Pakistan - Reiseerlebnis im muslimischen Bergland in scheinbar unruhiger Zeit
Von den höchsten Bergen entlang alter Handelswege zu den Spuren des Mogulreichs
Als ich erzählte, dass ich nach Pakistan reise, waren die Reaktionen meist gemischt: Sorgen um die Sicherheit trafen auf Begeisterung für die gewaltigen Berge und den Karakorum Highway. Mir wurde schnell klar, wie wenig über das Land bekannt ist. Neben Achttausendern prägen oft Terrorismusberichte und die Nähe zu Afghanistan und Iran das Bild. Trotz meiner Vorfreude blieb eine gewisse Nervosität.
Ein Flug in die Bergwelt vorbei an Achttausendern
Nach zwei Nächten in Islamabad und einem kleinen Kultur- und Temperaturschock fliege ich mit unserer sechsköpfigen Reisegruppe und unserem Guide Arif nach Skardu – hinein in die Welt der Hochgebirge. Das Wetter meint es gut mit uns. Direkt unter dem rechten Flugzeugfenster zeigt sich der mächtige Nanga Parbat in voller Schönheit. Der Pilot macht aus dem Flug beinahe einen Rundflug. Statt Informationen über Turbulenzen hören wir aus den Lautsprechern die Namen der Berge, die rechts und links von uns auftauchen. Kurz vor der Landung fliegen wir sogar über den Distrikt Shigar, wo auf der linken Seite der zweithöchste Berg der Erde sichtbar wird: der K2. Die Begeisterung an Bord ist deutlich spürbar, und unter Applaus setzt das Flugzeug in Skardu auf. Draußen erwartet uns frische Bergluft und angenehm warme Temperaturen. Die vorsorglich eingepackten Winterjacken bleiben erst einmal im Gepäck. Die Sonne scheint, Aprikosen- und Apfelbäume blühen, die Berge ragen in den Himmel, und die Stimmung in der Gruppe ist bestens. Ein schönerer Start in die Bergwelt wäre kaum möglich gewesen.
Fahrt auf der überraschenden Skardu–Jaglot Road
Der Karakorum Highway gilt für viele als einer der Höhepunkte einer Pakistanreise. Umso überraschender war für mich die weniger bekannte, rund vierstündige Anfahrt von Skardu bis zu dieser berühmten Straße. Die Straße windet sich in unzähligen Kurven entlang steiler Berghänge, deren Gipfel oft gar nicht zu sehen sind. Ständiger Begleiter ist der mächtige Indus. Kleine Brücken und einfache Seilkonstruktionen mit Transportkörben verbinden abgelegene Dörfer mit dem Tal. Schmale Wege ziehen sich durch die Berghänge in alle Richtungen. Mit den Augen am Fenster und der Kamera in der Hand beobachten wir Goldsucher im Flussbett des Indus und Bergleute, die in schwer zugänglichen Felswänden nach Edelsteinen suchen.
Die Landschaft verändert sich ständig. Mal öffnet sich das Tal weit mit Weiden und kleinen Dörfern, deren Bewohner jeden nutzbaren Quadratmeter bewirtschaften. Wenig später fährt man durch enge Schluchten, in denen sich der Indus laut rauschend seinen Weg bahnt. Schneebedeckte Sechs- und Siebentausender erscheinen zwischen den Bergketten und verschwinden kurz darauf wieder aus dem Blickfeld. Immer wieder passieren wir kleine Orte, halten auf einen Tee an und begegnen freundlichen Menschen, die gerne für ein Foto posieren. Dazu kommen die farbenfrohen pakistanischen Lastwagen, die uns bis zum Ende der Reise begleiten und unzählige Fotomotive liefern. Am Nanga Parbat Viewpoint erhebt sich die gewaltige Achttausenderwand vor uns bei perfektem Wetter.
Die legendäre Märchenwiese im April - Schneelandschaft ohne Menschenmenge
Für viele Reisende ist der Nanga Parbat zusammen mit der leicht erreichbaren Märchenwiese einer der Hauptgründe für eine Reise nach Pakistan. Nach einer abenteuerlichen zweistündigen Jeepfahrt über eine schmale Bergpiste, voller Steine und enger Kurven, bin ich erleichtert, als wir das Dorf Tato erreichen und die Wanderung zu Fuß beginnen können. Auf Fairy Meadow sind die Spuren des Massentourismus sichtbar. Neue Unterkünfte entstehen, und die Saison steht kurz bevor. Da wir bereits im April unterwegs sind, stehen viele Unterkünfte noch leer und die Zahl der Besucher ist sehr gering, sodass wir am Wandertag nur sechs pakistanischen Touristen begegnen.
Der Himmel ist blau, doch der Nanga Parbat bleibt zunächst hinter Wolken verborgen. Mit einem Wecker für den Sonnenaufgang gehe ich schlafen und hoffe auf besseres Wetter. Um fünf Uhr morgens stehe ich bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt draußen. In der einen Hand halte ich die Kamera, in der anderen einen heißen Milchtee, den der freundliche Koch auf dem Feuer zubereitet hat. Vor mir ragt der Achttausender Nanga Parbat ohne eine einzige Wolke in den Himmel. Langsam färbt das erste Sonnenlicht den Gipfel und wandert über die gewaltigen Flanken nach unten. Alles ist still. Die Schneeflächen glitzern im Morgenlicht, und der Blick auf den Nanga Parbat wirkt beinahe unwirklich. Warum im April hierherkommen? Weil man die Atmosphäre der Schneelandschaft ohne Menschenmengen intensiver erlebt.
Nonstop-Erlebnisse auf dem Karakorum Highway
Wie soll man die schönsten Momente einer Reise auswählen, auf der praktisch jeder Tag neue beeindruckende Landschaften bietet? Wo Begegnungen mit Einheimischen herzlich und unvergesslich sind und selbst unerwartete Situationen zu besonderen Erinnerungen werden?
Ein Beispiel dafür waren vier Stunden Wartezeit auf dem Karakorum Highway. Straßenarbeiten hatten die Strecke blockiert. Zuhause würde man sich vermutlich über den verlorenen Tag ärgern. In Pakistan reagierte unser Fahrer anders. Er legte die Füße hoch, sagte nur: „Just chill, we have four hours.“ Dann schlief er ein. Die Zeit verging überraschend schnell. Wir beschäftigten uns mit kleinen Spielen, unterhielten uns und kamen mit den Fahrern der bunt geschmückten Lastwagen ins Gespräch. Einige luden uns sogar ein, ihre Fahrerhäuser und Ladeflächen anzuschauen.
Zurück in die heiße Luft des Flachlands von Islamabad und Lahore
Mit jedem Kilometer auf dem Karakorum Highway veränderten sich nicht nur die Landschaften, sondern auch die Menschen und ihre religiösen Traditionen. Die grünen Täler von Hunza gingen allmählich in karge Felslandschaften über. Unterschiede zeigten sich manchmal in der Kleidung oder im Auftreten der Menschen. Freundlichkeit, Gastfreundschaft und ehrliches Interesse an Besuchern begegneten uns jedoch überall. Die zahlreichen Polizeikontrollen wurden schnell Teil des Reisealltags. Später begleiteten uns auf den letzten Etappen zurück Richtung Islamabad sogar Polizeieskorten. Sie erinnerten daran, dass Sicherheit und Kontrolle in manchen Regionen Pakistans weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Blick in die Geschichte an der Grand Trunk Road
Der Abschluss der Reise in Lahore brachte uns zurück aus der Stille der Berge in die lebendige Atmosphäre einer Millionenstadt. Heiße Luft, dichter Verkehr, geschäftige Basare und immer wieder dieselben freundlichen Fragen der Menschen: „Where are you from? Do you like Pakistan? Can you take a picture with me?“
Die skurrile Zeremonie des täglichen Grenzschlusses am Wagah Border zwischen Pakistan und Indien, bei der Spannung und unterschwellige Aggression in der Luft lagen, zeugte vom Stolz sowohl der Pakistaner als auch der Inder – zweier Staaten, die 1947 durch einen Strich auf einer Karte des britischen Juristen Cyril Radcliffe voneinander getrennt wurden. Zum Abschluss sitzen wir auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Badshahi-Moschee. Die Sonne geht langsam unter, der Ruf der Muezzine hallt über die Stadt, und ein Hauch von Orient liegt in der Luft. Es ist ein ruhiger Ausklang einer abwechslungsreichen Reise durch ein Land, das oft als unruhig wahrgenommen wird, sich uns jedoch vor allem als gastfreundlich, beeindruckend und voller Kontraste gezeigt hat.