Salz, Staub und rosa Flamingos
Über Geröllpisten durch die Mondlandschaft Djiboutis
„Wo warst du im Urlaub?“ „In Djibouti.“ „Und in welchem Land?“
So und so ähnlich liefen mehrere Dialoge mit Bekannten und Kollegen nach meinem Djibouti-Urlaub ab. Djibouti ist hierzulande nahezu unbekannt – keine Kriege, keine Militärputsche, keine Erdbeben, keine Waldbrände, keine Hungerkatastrophen – einfach nichts, womit dieses Land auf sich aufmerksam macht.
Djibouti als Ziel für Ländersammler?
Selbst auf Djibouti aufmerksam geworden bin ich durch irgendeinen Zeitungsartikel, in dem Djibouti als Ziel für Ländersammler, also Leute die alle Länder Afrikas oder gar der ganzen Welt bereisen wollen, bezeichnet wurde. Diese sind dann vielleicht mal kurz in der Hauptstadt und am nächsten Tag wieder weg. Aber das wird diesem Land nicht gerecht.
Zugeben, die Hauptstadt Djibouti-City ist wenig sehenswert, es fehlt ein Highlight bzw. Wahrzeichen. Wahrzeichen des Landes finden sich dafür am Lac Abbe. Die Kalksteinfelsen werden ja gemeinhin als Mondlandschaft und nicht von dieser Welt bezeichnet, tatsächlich sieht alles sehr irdisch, aber auch umwerfend schön aus. Die Guides schaffen es sogar mit klimmenden Zigaretten entweder die Wasserlöcher oder gar die Kalksteinschlote zum qualmen zu bringen. Ebenso ist die Tierwelt am Lac Abbe überaus beeindruckend, neben rosa Flamingos finden sich zahlreiche weitere Vogelarten, aber auch Esel, Gazellen und sogar Wildschweine. Handyempfang gibt es keinen, dafür im Wüstencamp aber auch nachts Strom und damit Licht, falls man auf die Toilette muss.
Mit djiboutischer Musik durch die Grand-Bara-Wüste
Auf der Rückfahrt stößt dann neben Guide Aziz und Fahrer Mohamed, welcher mir mit manchmal zuviel Lautstärke die Musik djiboutischer Künstler nahebringt, Agenturbesitzer Daniel dazu. Alle drei sprechen leidlich englisch, so dass jeder einen anderen Beitrag zu meiner Unterhaltung bzw. zur Landeskunde leistet. Nebenbei hält Fahrer Mohamed immer Ausschau nach allerlei Getier, welches hier und da herumspringt.
Weiter geht es durch die Grand-Bara-Wüste, eine staubige, fast topfebene Einöde, in der es nicht mal Dünen gibt. Nur Staubwände, in denen man dann nicht viel weiter als bis zum Ende der Motorhaube sehen kann. Wenige Kilometer weiter warten Paviane am Straßenrand auf Fütterung, noch ein paar Kilometer weiter blickt man plötzlich in einen gewaltigen Canyon, an dessen Beginn drei Erdplatten zusammenstoßen.
Die Zufahrt zum Hotel Les Sables Blancs etwas außerhalb von Tadjourah ist eine üble Geröllpiste, dafür ist der Strand wirklich schön. Das Wasser ist selbst im Januar leidlich warm, so daß man ruhig eine Runde baden kann, auch Strandliegen und Sonnenschirme sind vorhanden.
Auch der Ausflug in die Goda-Berge führt über fast unbefahrbare Geröllpisten, aber Fahrer Mohamed kämpft sich durch. Djibouti ist hier nicht staubig grau, sondern überraschend grün. Beeindruckend auch die Wadis, durch welche manchmal unglaubliche Wassermassen fließen müssen.
Mehr als nur heiße Luft
Tadjourah als Stadt ist wie die Hauptstadt wenig einladend, aber es gibt auch schon moderne und halbwegs gepflegte Viertel. Dennoch sollte man sich einen kurzen Bummel über den Markt am Hafen nicht entgehen lassen.
Die Rückfahrt in die Hauptstadt führt zuerst am Ardoukoba-Vulkan vorbei. Die Gegend um diesen Vulkan ist eine Steinwüste, aber gerade das macht ihren Reiz aus. Vom Vulkankegel kann man schon mal zum Lac Assal blicken und die Salzablagerungen erahnen. Aus Spalten im Erdreich in der Nähe des Vulkans kommt so heiße Luft, daß man sich die Hand verbrennen kann, wenn man selbige in die Erdspalte hält. Auch die Spalte von Goubet ist sehr beeindruckend, man kann richtig erahnen, wie hier die Erde aufreißt.
Mit Badelatschen durch Salzwüste und Salzwasser
Weiter geht’s zum eben schon erwähnten Lac Assal. Man kann problemlos auf dem Salz bis zum Wasser laufen, aber das Gehirn sagt einem ständig, Vorsicht, Eis, rutschig. Aber es ist nicht rutschig, nur genauso uneben wie eine angetaute Schneedecke. Kleine Wasserpfützen finden sich ebenso auf der Salzebene.
Für den Bootsausflug nach Moucha benötigt man einen robusten Magen sowie robuste Bandscheiben, das kleine Fischerboot knallt arg über manche Meereswelle. Aber die Besichtigung der Insel lohnt auch dann, wenn man dort nicht schwimmen oder schnorcheln möchte, es gibt sehenswerte Mangrovenwälder. Dennoch Badelatschen mitnehmen, die An- und Ablandung erfolgt teilweise recht unkonventionell und man steht mehr als knöcheltief im Meereswasser. Auf der sanfteren Rückfahrt (man fährt jetzt mit und nicht mehr gegen die Wellen) zeigen sich noch etliche Delfine, denen man auf dem kleinen Fischerboot deutlich näher ist als bei professionellen Beobachtungsschiffen.
Fazit:
Betreutes Reisen (2 Guides + 1 Fahrer für einen Reisegast) in einem Land mit großartiger und einmaliger Natur. Es gibt viel zu viel zu Essen, die Temperaturen waren mit ca. 27°C (Januar) durchaus erträglich, die Leute üblicherweise nett und freundlich. Gibt es trotz all dem Schönen auch negatives über Djibouti zu berichten? Ja, natürlich: Die Moskitos fressen einen genauso wie deutsche Mücken, teilweise liegt richtig viel Müll mitten in den Städten, die Fernstraßen sind teilweise in einem erbärmlichen Zustand und in keinem der von Diamir gebuchten Hotels (Alia in Djibouti-City und Sables Blancs in Tadjourah) gibt es warmes Wasser. Normalerweise ist es in Djibouti ja sehr warm, aber die Haare waschen möchte man sich ja auch mal.