Landschaft mit hohen Felsen und einer Sandbucht, umgeben von klarem Wasser und grünen Hügeln, in einer ruhigen Umgebung.

Vietnam: Eintauchen in eine fremde Kultur zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt

Teilen Barbara Schwarzl 16.07.2025
Barbara Schwarzl

Vietnam ist ein Eldorado für experimentierfreudige Gourmets, ein Land mit beeindruckender Landschaft, buntem Leben auf der Straße, mit einer Fülle von Waren und Düften auf den Märkten, mit chaotischem Verkehr und leider auch ein Land mit viel zu viel Plastikmüll überall.

Kulturclash in Hanoi

Nachdem wir in allerletzter Minute unser Visum erhalten haben, konnte unsere Reise nach Vietnam starten. 
Doch so recht wollte unser Stresslevel im chaotischen Straßenverkehr von Hanoi nicht sinken. Ein Grün für Fußgänger bedeutete: kein gesichertes Überqueren der Straße. Von allen Seiten brausten Motorräder auf uns zu. „Wer bremst, verliert. Wer hupt, gewinnt“, schien die Devise zu sein. Auf dem Bürgersteig war kein Platz für Fußgänger, sondern nur für die Millionen von parkenden Mopeds. Wohin wir blickten, überall waren Motorräder oder bunte, kleine Plastikstühle. Irgendwo dazwischen wurde gekocht und gegessen.

Abenteuerlich wurde es auch mit der Fahrrad-Rikscha. Ich fühlte mich als Airbag für meinen Fahrer, als er kühn bei Rot in eine große, bergan führende Kreuzung einfuhr. Die hupenden Motorräder und Autos und die Fußgänger, die Grün hatten, ignorierte er seelenruhig. Aber alles ging gut.

Der Hoan-Kiem-See mit einer Parade zu Ehren der Polizei zog rund um den Weltfrauentag viele Menschen in traditionellen Gewändern an. Unweit des Sees befanden sich unsere Programmpunkte: der Literaturtempel, das Wasserpuppentheater, das französische Viertel und die Altstadt mit kleinen Läden.

Der Zug, der mit nur einem knappen Meter Abstand an den Häusern vorbeifuhr, war ein Highlight. Plätze in Lokalen an den Bahngleisen waren heiß begehrt. Fuhr kein Zug, flanierten die Menschen auf den Gleisen oder boten ihre Waren zum Verkauf an. Kam der nächste, wurde schnell zusammengepackt.

Barbara Schwarzl

Von der Halong-Bucht bis nach Saigon

Ob bei Sonnenschein oder Nebel, die Kreuzfahrt in der Halong-Bucht war ein Erlebnis. Ständig veränderte sich die Kulisse mit den sich aus dem Meer erhebenden Karstkegeln. Eine kleine Grotte und eine ruhige Bucht waren willkommene Oasen der Ruhe nach dem hektischen Hanoi. Die Idylle trübte eine Flut von Plastik. Schuld daran soll der Taifun vom September 2024 sein.
Eine Vorstellung davon, dass in der Bucht Hunderte von Schiffe verkehren sollen, bekamen wir im Konvoi bei der Rückkehr in den Hafen.

Danach bewegten wir uns weiter südwärts: mit dem Nachtzug, dem Bus und dem Flugzeug.
In Hue besuchten wir die kaiserlichen Gebäude, die Zitadelle und Pagoden und machten eine Schiffsfahrt auf dem Parfumfluss. Über den Wolkenpass, der seinem Namen gerecht wurde, ging es nach Hoi An, die reizvollste Stadt Vietnams. Abends lockte der Nachtmarkt und die mit Lampions beleuchteten Boote am Fluss. Tagsüber besichtigten wir die UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt und bummelten durch die unzähligen Läden. Nirgendwo sonst in Vietnam machte das Einkaufen so viel Spaß wie in Hoi An. Interessierte können sich bis zum folgenden Tag etwas nähen oder Schuhe anfertigen lassen.
In Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt war der westliche Einfluss am deutlichsten spürbar, besonders abends mit einer beeindruckend beleuchteten Skyline. Nach den wenigen Sehenswürdigkeiten blieb noch Zeit für einen Ausflug ins Mekong-Delta. In einem exquisiten Resort am Meer ließen wir die Eindrücke der Rundreise Revue passieren.

Bild 1: Barbara Schwarzl
Bild 2: Barbara Schwarzl

Andere Länder, andere Sitten

Das zeigte sich auf den Straßen und in den Markthallen. Beim chaotischen Verkehr schien sich immer alles irgendwie auszugehen. Was sich alles mit Mopeds transportieren lässt! Übereinander gestapelte Lagen von Eiern und sperriger Hausrat waren kein Problem.
Abenteuerlich war es auf den Märkten. Drive-in erfand meiner Meinung nach nicht eine berühmte Fast-Food-Kette, sondern die Vietnamesen. Mit dem Motorrad an einem Marktstand oder Laden anfahren und rasch einkaufen ist Usus. Rigide Hygienevorschriften oder Kühlketten eher nicht. Fleisch oder Fisch wurde gleich neben Gemüse oder Obst verkauft. Die Düfte, die durch die Markthallen zogen, waren nichts für einen schwachen Magen. Über Verkäuferinnen, die ihre Beine zwischen dem rohen Fleisch hochlagerten oder sich einen Zigarillo anheizten sowie lebende Hühner und Gänse, die in winzige Käfige gepfercht waren, musste man hinwegsehen. Die Fülle an noch nie gesehenen Früchten und die Warenberge, ebenso falsches Papiergeld oder andere Opfergaben waren faszinierend.
Eine kulinarische Offenbarung waren für mich als Kaffeeliebhaberin Egg Coffee, der wie flüssiges Tiramisu schmeckte, und Salted Coffee,:eine gewagte, aber gute Mischung aus Kaffee und Salz.
Warum sich die Vietnamesen in den Straßenlokalen so gerne auf Kinderstühle setzen, verstehe ich noch immer nicht. Natürlich gab es auch viele Restaurants mit bequemen Stühlen. Dort zahlte man zwar mehr als auf der Straße, aber für mitteleuropäische Verhältnisse noch immer wenig.

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Bitte lächeln!

Die nachhaltigsten Eindrücke hinterließen nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten.
An die unzähligen Paare von Schuhen auf den Trottoirs vor Läden, Ordinationen, Büros und Gaststätten gewöhnten wir uns rasch. Als es in Hanoi hieß, dass wir unsere Schuhe im Zug ausziehen mussten, waren wir jedoch perplex.
Noch weniger hätte ich mir gedacht, in Vietnam in eine Hochzeitsgesellschaft zu geraten. Wu, unser Guide, ermöglichte es! Ganz spontan, weil wir für unseren Zug zu früh dran waren. Er sprach einfach eine Einheimische vor einem Hochzeitszelt an. Sie servierte uns Tee, als ob wir alte Bekannte wären. Obendrauf war sie die Großmutter des Bräutigams!

Dass die Vietnamesen trotz ihrer Geschichte keinen Groll auf Fremde zu haben scheinen, imponierte mir sehr. Das durch jahrhundertelange Besatzung und grausame Kriege verursachte Leid lächeln sie weg.
Ich halte die Vietnamesen als lächelnde und freundliche Menschen in Erinnerung. Wie intensiv sie mich als Fremde stets angelächelt haben, hat mich sehr berührt.

Eines vergessen Sie in Vietnam bitte nie: unbedingt lächeln!

Barbara Schwarzl
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