Eine Gruppe von vier Wanderern steht auf Felsen vor dem Gletschertor Chalaadi in Georgien. Im Hintergrund sind Berge und blauer Himmel zu sehen.

Vom Kasbek nach Swanetien

Zwei Wochen Abenteuer im Südkaukasus

Teilen Janosch Hilger 13.09.2024
Janosch Hilger

Nachdem wir im letzten Jahr im Aladaglar-Gebirge in der Türkei eine sagenhaft schöne Überquerung gemeistert haben, wollten wir heuer noch eins draufsetzen und für den Georgischen Kaukasus entschieden. Swanetien sollte das Herzstück unseres Urlaubs sein. Wir waren überwältigt.

Tiflis mit anderen Augen sehen

In Tiflis, wo es verdammt schwülheiß war, hatten wir zwei Tage für Exkursionen. Wir wollten uns neben den klassischen Magneten für Touristen auch mal in den etwas abseits gelegenen Ecken und Gassen umschauen. Tiflis kann gut und gerne ein paar Tage mehr Laune machen, denn es verführt in alle Richtungen. Eine Stadtrundfahrt mit dem roten Bus erscheint zunächst ziemlich nach Standardprogramm, aber es war sehr spannend, da wir durch von Touristen wenige frequentierte Stadtteile fuhren. Was auch richtig toll war, vielleicht das Highlight von Tiflis: die Schwefelquellen. Normal gehen wir bei Außentemperatur von 35 Grad nicht noch in 50 Grad heiße Bäder, aber es musste sein und es war einfach toll - belebend, berauschend und sehr exklusiv. Wir hatten noch das traditionelle Waschen mit Massage hinzugebucht. Auf jeden Fall ein ein Tipp. Von Tiflis ging es dann zunächst nach Mzcheta und dann die georgische Heerstraße hinauf nach Stepandsminda.

Hinterhof in Tiflis
Putin und Trump
Tipp: die Schwefelbäder!
Bild 1: Hinterhof in Tiflis Janosch Hilger
Bild 2: Putin und Trump Janosch Hilger
Bild 3: Tipp: die Schwefelbäder! Janosch Hilger

Auf nach Kasbegi (Stepandsminda)

Natürlich wollten wir den Kasbek sehen und uns dort am Prometheusberg etwas umschauen. Mzcheta war unser erstes Zwischenziel auf dem langen Weg nach Norden. Die Swetizchoveli-Kathedrale (11. Jh.) hatten wir ganz für uns allein, denn wir waren früh dran. Diese befindet sich direkt in Mzcheta, dem religiösen Zentrums Georgiens. Früher war übrigens Mzcheta die Hauptstadt des iberischen Reiches, eines Vorgängers des heutigen Georgischen Staates. Nächstes Ziel war die Ananuri-Festung, gelegen am gleichnamigen Stausee. Dort war es dann schon recht trubelig. Nice to have! Allmählich wurde die Strecke interessant. Das gigantische Straßenprojekt was in Kooperation mit chinesischen, türkischen und italienischen Firmen in vollem Gange ist, kann am Wegesrand bestaunt werden. Irgendwann muss nicht mehr über die Serpentinen nach Gudauri und über den Kreuzpass gefahren werden, dann dann führt die Autobahn direkt durch den Berg und wird ca. zwei Stunden Zeitersparnis mit sich bringen. Gudauri ist im Sommer ein eher verlassenes über den Hang verstreutes Dorf, was zu großen Teilen aus Hotels besteht. Das Denkmal für Völkerverständigung und Freundschaft wird heutzutage für Touri Nap und allerlei Halli-Galli missbraucht. Die Aussicht ist toll - das Drumherum eher peinlich. Stepandsminda empfängt uns mit trübem Wetter, sogar einem leichten Regen. Nach dem Kreuzpass hatte sich das Wetter schlagartig verändert. Am Nachmittag unternahmen wir eine Wanderung zur kleinen Kapelle Zminda-Zameba.

Mzcheta
Ananuri-Festung
Zminda-Zameba - Kirche
Bild 1: Mzcheta Janosch Hilger
Bild 2: Ananuri-Festung Janosch Hilger
Bild 3: Zminda-Zameba - Kirche Janosch Hilger

Zur Dreifaltigkeitskirche und ins Truso-Tal

Unser kleines Familienhotel Darchi liegt idyllisch am Ortsanfang. Wir wollten den Nachmittag noch voll nutzen und sind nach Ankunft sogleich los. Bevor wir loswanderten, stärkten wir uns mit einem kleinen Happen im Ortszentrum. Von der Panorama-Terrasse hatten wir unser Ziel bereits im Blick. Allerdings hingen die Wolken so tief, sodass der Kasbek komplett verborgen war und leider auch an diesem Tag blieb. Die Tour kann als Rundwanderung angegangen werden. Wir sind die leichtere Route emporgestiegen und dann gegen Abend die steilere Route wieder abgestiegen, was aber besser war, weil direkt am Ortseingang ein kleiner Imbiss zu Limo und Bier einlud. Da ließen wir uns nicht lumpen und kehrten erstmal ein und genossen kühle Getränke. Am nächsten Tag wollten wir ins Truso-Tal, was immer noch als Geheimtipp gilt. Nach einem gewohnt üppigen Frühstück hatten wir Kraft für den ganzen Tag. Zunächst führt die Tour entlang des Flusses Terek, der unweit am Kasbek entspringt. Später öffnet sich das Tal und Felder mit Mineral- und Schwefelquellabflüssen werden sichtbar. Besondern beeindruckend ist der kleine Mineralwassersee, welche so ungefähr das Ziel unserer Halbtagestour markierte. Gegen Abend dann doch noch die Überraschung. Es kam ein bisschen Wind auf und wir schlendert auf Verdacht zum Rooms-Hotel. Innerhalb einer Stunde verzogen sich die Wolken und wir hatten einen fantastischen Blick auf den Kasbek.

Wanderung zur Gergeti-Kirche
Mineralwassersee
Im Truso-Tal
Bild 1: Wanderung zur Gergeti-Kirche Janosch Hilger
Bild 2: Mineralwassersee Janosch Hilger
Bild 3: Im Truso-Tal Janosch Hilger

Swanetien - weltweit in der Top-Liga für Wanderbegeisterte

Jetzt wartete das eigentliche Ziel unseres Urlaubs auf uns - Swanetien. Bei bestem Wetter passierten wir Senaki und Zugdidi. Dann ging es so langsam bergauf. Wir machten einen Stopp am Enguri-Staudamm, einem der größten und höchsten Dammanlagen weltweit. Das kleine avantgardistische Museum im alten Kontrollzentrum hat uns nicht nur erstaun, sondern ungemein berührt. Das hätten wir dort nicht erwartet. Dann ging es die tolle Bergstraße hinauf ins legendäre Hochtal. Überall am Wegesrand standen Bienenkisten und überall wurde Honig feilgeboten. Die Strecke schraubt sich wunderbar, mal auf enger Piste am Abgrund, mal lieblich unter Walnussalleen immer weiter hinauf. Erste Gipfel kommen heraus und das Hochtal öffnet sich. Die Gemeinde Etseri stellt quasi den Eintritt nach Swanetien dar. Es dauert nicht lange und der Ushba-Südgipfel rückt ins Bild. Ehrfurchterregend und bizarr thront dieser außergewöhnliche Doppelgipfel über Swanetien. Endlich erreichen wir Mestia (immerhin 3 Stunden vom Tal aus). Geschäftig geht es hier zu. Wir beziehen Quartier im Gästehaus Patriot und werden auf´s Herzlichste begrüßt. Eine erste kleine Wanderung nach langer Autofahrt konnten wir uns nicht verkneifen. Von Hatsvali konnten wir noch einige Kilometer durch den Wald streifen und waren dann gut ausgehungert, um das abendliche Festmahl in Angriff zu nehmen. Der Gastgeber, der gerade eine Supra mit Freunden abhielt spendierte 2 Flaschen seines Hausweins. Gaumadschos.

Swanetien
Am Gletschertor des Chalaadi
Blick vom Dach eines Wehrturmes
Bild 1: Swanetien Janosch Hilger
Bild 2: Am Gletschertor des Chalaadi Janosch Hilger
Bild 3: Blick vom Dach eines Wehrturmes Janosch Hilger

Großartige Gipfel zwischen Mestia und Ushgul

Für uns als Familie war es die bis dato beeindruckendste Trekkingtour bisher und wir haben echt schon einiges gesehen und bewältigt, aber der Kaukasus in dieser Region ist einfach gigantisch und mindestens in den Top 10 der Weltrangliste. Hier in Oberswanetien befindet sich schließlich auch die dichteste Ansammlung von Vier- und Fünftausender des gesamten Kaukasus. Die blühenden Almen reichen bis ran an die Gletscher, die Pfade führen zum Greifen nah an den Gletscherflanken vorbei - ein einziger Genuss, der Trekkingherzen höher schlagen lässt. Die Route von Mestia bis Ushguli ist abwechslungsreich. Genächtigt wird in privaten Gästehäusern, wo die Gastgeber selbst kochen und ihren Hof für Touristen zur Bleibe umfunktioniert haben. Hier kommen wir auch mit den Einheimischen ins Gespräch und tauschen uns aus. Da wir ganz gut russisch sprechen, ist das natürlich einfacher und wir gewinnen schnell das Vertrauen der Swanen. Zum Dank dürfen wir oft in der Küche speisen oder bekommen immer etwas extra. Bis zum Ende haben wir Königswetter und erleben die Parade der ganz hohen Gipfel: Ushba, Tednuldi, Schchara und vielen anderen ... Besonders schön war die kleine Vormittagstour auf den Hausberg von Ushguli mit dem besten Blick zum Schchara. Von den Bergdörfern her stechen Chvabiani oder Adishi heraus. Am Ende der Reise genossen wir das Schwarze Meer in Kvariati (15 km südlich von Batumi). Eine unvergessliche Tour liegt hinter uns. Die nächste Kaukasus-Reise wird in Armenien sein. J.

Einsame Jägerhütte mit der Ushba im Hintergrund
Gästehaus in Mulachi
Der Adishi-Gletscher mit Wanderer
Bild 1: Einsame Jägerhütte mit der Ushba im Hintergrund Janosch Hilger
Bild 2: Gästehaus in Mulachi Janosch Hilger
Bild 3: Der Adishi-Gletscher mit Wanderer Janosch Hilger

Bereit für ein Abenteuer? Entdecke unsere Reise

Eine Blumenwiese mit verschiedenen farbigen Blumen vor dem schneebedeckten Tetnuldi-Berg in Georgien.
GEOSWA

Traum-Trekking in Gästehäusern von Bergdorf zu Bergdorf in einer der ursprünglichsten Regionen Georgiens

ab 2780 EUR inkl. Flug
Dauer 14 Tage / 4–12 Teilnehmer oder individuell ab 2 Personen
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