Häuser und Palmen an einer grünen Küste mit Blick auf das Meer und eine entfernte Berginsel am Horizont, {LAND}.

Wandern, Wein und Wale

Archipel inmitten des Atlantik

Teilen Stefan Hilger 15.07.2026
Stefan Hilger

Es gibt Reisen, die man erlebt – und es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten. Mehr als 20 Jahre nach meiner ersten Begegnung kehrte ich auf die Azoren zurück. Die Inseln empfingen mich mit Sturm, Nebel und Sonne, mit großen Überraschungen, kleinen Entdeckungen und Momenten, die tief unter die Haut gingen. Diese Bilder erzählen von einer Reise, die weit mehr war als nur eine Rückkehr.

São Miguel - der Allrounder

São Miguel zeigte sich mir diesmal mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern. Während im Westen Regen, Nebel und Sturm das Geschehen bestimmten, schien im Osten oft die Sonne. Genau das macht die Azoren aus: Das Wetter entscheidet mit. Wer hier unterwegs ist, muss flexibel bleiben – und wird dafür oft belohnt. Nicht selten genügt eine halbe Stunde Fahrt, und schon scheint man auf einer anderen Insel angekommen zu sein.

Natürlich ist São Miguel die touristischste Insel der Azoren. Dennoch verteilen sich die Besucher erstaunlich gut. Vor allem im Osten wird es schnell ruhig und ursprünglich. Und wer die bekannten Aussichtspunkte hinter sich lässt und die Wanderschuhe schnürt, ist oft schon nach wenigen Minuten allein unterwegs. Selbst in der Hauptsaison findet man hier noch echte Einsamkeit und unberührte Natur.

Zum Azoren-Erlebnis gehört auch der Regen. Mal kommt er als kräftiger Schauer, mal legt er sich wie feiner Sprühnebel auf die Haut. Ohne ihn gäbe es dieses satte Grün nicht, das die Insel so faszinierend macht. Und wenn die Sonne zurückkehrt, laden die vielen natürlichen Meerespools, eingefasst von schwarzem Lavagestein, zu einem Bad ein. Glasklares Wasser, spektakuläre Kulissen und eine beeindruckende Sauberkeit machen sie für mich zu den schönsten Badeplätzen des Archipels.

Anflug auf São Miguel - Kraterlandschaft von Sete Cidades
Der einsame Osten der Küste
Regen und Wolken sorgen für große Stimmungslagen
Bild 1: Anflug auf São Miguel - Kraterlandschaft von Sete Cidades Stefan Hilger
Bild 2: Der einsame Osten der Küste Stefan Hilger
Bild 3: Regen und Wolken sorgen für große Stimmungslagen Stefan Hilger

São Jorge - die vielfältigste Wanderinsel mit mehr Kühen als Menschen

São Jorge ist und bleibt meine große Liebe auf den Azoren. Mehr als 20 Jahre nach meinem ersten Aufenthalt fühlte sich vieles sofort wieder vertraut an – und doch gab es unendlich viel neu zu entdecken. Die Insel ist ein Paradies für Wanderer. Vor allem die Fajãs haben es mir angetan: Jede erzählt ihre eigene Geschichte, jede besitzt ihren ganz eigenen Charakter. Mal führen schmale Pfade durch üppiges Grün hinunter ans Meer, mal erwarten einen liebevoll gepflegte Lavasteinhäuser, kleine Gärten und eine Ruhe, die ihresgleichen sucht.

Ebenso abwechslungsreich ist das Hochland. Sanfte Kraterlandschaften, endlose Weiden und immer wieder weite Blicke über den Atlantik prägen das Bild. Je nach Standort schweift der Blick hinüber nach Pico, Faial oder Graciosa – an besonders klaren Tagen sogar bis Terceira. Und nach einer Wanderung gibt es kaum etwas Schöneres als ein Bad in einem der natürlichen Meerespools, die zwischen den schwarzen Lavaklippen verborgen liegen.

Nicht zuletzt ist São Jorge auch die Insel des Käses. Die vielen frei weidenden Kühe liefern die Grundlage für den würzigen São-Jorge-Käse, der für viele als der beste der gesamten Azoren gilt. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Ursprünglichkeit, Natur und Gelassenheit, die mich immer wieder hierher zurückkehren lässt.

Die steile Nordküste
Velas - Hauptort der Insel
Auf der Südseite geht der Blick unweigerlich nach Pico
Bild 1: Die steile Nordküste Stefan Hilger
Bild 2: Velas - Hauptort der Insel Stefan Hilger
Bild 3: Auf der Südseite geht der Blick unweigerlich nach Pico Stefan Hilger

Pico - Vulkan, Wein und Wale - die jüngste der Azoren-Inseln

Pico ist die Insel des Vulkans, der Wale und des Weins. Über allem thront der 2351 Meter hohe Pico – nicht nur der höchste Berg Portugals, sondern das Wahrzeichen der gesamten Azoren. Sein markanter Kegel begleitet einen fast überall auf der Insel und zieht die Blicke immer wieder auf sich. Wer den Aufstieg wagt, wird nach einigen anstrengenden Stunden mit einem Ausblick belohnt, den man so schnell nicht vergisst. Für mich gehört diese Tour zu jedem Azoren-Besuch dazu.

Pico besitzt einen ganz eigenen Charakter. Schwarze Lavafelder, niedrige Steinmauern und die zum UNESCO-Welterbe gehörenden Weinlandschaften erzählen von einem jahrhundertelangen Leben mit dem Vulkan. Hier entstehen charaktervolle Weine, die den mineralischen Ursprung der Insel widerspiegeln.

Gleichzeitig gilt Pico als bester Ausgangspunkt für Walbeobachtungen auf den Azoren. Pottwale sind hier das ganze Jahr über zu Hause, dazu ziehen je nach Jahreszeit zahlreiche weitere Wal- und Delfinarten durch die Gewässer. Wer früh am Morgen hinausfährt, erlebt den Atlantik oft von seiner eindrucksvollsten Seite. Pico ist rau, ursprünglich und voller Energie – eine Insel, die ihren Besuchern lange im Gedächtnis bleibt.

Der Azorenblick
Weinfelder mit Lavamauern
Einsame Wanderungen im Hochland
Bild 1: Der Azorenblick Stefan Hilger
Bild 2: Weinfelder mit Lavamauern Stefan Hilger
Bild 3: Einsame Wanderungen im Hochland Stefan Hilger

Faial - überraschend anders und abwechslungsreich

Faial hat mich mehr begeistert, als ich erwartet hätte. Die Insel verbindet auf einzigartige Weise Vulkanlandschaften, grüne Wälder und das Gefühl, mitten im Atlantik zu stehen. Von vielen Aussichtspunkten schweift der Blick hinüber zum Pico, nach São Jorge und – bei klarer Sicht – sogar bis Graciosa. Die mächtige Caldeira gehört zu den Höhepunkten der Insel, braucht aber wie so vieles auf den Azoren das passende Wetter.

Unmittelbar erlebbar wird der Vulkanismus am Capelinhos. Der Ausbruch von 1957/58 schuf hier eine karge Landschaft aus Asche und Lava, die bis heute fast unwirklich wirkt. Gerade Nebel, Wind und tief hängende Wolken verleihen dieser Gegend eine besondere Atmosphäre – fast ein wenig schaurig und genau deshalb so faszinierend.

Ein ganz anderes Gesicht zeigt Faial im Inselinneren. Meine persönliche Lieblingswanderung führte entlang einer historischen Levada durch moosbewachsene Wälder, dunkle Tunnel und über alte Wasserkanäle. Im Nebel fühlte ich mich stellenweise wie in einer Szene aus Der Herr der Ringe. Wer gern wandert, sollte sich diese Tour nicht entgehen lassen.

Natürlich gehört auch Horta zu jeder Reise. Die Hafenstadt ist seit Generationen Treffpunkt der Atlantiksegler und lebt von ihrer weltoffenen Atmosphäre. Hier kreuzen sich die Wege von Menschen aus aller Welt – genau wie einst die Wetterbeobachtungen der Azoren, die von Faial aus ihren Weg nach Europa fanden und den Begriff des berühmten „Azorenhochs“ prägten. Faial ist herrlich!

Blick nach Pico
Kraterumrundung bei bestem Wetter
Der Vulcão dos Capelinhos
Bild 1: Blick nach Pico Stefan Hilger
Bild 2: Kraterumrundung bei bestem Wetter Stefan Hilger
Bild 3: Der Vulcão dos Capelinhos Stefan Hilger

Walbeobachtung

Es gibt Momente, die man nie vergisst. Einer davon war unsere Walbeobachtung vor Pico. Dass wir dabei im Juni sogar einen Blauwal zu Gesicht bekamen, war eine echte Ausnahme und ein großes Privileg. Als der gewaltige Rücken des größten Tieres der Erde aus dem Atlantik auftauchte, wurde es für einen Augenblick ganz still an Bord. Solche Erlebnisse zeigen, warum die Gewässer rund um Pico zu den besten Orten Europas für Walbeobachtungen zählen.

Wer Pico wirklich verstehen möchte, sollte unbedingt das Walfängermuseum in Lajes besuchen. Für mich ist es weit mehr als ein Schlechtwetterprogramm – es ist ein Muss. Die Ausstellung erzählt eindrucksvoll vom harten Leben der Walfänger und vom Wandel hin zu einer der nachhaltigsten Formen der Walbeobachtung weltweit. Erst hier wird deutlich, welche Bedeutung die Wale für die Menschen auf Pico einst hatten und bis heute haben.

Ebenso spannend sind die alten Spottertürme („Vigias“), von denen früher nach Walen Ausschau gehalten wurde. Noch heute unterstützen erfahrene Beobachter von dort aus die Whale-Watching-Boote. Lajes selbst wirkt wie ein lebendiges Freilichtmuseum, in dem die Geschichte des Walfangs an jeder Ecke spürbar bleibt.

Delfine vor Pico
Rundkopfdelfine
Nicht zu nah, aber dicht genug...ein Schauspiel.
Bild 1: Delfine vor Pico Stefan Hilger
Bild 2: Rundkopfdelfine Stefan Hilger
Bild 3: Nicht zu nah, aber dicht genug...ein Schauspiel. Stefan Hilger

Pico - Vulkantour at it´s best

Wer mich kennt, weiß: An einem Besuch des Pico führt für mich kein Weg vorbei. Zum dritten Mal stand ich auf dem höchsten Gipfel Portugals – und wieder war es ein völlig anderes Erlebnis. Genau das macht diesen Berg so besonders. Das Wetter, das Licht und die Stimmung verändern sich ständig. Der Aufstieg fordert zwar etwas Kondition, belohnt aber mit einem einmaligen Panorama über die Inselwelt der Zentralazoren. Für mich gehört die Pico-Besteigung zu den eindrucksvollsten Wanderungen Europas und ist eine ausdrückliche Empfehlung für jeden, der die Azoren aktiv erleben möchte.

Schattenspiel des Pico
Gipfel geschafft
Der Moment für die Ewigkeit - Sonnenaufgang auf dem Pico
Bild 1: Schattenspiel des Pico Stefan Hilger
Bild 2: Gipfel geschafft Stefan Hilger
Bild 3: Der Moment für die Ewigkeit - Sonnenaufgang auf dem Pico Stefan Hilger

Bereit für ein Abenteuer? Entdecke unsere Reise

Zwei Reisende blicken über grüne Hügel auf das Meer und den Pico auf den Azoren in Portugal.
PORWAN

Archipel inmitten des Atlantik: Vulkane, Kraterseen, Fajãs und Genuss auf São Miguel, São Jorge, Pico & Faial

ab 3990 EUR inkl. Flug
Dauer 14 Tage / 6–12 Teilnehmer oder individuell ab 2 Personen
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