Willkommen in Kasachstan
Die unberührten Weiten und verschiedenen Welten einer einzigartigen Nation
Kaum waren die letzten erlebnisreichen Tage verarbeitet ging es weiter nach Baikonur. Im Jahr 1961 schriebt sich Juri Gargarin in die Geschichte ein, als der erste Mensch im All, der von diesem berühmten Weltraumbahnhof startete.
Willkommen in Kasachstan
Ein heißer Tag im Juni. Es ist 6 Uhr in der Früh. Die Turkish Airline hat mich zum Kaspischen Meer, nach Aktau gebracht. Ein Einreisestempel im Reisepass später, halte ich Ausschau nach meinem Guide Sava. Wir lassen die Ölindustriestadt hinter uns, Fahrt voraus. Weiter geht unsere Erkundungstour durch die Region Mangystau. Bei einem Stopp an der Karagiye-Senke, richten wir unseren Blick auf den tiefsten Ort Kasachstans und lassen uns das Frühstück am Campingtisch schmecken.
„Mach die Augen zu und warte!“
Weitere zwei Stunden Autofahrt und das Ende der Asphaltstraße liegen bereits hinter uns. Sava suchte nach einer geeigneten Piste zum Weiterrollen. Ich folgte der Anweisung und wartete ab. Der Jeep sprang auf und ab. „Jetzt, du kannst die Augen öffnen“. Ich stieg aus dem Auto aus und vor mir eröffneten sich die Weiten des Bozzhira Tals. Wir standen am Rand einer Klippe und schauten sprachlos auf die schier endlose Ebene mit skurrilen Felsformationen und Tafelbergen hinab. Kein Mensch, kein Auto, kein Handyempfang weit und breit. Nur wir im Einklang mit der wunderschönen Natur dieses einzigartigen Landes. Die Sonne prallte, der Himmel war klar und der Wind war still, absolute Ruhe. Dieser Wow-Effekt, den Sava mir bescherte, wird mir immer in Erinnerung bleiben, genau wie die unzähligen Fotos, die ich an diesem Flecken Erde gemacht habe.
Bozzhira Tal
Der restliche Tag war geprägt von Erkundungen des Bozzhira Tals. Nach einer Wanderung zu einem weiteren Aussichtspunkt konnten wir ein wechselndes Farbspiel des Abendlichtes beobachten. Im Bette des Tals steuert wir auf die Felsspitzen zu, die wir vorher von oben betrachtet hatten. Immer noch im Fotorausch, ließ Sava mich aus dem Auto. „Lass dir Zeit, ich suche einen Ort zum Campen“. Allein stand ich nun dort, umringt der Weite und sah in naher (oder weiter?) Ferne ein anderes Auto mit Menschen, die bereits ihren Schlafplatz errichtet hatten. Mit der untergehenden Sonne wechselte das Tal seine Farben. Traumhaft und kitschig zugleich waren die eindrucksvollen Tafelberge in einer Farbpalette aus Rot und Orange gehüllt. Eingebettet im gemütlichen Zelt fiel ich nach einem kasachischen Bier in einen wohltuenden Schlaf. Hier treffen Sternenhimmel und eine tiefschwarze Bergkulisse aufeinander.
Aral-See
Der nächste Stopp lag vor uns: Aral mit dem ausgetrockneten See. Ich habe das Gefühl, dass diese Stadt einst das blühende Leben war. Nun wirkt die Stadt trostlos und verlassen, selbst im Hotel Aral sehe ich keine weiteren Gäste. Entlang des nun ausgetrockneten Seeufers standen verrostete Kräne, die auf ein früheres Leben hier hindeuteten. Alles über die menschenverursachte Umwelttragödie und die Geschichte des Sees erfährt man im modernen Fischereimuseum. Eine staubaufwirbelnde Fahrt über den trockenen Seeboden führt uns zu alten Fischerdörfern, wo wir bei einer kasachischen Familie ein leckeres Mittagessen serviert bekommen. Weiter ging die Fahrt bis zum noch verbliebenen See. Bei über 40°C war das Wasser angenehm erfrischend.
Auf der Fährte Gagarins
Kaum die letzten erlebnisreichen Tage verarbeitet ging es weiter nach Baikonur. Im Jahr 1961 schrieb sich Juri Gagarin in die Geschichte ein, als der erste Mensch im All, der seinen Flug von diesem berühmten Weltraumbahnhof startete. Ich erahnte von der Straße aus, die Grenzen der russischen Stadt Baikonur und das Kosmodrom. Leider war aufgrund des straffen Zeitplans eine nähere Besichtigung nicht möglich. Kasachstan ist ein großes Land und meine Reise begrenzt. So hasteten wir weiter in die Hauptstadt der 1920er Jahre, Kyzylorda, um den Flug nach Almaty zu schaffen.
Hauptstadt Almaty
Air Astana brachte uns in die heutige Hauptstadt Almaty und eine komplett andere Welt. Die weite Steppe voller Kamele und trockener Luft wurde durch schneebedeckte Berge am Rande der Stadt und frischer Luft voller Jasminduft abgelöst. In kleinen Kanälen strömt Schmelzwasser durch die Stadt, im Park spielen Kinder bis spät abends, der Verkehr ist auf großen und breiten Straßen geordnet in dieser perfekt geplanten, damals sozialistischen Stadt. Almaty wirkt frisch, klar, einladend lebendig und entspannt zugleich.
Rote Felsen im Charyn Canyon
Nur noch wenige Tage standen auf meiner Reiseagenda. So ging die Fahrt raus aus der Großstadt, hinein in den Charyn Canyon. Eine Wanderung durch rote Felsen führte uns zum Charyn Fluss. An diesem einzigen Tag begegnete ich mehr Touristen, als auf meiner gesamten Reise. Mit dem sich nähernden Abend leerte sich der Canyon und vor uns lag wieder eine ruhige unendliche Felsenlandschaft in schimmerndem Abendrot. Die Nacht verbrachten wir in einem ehemaligen Sommerhaus des Staatsmannes Kunaev, der das sowjetische Kasachstan 20 Jahre lang regierte. Eine Einheimische kochte leckeren Plov für uns und ich fühlte mich in den ursprünglich ausgestatteten Räumen in eine andere Zeit versetzt. Wir waren wieder die einzigen Gäste.
Luxus-Camping in Tienshan
An den grünen Sommerweiden mit Pferden, Schafen und Kühen vorbei, mit Blick auf die Bergriesen Khan Tengri und Belucha näherten wir uns unserem Ziel in Tienshan. Inmitten der Natur erbaute eine kasachische Familie, ganz ohne Infrastruktur, einen erstaunlichen Lebensort. Transparente Zeltwände ziehen sich zwischen den Bäumen hoch hinaus, bieten einen Schutzraum und einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Berge und Hänge des Tienschan. Hier fehlt es an nichts, eine klassische kasachische Sauna bietet Entspannung, verschiedene Jurten und andere kleine Gebäude bilden einen Ort zum Verweilen. Von hier aus kann man tolle Wanderungen unternehmen, bis zu kühlen Bergseen hin oder hinauf zum Gipfel. Die Terrassen der Glamping-Zelte laden zum Verweilen und Ausruhen in der Natur an. Mit einem schwarzen Tee in der Hand sitze ich hier und beobachte die Berglandschaft, lasse die zahlreichen Orte und Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren und freue mich auf meine nächste Reise in dieses noch so ursprüngliche Land voller Warmherzlichkeit, Güte und Gastfreundschaft.