Drei Kraniche fliegen durch den Schnee, umgeben von einer winterlichen Landschaft mit sanften Schneeflocken.

Winterliches Japan – Fotoreise in die Schneelandschaften Hokkaidos

Bericht von einer Fotoreise zur Winterszeit

Teilen Michael Lohmann 10.03.2020

Hier dampft die Erde, am Mount Sulphur erleben wir, wie große Rauchsäulen zum Himmel aufsteigen. In zahlreichen kleinen Springquellen blubbert und zischt es, die Steine ringsum leuchten knallig gelb von den Ablagerungen der schwefelhaltigen Dämpfe.

Ankunft in Japan     

Hauptziel unserer Fotoreise zur Winterszeit ist die im Norden Japans gelegene Insel Hokkaido, zu dessen Flughafen Kushiro wir nach einem kurzen Umstieg in Tokio direkt aufbrechen. Ankunft am Nachmittag, hier erwartet uns bereits unsere Führerin Kaori, die uns die nächsten 11 Tage sehr engagiert in der täglichen Organisation und im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung unterstützen wird. Am ersten Abend führt sie uns in einem sehr traditionellen Gasthaus zu einem fantastischen Abendessen, bei dem wir die in ganz Japan berühmte und geschätzte Küche von Hokkaido kennenlernen können. Wir sitzen um ein gemütliches Feuer, auf dem die Suppe gekocht, sowie die Köstlichkeiten, viele aus dem Meer, gegrillt und zubereitet werden.

Kushiro-Hafen
Im Hafen von Shibetsu
Bild 1: Kushiro-Hafen Michael Lohmann
Bild 2: Im Hafen von Shibetsu Michael Lohmann

Mandschurenkraniche hautnah

Am nächsten Morgen geht es weiter zum Akan Crane Center, dem ersten Beobachtungsort für die auf Hokkaido überwinternden Mandschurenkraniche. Heute bläst der Wind etwas stärker, sodass die Vögel bei Landung und Start auf einer großen Schneefläche immer mit ihrer Koordination kämpfen müssen. Mittags besuchen wir Ito, eine weitere und landschaftlich sehr schön gelegene Fläche, auf der die Kraniche zur ihrer Unterstützung in der schneereichen Zeit angefüttert werden. Aufgeregt sind sie, als die Maiskörner verteilt werden – wir sehen die ersten wunderschönen Tänze der Vögel, oft im Paar durchgeführt. Der Tag endet mit einer Fahrt nach Rausu, auf der nördlichen Shiretoko-Halbinsel gelegen, welche 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier wohnen wir im Ryokan in einem traditionellen japanischen Zimmer mit Tatami-Matten und Futonbetten. 


 

Akan Crane Center
Tanz der Kraniche
Bild 1: Akan Crane Center Michael Lohmann
Bild 2: Tanz der Kraniche Michael Lohmann

Vogelsafari mit dem Boot

Am nächsten Morgen fahren wir früh, noch in der Dämmerung, im Hafen zu unserem exklusiv gecharterten Boot, mit dem wir 6 Stunden lang nach eigenen Wünschen und in unserem eigenen Rhythmus die hier im Winter zahlreich anzutreffenden Seeadler und Riesenseeadler beobachten können. Normalerweise hat sich Mitte Februar das Packeis, auf dem die Adler dann leben, bis kurz vor den Fischerort im Meer herangeschoben, doch dieses Jahr ist es wärmer als gewohnt – und so ist das Packeis noch über 100 km entfernt und für uns leider nicht erreichbar. Nun halten sich die Adler in den umliegenden Bergen und Wäldern auf und sind, schnell von den Möwen angelockt, wenn es etwas zu fressen gibt, in kürzester Zeit und in großer Anzahl um unser Schiff herum. Frühmorgens ist der Himmel sehr bedeckt, kurz vor Mittag kommt die Sonne heraus, so erleben wir die Adler in verschiedenen Licht- und Wetterkonstellationen, was uns eine vielfältige Motivgestaltung bei unseren Bildern ermöglicht. Am Abend dieses Tages verbringen wir einige Stunden in einem Ansitzversteck und können zweimal beobachten, wie ein Riesen-Fischuhu zum vorbereiteten Luderplatz kommt und sich dort einen Fisch holt. Schon jetzt, aber insbesondere in der folgenden Nacht stürmt es heftig, sodass wir am nächsten Morgen erst etwas später zu unserem zweiten Bootschartertag aufbrechen können.

Riesenseeadler bei Rausu
Riesen-Fischuhu am Luderplatz
Charterboot zur Beobachtung der Riesenseeadler in Rausu
Bild 2: Riesen-Fischuhu am Luderplatz Michael Lohmann
Bild 3: Charterboot zur Beobachtung der Riesenseeadler in Rausu Michael Lohmann

Himmel voll von Adlern

Es schneit fast den ganzen Tag – wie wunderbar! In den tänzelnden Schneeflocken ergeben sich neue, sehr reizvolle Fotomotive, ganz besonders wenn sich die Adler in Interaktionen gegenseitig in der Luft umwirbeln. Fast bei allen von uns sind die Speicherkarten in solch einer Geschwindigkeit gefüllt, wie wir uns das vorher nicht haben vorstellen können. Um die Adler auch auf einer Eisfläche sehen zu können, ändern wir spontan unser Programm und fahren am nächsten Tag vorbei an der landschaftlich sehr reizvollen Halbinsel Notsuke (schöne, vereiste Küsten, zahlreiche Hirsche, mehrfach Rotfüchse) nach Süden zum Städtchen Nemuro. Es liegt in der Nähe einer zugefrorenen Meereslagune und hier können wir am folgenden Morgen bei einem kleinen Gästehaus, von einem japanischen Fotografen betrieben, eine Anfütterung der Greife verfolgen. Mit zwei Pulkaschlitten wird gefangener Fisch aufs Eis gefahren und dort verteilt; innerhalb von Minuten ist der Himmel voll von Adlern und auch sehr vielen Schwarzmilanen. Über eine Stunde lang verfolgen wir das Spektakel – und wieder laufen die Kameras heiß.

Adlerversammlung
Kampf um die Beute
Riesenseeadler auf Hokkaido
Bild 1: Adlerversammlung Michael Lohmann
Bild 2: Kampf um die Beute Michael Lohmann
Bild 3: Riesenseeadler auf Hokkaido Michael Lohmann

Der Boden dampft und die Schwäne singen

Unser nächstes Ziel ist der Kussharo-See. Hier dampft die Erde, am Mount Sulphur erleben wir, wie große Rauchsäulen zum Himmel aufsteigen. In zahlreichen kleinen Springquellen blubbert und zischt es, die Steine ringsrum leuchten knallig gelb von den Ablagerungen der schwefelhaltigen Dämpfe. Am nahe gelegenen See gibt es heiße Quellen, die einen Teil des Wassers vor dem winterlichen Zufrieren schützen. Hierhin ziehen sich die Singschwäne in dieser Jahreszeit zurück. Über zwei Tage lang können wir sie aus größter Nähe beobachten und fotografieren, immer mit ihren schönen Lauten im Ohr.

Mount Sulphur
Singschwäne am Lake Kussharo
Bild 1: Mount Sulphur Michael Lohmann
Bild 2: Singschwäne am Lake Kussharo Michael Lohmann

Kraniche im Ito Sanctuary

Die restlichen Tage auf Hokkaido gehören wieder den Mandschurenkranichen. Frühmorgens sehen wir sie an ihrem Schlafplatz im Fluss, tagsüber ist – von drei möglichen Gelegenheiten sie zu beobachten – Ito unsere Lieblingsstelle geworden. Wir konzentrieren uns auf Flugaufnahmen sowie auf Aufnahmen der Tänze. Wieder haben wir Glück und erleben bei einigen Stunden im Schneefall völlig andere Momente als am Tag zuvor, der viel Sonnenschein hatte. Durch den Hinweis eines zufällig getroffenen Fotografenkollegen hören wir von einem Habichtskauz, den wir bei unserem zweiten Versuch auch abends im Wald in seiner Baumhöhle antreffen. Ans Herz ist uns Hokkaido gewachsen in diesen Tagen. Die Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung sind unfassbar intensiv und eindrucksvoll, aber auch die Landschaften haben uns sehr gefallen: wilde Küsten, leuchtende weiße Schneeberge. Die japanischen Traditionen in den ursprünglichen Hotels haben uns wie die einheimische Essenskultur herausgefordert, dabei ist so mancher von uns auch ein Fan der gemeinschaftlichen Onsen-Bäder geworden.

Kraniche bei Ito Sanctuary
Kraniche bei Ito Sanctuary Michael Lohmann

Affenwellness im Schnee

So verlassen wir die Insel wieder mit etwas Wehmut, haben aber noch einen Höhepunkt unserer Reise vor uns: von Tokio aus fahren wir mit dem Schnellzug Shinkansen über Nagano nach Yudanaka, wo sich ganz in der Nähe tagsüber im Jigokudani-Affenpark die sogenannten „Schneeaffen“ in das Wasser der heißen Quellen setzen. Unser Glück bleibt uns treu: wir erleben einen fantastischen Tag und können verfolgen, wie die japanischen Makaken, zwischendurch leicht von Schneeflocken berieselt, im Pool sitzen, sich gegenseitig entlausen, manchmal um die Ecke, zum Fluss runter oder auf den Berg hochjagen und manchmal einfach nur relaxt im warmen Wasser sitzen und sich entspannen.

Eine Makaken-Mutter umarmt ihr Jungtier in einem heißen Quellbad im Schnee.
Ein Schnee affe mit zerzaustem Fell, der im Wasser sitzt und den Blick nachdenklich in die Ferne richtet. Schneeflocken fallen um ihn herum.
Schnelle Bahn bei Nacht mit modernen Wolkenkratzern im Hintergrund.
Zwei Schneeäffchen entspannen sich im warmen Wasser, während sie sich gegenseitig pflegen.

Bereit für das Abenteuer Japan? Hier geht's zur Reise

Zwei Riesenseeadler kämpfen auf dem Packeis vor Rausu, Japan, um einen Fisch im Wasser.
JAPFO3

In kleiner Gruppe die spektakulären Schneelandschaften Hokkaidos und intensive Tierbeobachtungen erleben

ab 9490 EUR inkl. Flug
Dauer 15 Tage / 8–10 Teilnehmer
Zur Reise