Blick auf das Ustjurt-Plateau in Kasachstan mit seinen markanten Felsformationen und der ausgedehnten, kargen Landschaft.

Zwischen Kaspischen Meer und Tienschan

Ein Reisebericht aus Kasachstan

Teilen Frau Hobmeier 11.07.2024

Wir starten in der Stadt am kaspischen Meer mit sowjetischem Scharm - Aktau.

Plastikpalmen, Panzer und 60 Mio. Jahren alte Gesteinsformationen 

Die Kriegsdenkmäler und die Uferpromenade, an der zahlreiche Fischer ihre Angel auswerfen, beeindrucken hier besonders. Der Strand, welcher sehr belebt ist, ist mit seinen Plastikpalmen und dem Panzer auf dem Parkplatz skurril, aber auch besonders. Mit Cheeps geht es los zur Erkundung der Mangystau-Region. Vor allem Kyzylkup ist mit der weißen Farbe und den zahlreichen Steppenschildkröten ein Highlight mitten im Nirgendwo. Am Berg Bokty gingen wir auf die Suche nach Zähnen von haiartigen Lebewesen, welche vor 60 Mio. Jahren hier im Urmeer gelebt hatten. Wir fanden zahlreiche Zähne! Geschlafen haben wir in Zelten im Bozzhira-Tal. Die Gesteinsformationen erinnern an das amerikanische Monument Valley, nur in einer anderen Farbe. Ich fand das Tal sehr beeindruckend, vor allem weil es menschenleer ist. In den verschiedenen Canyons konnten wir zahlreiche Gesteinsformationen sowie Adler und ihre gigantischen Nester entdecken. Das Freiheitsgefühl und die Weite mit den Gesteinsformationen sind unglaublich. Das Ustjurt-Plateau ist definitiv eines der Highlights! Im weiteren Verlauf zelten wir am Salzsee Tuzbair in einem Gesteinsbogen an den Gebirgsüberresten. Die Salzebene scheint schier endlos. Am nächsten Morgen beginnt es zu schütten und so haben wir eine abenteuerliche und lustige Rutschfahrt hinaus aus dem Salzsee! Die Autos sind auf solche Bedingungen ausgelegt, dementsprechend hatten wir eine Menge Spaß. Das Tal der Schlösser konnten wir aufgrund des Regens nicht besichtigen. In Mangystau gibt es hierfür ein Alternativprogramm und so durften wir ein anderes Valley mit gigantischen, dunkelbraunen Gesteinsformationen erkunden. 

Aktau in Kasachstan
Bozzhira Tal
Blick auf das Ustjurt-Plateau
Bild 1: Aktau in Kasachstan Frau Hobmeier
Bild 2: Bozzhira Tal Frau Hobmeier
Bild 3: Blick auf das Ustjurt-Plateau Frau Hobmeier

Wodka und Chips auf dem Weg zum Aralsee

Zurück in Aktau geht es zum Zug, mit dem wir die kasachische Steppe nach Aral durchqueren. Die Steppe ist endlos, die lange Zugfahrt allerdings überhaupt nicht langweilig! Ich empfehle Ihnen den Speisewagen! Dort wird Frisch gekocht und die Einheimischen sind sehr nett. Trotz Sprachdifferenzen hatten wir einiges zu lachen. Wir wurden auf Wodka und Chips eingeladen und waren eine kleine Sehenswürdigkeit in dem hübsch eingerichteten Speisewagen. Dort steppt der Bär! Alle Züge, die wir benutzt hatten, waren sehr sauber, die Schlafwagen waren komfortabel, die Züge pünktlich und das Essen sehr lecker! Insgesamt war die Zugfahrt allein aufgrund der Einheimischen ein absolutes Highlight. Zudem wird einem hier die Weite der Steppenlandschaft mit ihren zahlreichen Kamelen bewusst. Am nächsten Morgen wurden wir vom Bahnhof in Aral mit sowjetischen Bussen abgeholt. Das Guesthouse in Aral ist wunderschön und die Hostfamilie wirklich unfassbar nett! Nach dem Frühstück geht es zu einem Dorf am Aralsee. Die durch die Katastrophe neu entstandene Landschaft ist wunderschön. Erst wenn man dort am ehemaligen Seerand steht, werden die Ausmaße der Katastrophe sichtbar. Die drei Schiffswracke, welche in der Steppe/Halbwüste liegen sind mein Highlight. In einer heißen Quelle kann man dort mit Blick auf den Nördlichen Aralsee baden. Das fast verlassene Dorf Aqespe liegt an den Dünen und erinnert an einen Lost Place. Man kann in den verfallenen Häuser und den Autowracks umherwandern, was ich besonders spannend fand! Vor allem die Fahrt mit dem sowjetischen Bus (UAZ) vorbei an Kamelen und Pferdeherden hatte so viel Flair. Da das Programm bereits tagesfüllend war, machten wir den Ausflug an den Badesee Kambash nicht, da wir lieber die Stadt Aral besichtigen wollten. Die Stadtbesichtigung würde ich Ihnen sehr empfehlen! Am ehemaligen Hafen liegen noch Ruderboote zwischen den grasenden Ziegen und man kann auf die ehemaligen Kräne hinaufsteigen. Zudem gibt es ein sehenswertes Museum zur Geschichte des Aralsees. 

Ein UAZ-Fahrzeug steht auf dem trockenen Boden des Aralsees in Kasachstan, umgeben von sanften Hügeln.
Innenansicht eines Zugabteils in Kasachstan mit Tisch, Pflanzen und Fenstern, die die Landschaft zeigen.
Ein verlassenes Haus in einem Dorf am Aralsee, Kasachistan. Das Gebäude ist beschädigt, mit einem teilweise fehlenden Dach und umgeben von Sanddünen.
Weite Landschaft am Aralsee in Kasachstan mit trockenen Hügeln und einer flachen Ebene.

Zwischen Tulpenfeldern und schneebedeckten Gipfeln

Mit dem Zug ging es weiter nach Turkestan, eine wunderschön angelegte Stadt mit dem gewaltigen Mausoleumskomplex von Hodscha Ahmet Yassawi. Das beeindruckende Mausoleum liegt an einer pompösen Fußgängermeile. Am Abend gibt es hier ein spektakuläres Wasserspiel mit einer Aufführung, Musik und Feuer. Vor allem Einheimische in traditionellen Gewändern besuchen es. Auf der Weiterfahrt nach Shymkent wird an der Höhle Ak Mechet gehalten. Dieser Ort ist mit den vielen Vogelschwärmen und der Outdoor-Moschee ein richtig magischer Ort! Von Shymkent aus geht es am nächsten Morgen in den Sairam-Ugam Naturpark. Die Wanderung erfordert eine gute Kondition und ich würde neben Wanderschuhen auch Wanderstöcke empfehlen. Die Wanderung ist unfassbar schön: Man wandert durch Tulpenfelder mit Ausblick auf die schneebedeckten hohen Berge ein Tal entlang und steigt dann zum See hinauf. Der klar blaue See ist besonders, vor allem weil man mit dem wunderschönen Ausblick auf das Tal dort alleine ist! Am nächsten Morgen geht es nach der Besichtigung der Stadt Shmykent zu den singenden Großmüttern. Wir werden von den festlich gekleideten Großmüttern zur Begrüßung mit kasachischen Süßigkeiten beworfen und bekamen ein wunderbares Festessen. Mit dem Nachtzug geht es von Taraz im Anschluss nach Almaty. Hier wird nach der Ankunft Almaty besichtigt. In der Stadt trifft architektonisch die sowjetische Zeit auf die Moderne. Durch die unmittelbare Lage am Gebirge machen wir einen Ausflug durch die zahlreichen blühenden Apfelbäume zur Liftstation, die uns auf ca. 3000 m Höhe bringt. Die Lage der Stadt ist atemberaubend, ebenso die wunderschöne, vergoldete Zenkov Kathedrale. An diesem Tag waren wir allerdings durch die Nachtfahrt mit dem Zug müde. Im Ethno Dorf am nächsten Tag waren die Reiterspiele besonders aufregend, der See Issyk ist ebenfalls sehenswert. Für den darauffolgenden freien Tag würde ich den Berg Kok Töbe (Liftstation sind 12 Gehminuten vom Hotel), das Riesenrad (hier einfach einen Uber im Hotel bestellen) und den Grünen Markt empfehlen. 

Höhle Ak Mechet
Ethno-Dorf-Reiterspiele
Bergsee Issyk
Bild 1: Höhle Ak Mechet Frau Hobmeier
Bild 2: Ethno-Dorf-Reiterspiele Frau Hobmeier
Bild 3: Bergsee Issyk Frau Hobmeier

Glamping auf 2300 Meter höhe

Mit neuen Fahrern geht es weiter in den Charyn Nationalpark. Der Canyon ist wunderschön und die Wanderung nicht anstrengend. Auf dem Weg zum Tuzkol-See sind wir an wunderschönen Blumenwiesen vorbeigefahren. Überall grasen Pferde, man sieht eine Menge vom Leben der Menschen am Fuße des Tienschan Gebirges. Den Khan Tengri konnten wir leider nicht sehen. Die Unterkunft am auf 2300 m gelegenen Glamping ist wirklich wunderschön. Die Kuppelzelte sind mit Bädern ausgestattet und auf dem Gelände sieht man eine Menge Murmeltiere! Die Wanderung zum Akkol See am darauffolgenden Tag ist die schwerste Wanderung der Tour. Wer diese nicht machen möchte, kann auch im Tal am Fuße des Glampings wandern. Auf der Wanderung sind Stöcke notwendig, da es zu mehreren Flussüber- und -durchquerungen kommt. Der Weg ist nicht steil, nur weit. Die Landschaft ist auch hier wunderschön, weshalb ich die Tour weiterempfehlen würde. Vor dem Akkol See liegt zudem noch eine Art Wasserfall, der See liegt am Fuße der Berge. Unser Wanderführer konnte leider kein Englisch, weshalb ich hier zu einer russischen Übersetzungs-App raten würde. Bei uns war hier einfach die Kommunikation schwierig bis unmöglich, da unser Tourguide die Wanderung nicht mitmachte. Am nächsten Morgen ging es abschließend zum Mond-Canyon, der aufgrund seiner Größe durchaus beeindruckend ist. An einem weiteren Haltpunkt am Canyon sieht man eine Art Horshoe Bent ähnlich wie in den Staaten. Im Anschluss geht es eine doch noch weite Strecke zurück nach Almaty zum Abschlussessen.

Glamping in den Berge von Terskey
Blütenmeer in den Bergen von Terskey
Bild 1: Glamping in den Berge von Terskey Frau Hobmeier
Bild 2: Blütenmeer in den Bergen von Terskey Frau Hobmeier

Den Massentourismus sucht man in Kasachstan vergebens

Insgesamt würde ich die Tour auf jeden Fall weiterempfehlen! Vor allem die atemberaubenden Landschaften und die aufregenden Zugfahrten sind eine Kasachstan Reise absolut wert, wobei letzteres diese Reise besonders macht. Den Massentourismus sucht man hier vergebens, in Mangystau und in Aral waren wir die einzigen Touristen. Die Kasachen sind aufgeschlossene, interessierte und herzliche Menschen, die uns nur zu gerne ihre Kultur zeigten. So haben wir oft Essen geschenkt bekommen, wurden auf Familienfotos miteingeladen und haben versucht mit Google-Übersetzter Gespräche zu führen. Wer Russisch spricht hat hier definitiv einen Vorteil. Das Essen ist sehr fleischlastig. Wer will, kann hier Hammel und Pferdefleisch probieren und auch an Kamel- und Pferdemilch wird nicht gespart. Es ist eine authentische Reise, welches einem das Land und die Leute näherbringt!

Blick auf das Tienschan Gebirge
Steppe vor dem Tienschan Gebirge
Impression in der Steppe
Bild 1: Blick auf das Tienschan Gebirge Frau Hobmeier
Bild 2: Steppe vor dem Tienschan Gebirge Frau Hobmeier
Bild 3: Impression in der Steppe Frau Hobmeier
Das Bild zeigt beeindruckende Tafelbergformationen im Bozzhira-Valley in Kasachstan. Die Landschaft ist trocken und weitläufig.
KASRND

Zu Fuß, mit Eisenbahn und mit Geländefahrzeugen den zentralasiatischen Riesen von West nach Ost durchqueren

ab 4990 EUR inkl. Flug
Dauer 22 Tage / 6–12 Teilnehmer oder individuell ab 2 Personen
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