Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Nepal – Island Peak (6189 m), mein persönlicher Rekord!

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22 Tage Trekkingreise vom 06.10. – 28.10. 2010

6 Stunden Flug Frankfurt – Abu Dhabi. Ich habe einige Stunden Zeit, checke aus, schnappe mir ein Taxi und erkunde die Stadt, naja das Meer und danach die traumhaft schöne Sheik Said Moschee. Nach weiteren 4 Stunden Flug lande ich in Kathmandu, bekomme die übliche Kette aus Nelken und fahre zu meiner Unterkunft. Das „Kathmandu View Hotel“ ist für europäische Verhältnisse einfach, aber im Gegensatz zum Umfeld echt sauber. Den ersten Tag bin ich allein. Probiere mein erstes Dhal Bat, das Nationalgericht schlechthin. Linsen, Reis, Gemüse und Fleisch werden zusammen auf einem Tablett gereicht – lecker. Ich bummle durch die Stadt. Die vielen engen Gassen kommen mir wie ein Irrgarten vor. Hier gibt es alles zu kaufen, endlos viel zu entdecken, überall riecht es anders – meist nach Räucherstäbchen, immer wieder ist das vertonte Mantra „Om Mani Padme Hum“ zu hören, ich bin fasziniert. Abends reist der Rest der Gruppe an. Bedauerlicherweise hat das Teammitglied – ein Iraner – mit dem ich mir das Zimmer teilen sollte abgesagt. Wäre sicher ein interessanter Gesprächspartner gewesen. Wir essen alle gemeinsam und bereiten unsere morgige Abreise in die Berge vor. 5.30 Uhr ist Aufbruch zum Flughafen. Leider ist in Lukla Regen und kein Flugzeug kann da landen. So verbummeln wir den ganzen Tag in der Abflughalle. Den Abend verbringen wir mit bestem Essen und ein paar kühlen Bier auf der Dachterrasse unseres Hotels. Tags darauf gleiches Wetter, keine Flüge. Wir ziehen unsere Stadtrundfahrt vor. Als Erstes geht es zu Swajambhunath, dem Affentempel. Auf einem Hügel inmitten der Stadt steht ein Stupa und eine Reihe kleiner Tempel. Später fahren wir flussaufwärts an den Rand der Stadt. Hier werden öffentlich die Verstorbenen im festgelegten Ritual erst gewaschen und dann verbrannt. Genau der Teil dieser Kultur hatte mich schon im Vorfeld fasziniert. Hier wollte ich unbedingt her. Diese Menschen gehen so viel weniger verkrampft mit dem Tod um als wir. Nächstes Ziel ist Boudhanath, der größte Stupa Nepals. Hier gibt es Tempel und Gebetsmühlen jeder Größe. Ich genieße einfach das ganze bunte Treiben. Neuer Tag, gleiche Situation. Es ist diesig – keine Flüge. Erstmals steht der Vorschlag statt den Island Peak zu besteigen eine Trekkingtour zur Annapurna im Raum, weil die Zeit knapp wird. Hey, mag schön sein, aber ich will auf meinen ersten Sechstausender! Heute erkunden wir zu Fuß den Durbar Square rund um den alten Königspalast, treffen da „Teachers of the Hippies“ und fahren Rikscha. Überall lassen die Kinder Drachen steigen, nur wir sind anscheinend zu doof dazu, bekommen keinen in die Luft. Abends entscheide ich mich allein die geplante Tour zu gehen. Der Rest unserer Gruppe will zur Annapurna. Zwei reisen ganz ab. Ich buche einen Oneway Heliflug nach Lukla, Hubschrauber fliegen den berüchtigten Flugplatz auch bei schlechten Sichtverhältnissen an.

12.10.2010

Gleich früh geht es zum Flughafen. Der ist brechend voll. Seit Tagen gingen ja keine Flieger raus. Ich mache mir keine Sorgen, habe ja ein Heli-Ticket. X-mal werde ich hin und her geschickt, aufgerufen und wieder weggeschickt. Nach endloser Nerverei kann ich 15.00 Uhr! endlich fliegen. Einzig mein Rucksack bleibt zurück, soll mit dem nächsten schon wartenden Heli mitkommen. Etwa eine Stunde dauert der sehr unruhige Flug. Die Sicht ist schlecht, dann endlich taucht im Dunst die winzige Landebahn von Lukla auf. Nach der Landung bleibe ich gleich am Vorfeld und warte auf mein Gepäck. Der Hubschrauber kommt an – ohne meine Sachen. Der Pilot zuckt mit den Schultern: War der letzte Flug für heute. Und nun? Mit einem Mal stehe ich ohne Ausrüstung in den Bergen. Ich gehe meine Unterkunft suchen dort soll ich meinen Guide treffen, und welch Wunder, er ist nicht da. Auch seinen Namen kennt dort keiner. Nach einer ganzen Weile fällt dann einem älteren Nepali ein, dass ja irgendwo ein junger Sherpa wartet. Wenigstens hat das doch noch geklappt.

Ich bekomme ein kleines Zimmer und auch eine Decke, Abendessen und beruhigenden Zuspruch. Alles wird gut. Mit dem ersten Morgenlicht Heliknattern. Sofort laufe ich rüber zur Landebahn. Ich warte auf den großen weißen Russenhubschrauber. Der landet, „spuckt“ alles Mögliche aus, nur mein ersehntes Gepäckstück nicht. 9.00 Uhr endlich kommt es mit einem anderen Flug. Wir können starten. Nach etlichem Auf und Ab erreichen wir die Talsohle des Dudh Kosi. Zum Mittag halten wir Rast, wo ich eigentlich letzte Nacht hätte schlafen wollen. Weiter führt der Weg über viele Hängebrücken. Es gibt endlos viel Yaks, beladen mit allem Möglichen, Träger, die irre schwere Lasten durch die Berge schleppen und viele, viel Kinder am Wegrand. Die Gesichter der Menschen hier sind immer so unwahrscheinlich ausdrucksstark. Als sich das Tal verengt, beginnt der lange Aufstieg hinauf in die 3443m hoch gelegene Sherpahauptstadt. Namche Bazar liegt in einer Bergmulde mit toller Aussicht auf den 6186m hohen Kongde. Ich bin heilfroh, als wir unsere Lodge 17.20 Uhr erreichen. Bis zum Abendessen ruhe ich ein wenig. Mein linkes Knie macht Probleme. Geht das gut? Nach dem Frühstück holen wir noch notwendige Genehmigungen ein, dann geht es los. Die Landschaft ist malerisch. Unser Weg zieht links am Hang talaufwärts. Überall sind kleine Heiligtümer aufgebaut. Von Gebetsfahnen über Manimauern, riesige behauene und bemalte Steine bis zu kleinen Stupas. Bald schiebt sich die Ama Dablam ins Bild. Es ist der vielleicht schönste Berg des Himalaya. Über meine ersten zwei Edelweiß, in freier Natur, freue ich mich wie ein kleines Kind, bis ich merke, dass es hier echt ganze Wiesen davon gibt. Bei einem japanischen Maler samt Gemälde halte ich und schaue eine Weile zu. Zum Ende unserer Tagesetappe geht es noch den steilen und 600m hohen Aufstieg nach Tengboche hoch. Wir schlafen am Ende des Dorfes, in nun schon 3840m Höhe.

Schon die 2. Nacht konnte ich kaum schlafen. Der kühle Morgen empfängt mich mit blauem Himmel. Zum ersten Mal kann ich den Everest sehen – Klasse! Ein Teil unseres heutigen Weges wurde von einem Erdrutsch in die Tiefe gerissen und wird derzeit instand gesetzt. Die Arbeiten kann ich eine Weile beobachten. Einige Arbeiter graben große Steine aus, zerhauen diese mit Hammer und Meißel, damit sie per Rückentrage abtransportiert und von Hand im Hang verbaut werden. Ziel für heute ist Dingboche. Das kleine Dorf liegt auf 4410m und besteht aus einigen flachen Häusern, die zum Teil mit Steinplatten gedeckt sind. Als ich meinem Guide Nuri Sherpa erkläre, morgen hier zu pausieren, ist er sichtlich erleichtert. Ein freier Tag zur Akklimatisation tut uns beiden gut.

16.10.2010

Ruhetag. Ich wasche Wäsche und drehe eine Runde durch das Dorf. Einige Frauen waschen. Dafür wird einfach die offen verlegte Wasserleitung auseinandergezogen und später wieder zusammengesteckt. In der Zwischenzeit hat eben das Unterdorf kein Wasser.

In einem Hof wird Gerste gedroschen und von den Spelzen getrennt. Weiter oberhalb auf einem Hügel steht ein Stupa. Als ich oben ankomme, läuft ein alter Mann betend lange drum herum. Der Versuch mich mit ihm zu unterhalten, scheitert an einer gemeinsamen Sprache. Nachmittags setzt Schneeregen ein und ich ziehe mich in die Lodge zurück.

17.10.2010

Nachts hat es noch geregnet, aber nun ist alles trocken. Wir steigen im Nebel zu einem kleinen Plateau auf. Oben gehen wir über eine Edelweißwiese. Es ist echt nicht möglich, keine zu zertreten. Für Europäer ist das schon ein blödes Gefühl. Weiter oben am Thokla – Pass stehen fast endlos viele Steinmänner und Memorials der verunglückten und vermissten Bergsteiger. Die der Sherpas sind direkt auf dem Grat errichtet und wirken im Nebel gespenstisch. Wir übernachten in Lobuche auf 4910m. Am Abend lerne ich den Australier Clint kennen. Der läuft echt barfuß ins Everest-Basecamp, einfach nur so für sich. Nicht übel! Ach noch was: Draußen setzt starker Schneefall ein.

Clint ist nicht begeistert …

18.10.2010

Draußen ist Winter. Über den Lobuche Pass 5110m geht es in gut 2 Stunden nach Gorak Shep 5140m, immer entlang des Gletschers, der auch vom Everest gespeist wird. Ich beziehe mein Zimmer, stärke mich kurz und schon brechen wir wieder auf. Über Moränenschutt und Eis gehen wir weitere 2 Stunden bis in das Everest-Basecamp 5364m. Von dem vielen Müll, über den so viel geschrieben steht, sehe ich nichts. Das hat sich in den letzen Jahren sehr verbessert. Was, oder besser wen ich allerdings (wieder) sehe, ist Clint – ohne Schuhe! Und dann ist da noch der Eisfall. In gigantischer Dimension schieben die Massen vom Everest herunter. Dazwischen hausgr0ße Türme aus Eis, stets bereit mit lautem Krachen zu bersten. Auf dem Rückweg nach Gorak Shep zeigt sich noch der 7861m hohe Nuptse in seiner vollen Schönheit. Gleich nach dem Abendessen versuche ich zu schlafen, schließlich will ich morgen sehr früh los.

19.10.2010

Um 4.00 Uhr klingelt mein Wecker, nur wenig später brechen wir bei kuschligen -15°C und böigem Wind auf. In der sternenklaren Nacht fällt die Orientierung nicht schwer. Mit uns sind noch andere unterwegs, wollen den Sonnenaufgang am Gipfel erleben. Der Weg ist nicht schwierig, nur die Höhe strengt an. Ich überhole ein Paar aus Franken. Die Frau keucht völlig fertig ihren Mann an und meint: „Der atmet nicht mal“, als ich an ihr vorbeigehe.

Schon um 6.00 Uhr stehe ich mit meinem Guide Nuri am Gipfel. Die Sonne lässt noch auf sich warten und so habe ich ausreichend Gelegenheit zum Fotografieren. Immer mehr Leute erreichen den mit 5550m höchsten Punkt des Kala Patthar. Es ist ein schöner Aussichtsberg für Everest, Nuptse und Co. Dann ist es soweit. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen die Bergspitzen, umspielen sie golden. Das eben noch kaltblaue Licht wechselt zu warmen orangerot. Der Tag erwacht. Für wenige Momente wirft der Everest seinen massigen Schatten in den stahlblauen Himmel. Mein Abstieg dauert gerade einmal eine Stunde. Ich frühstücke, packe mein Zeug und wir steigen ab nach Dingboche. In der Lodge ruhe ich mich ein wenig aus und beobachte die Nachbarn beim Ausgraben eines riesigen Steins in ihrem Garten. Das Teil hat gut 2m Durchmesser.

20.10.2010

Heute steht nur eine kurze Etappe an. In weniger als 2 Stunden steigen wir nach Chukkhung auf 4730m auf. Das kann ich ja als Ruhetag verbuchen! Morgens haben wir strahlend blauen Himmel und so kann ich den Island Peak, mein eigentliches Ziel der Tour, supergut sehen und studieren. Nach dem Mittag schaue ich mich in der kleinen Siedlung um, fotografiere viel und schreibe Tagebuch. Ich genieße den Anblick der Eisriesen, die mich umgeben. Gegen 17.00 Uhr reisen die mittlerweile aufgezogenen Wolken wieder auf und geben wunderschöne Blicke und Augenblicke zu den Gipfeln frei. Über Nacht ist etwas Schnee gefallen. Frühstücken, packen, losgehen. Noch vor dem Mittag erreichen wir unser 4730m hoch gelegenes Basislager. Man empfängt uns mit heißem Mangosaft. Etwas später gibt es üppiges Mittag mit allerlei nepalesischen und tibetischen Leckereien. So gut verköstigt lege ich mich in mein Zelt und döse ein. Nix da! Der Bergführer ruft alle zum Training. Also Ausrüstung anlegen und rein in das Seil. Ich muss nur einmal. Die Gruppe von Schweizern, der ich mich morgen anschließen soll, hat da viel länger zu tun. Nun habe ich wieder Zeit die mehr oder weniger geschickten Sicherungsversuche der Schweizer und die zahlreichen Glanzfasane zu beobachten. Am späten Nachmittag wird es empfindlich kalt und ich verziehe mich in das Küchenzelt. Da staune ich nicht schlecht, als mehrere Male das halbe Zelt in Flammen zu stehen droht. Nicht jeder Kocher funktioniert eben immer reibungslos.

Ich bereite noch meine Ausrüstung vor und lege mich gleich nach dem Abendessen schlafen. Die Nacht wird kurz.

22.10.2010

Tag des Gipfelangriffs. Mitternacht, aufstehen, frühstücken. Die Bergführer veranstalten eine kleine Puja. Beten und zünden Räucherstäbchen an. Um 1.00 Uhr brechen wir auf. Die Schweizer zeigen sich erstaunt, dass ich mit ihnen gehe. Eigenartig, wo wir doch gestern gemeinsam trainierten, naja… Anfangs ist der Weg eher öde, führt über Moränenschutt bis an den Weg des Island Peak. Im unteren Bereich des Berges gehen wir echt langsam in Serpentinen nach oben. Erst nach etwas 2 Stunden machen einige leichte Felsklettereien den nächtlichen Aufstieg spannender. Ich bleibe bei unserem Bergführer bis wir an einer ausgesetzten Stelle am Grat den Grampons Point erreichen. Hier werden sie Steigeisen angelegt und alle in das Seil ihrer Gruppe eingebunden. Ich bin da nicht so begeistert, will mich nicht an Fremde hängen. So richtig passe ich auch zu keiner der beiden schweizer Seilschaften. Schließlich gehe ich seilfrei mit dem Bergführer vornweg. Wir kommen gut voran und erreichen bald steileres Gelände. Hier soll ich so lange warten, bis der Guide das Fixseil angebracht hat. Allein weiter zu gehen erscheint mir nicht so schwer und so folge ich ihm in einigem Abstand. Ich überhole noch eine Dreierseilschaft, bevor ich am Fuß der 70 Grad steilen Eisrinne stehe. Dort sichere ich mich an einem älteren Fixseil und beginne mich hochzuarbeiten. Eisklettererfahrung ist hier echt von Vorteil. Auf halber Höhe kommt mir mein Guide entgegen. Etwas erstaunt, mich schon hier oben zu sehen, reicht er mir unser neues Seil und setzt seinen Weg nach unten zum Rest der Gruppe fort. Ich binde mich um und klettere weiter. Noch bevor ich am Plateau ankomme, treffen mich die ersten Sonnenstrahlen. Das tut mir gut. Sofort durchströmt ein wohliges Gefühl meinen Körper. Ich spüre neue Kraft. Nun trennt mich nur noch der ausgesetzte Gipfelgrat vom höchsten Punkt.

Nach 6 ¼ Stunden stehe ich oben, 6189m, mein persönlicher Rekord! Das Wetter ist super, blauer Himmel, kaum Wind und nicht mehr unter -15°C. Ich genieße meinen persönlichen Triumph und die grandiose Aussicht, mache viele Fotos. Am zum Greifen nahen Lhotse hängen Schneefahnen. Mehr und mehr Bergsteiger drängen herauf. Also mache ich Platz und beginne meinen Abstieg. Den Grat kann ich ohne Probleme hinter mich bringen, allen Entgegenkommenden ausweichen. In der Mitte der Eisrinne allerdings hängt eine Frau fest. Ihre Begleiter brüllen hinunter, das hilft nicht. Um überhaupt weiter zu kommen, hänge ich mich in das zweite Seil ein und steige zu ihr ab. Sie hat sich hoffnungslos in einem Seilfiz verknotet und ist heilfroh, dass ich sie befreie. Auf dem Gletscher gönne ich mir meinen letzten Tee, esse eine Kleinigkeit und setze meinen Weg Richtung Basecamp allein fort.

Erst jetzt ist die bezaubernde Schönheit des zerrissenen Geländes in Gänze zu erkennen, Eiszapfen in Löchern, Firnrinnen, eine Welle. Zweimal schlage ich weiter unten im felsigen Gelände die falsche Richtung ein, finde aber jedes Mal den richtigen Weg schnell wieder. Nach 2 Stunden und 25 Minuten Abstieg bin ich wieder an meinem Zelt, esse, trinke, nehme Glückwünsche entgegen. Von 13.00 – 16.00 Uhr steigen wir noch nach Dingboche ab. Unsere Lodge ist voll belegt und wir wechseln zu einer noch tiefer gelegenen. Ich wasche mich draußen. Dafür trenne ich wie üblich die freiliegende Wasserleitung. Nach einer Weile kommt ein Sherpa und bittet mich um Beeilung. Drinnen möchte jemand duschen und braucht das Wasser.

23.10.2010

In 3 Stunden laufen wir hinunter nach Tengboche. Heute habe ich Zeit, das weltberühmte Kloster zu besichtigen. Es ist draußen wie drinnen wunderschön. Ich kann den Mönchen beim Rezitieren zusehen. Im Kloster ist es saukalt. Nachdem es einige Male abgebrannt war, entschlossen sich die Vorsteher, das komplette Gebäude nicht mehr zu beheizen. Beim Verlassen des Komplexes erschließt sich mir noch einmal ein toller Blick zurück auf Everest, Nuptse, Lhotse und Ama Dablam, ein super Abschluss. Um 13.45 Uhr, nach einem ausgiebigen Mittagessen unten am Flusslauf, des Dod Kosi kommen wir in Namche Bazar an. Gern würde ich noch weiter bis nach Lukla, aber mein Begleiter Nuri streikt. Also schlafen wir hier.

Für den Weg nach Lukla brauchen wir immerhin von 8.00 Uhr bis 14.15 Uhr. Wäre wohl für gestern doch zu lang geworden. Unterwegs treffen wir wieder zahllose Träger mit ihren Lasten. Auch Frauen und Mädchen schleppen ihr Körbe durch die Berge – unglaublich! In Lukla wird schnell klar, heute fliegen wir nicht mehr. Also geht der Nervenkitzel schon wie beim Herflug weiter. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Beim Bummel durch das Dorf und am Flugplatz sehe ich den Flieger wieder, der am Tag meiner Ankunft in die Mauer hinter der Landebahn gekracht ist. Zum Glück gab es keine Schwerverletzten.

24.10.2010

Ab 6.00 Uhr ist Flugbetrieb. Ich dränge meinen Begleiter Nuri zum Aufbruch und bekomme 9.00 Uhr endlich mein ersehntes Ticket. Eine weitere Stunde vergeht, bis ich dann endlich in der kleinen Twinotter-Maschine sitze. Der Pilot rollt auf die kurze Piste, lässt die Motoren bei Vollgas aufheulen und löst die Bremsen. Wir schießen los und sind binnen weniger Sekunden in der Luft. Ich konnte einen Platz auf der rechten Seite ergattern und habe einen grandiosen Blick zu den Bergen des Himalaya Hauptkamm. Knapp eine Stunde später landen wir in Kathmandu. Auf dem Weg zum Hotel lasse ich unseren Fahrer kurz am Denkmal für Tenzing Norgay halten. Der Nationalheld Nepals war 1953 mit Edmund Hillary als Erster auf dem Everest. Der Rest der Gruppe ist noch nicht zurück und so lasse ich mich allein durch die Stadt treiben, lausche dem emsigen Treiben der Händler. Schaue mir die Freak-Street und die Tempel und Pagoden um den Durbar Square an. Am Abend beim Duschen stehe ich plötzlich im Dunkeln – Stromausfall. Ganze Stadtteile sind finster. Normal. Ist da unserem Fahrstuhl noch zu trauen?

26.10.2010

Den halben Tag verbringe ich wieder allein in der Altstadt. Ich liebe das. Am frühen Abend kommen meine Gefährten von ihrer Annapurna-Runde zurück und wir tauschen unsere Erlebnisse bei einigen Bier auf der Dachterrasse aus.

27.10.2010

Nach einem ausgiebigen Frühstück bummeln wir alle zusammen durch Kathmandu, haben ja noch den ganzen Tag Zeit. Also lassen wir es uns gut gehen und genießen vor allem das kulinarische Angebot des Landes. Abends dann das obligatorische Abschiedsessen mit Folklore. Unterwegs entdecke ich einen kleinen Laden mit etwa 1m² Grundfläche ohne Strom. Der Verkäufer von Vorhängeschlössern hat echt eine Kerze auf dem Ladentisch stehen.

28.10.2010

Der Reste meiner Gruppe bricht zur Heimreise auf. Sie fliegen mit einer anderen Gesellschaft. Ich muss erst abends los und schaue mir noch den neuen Königspalast an. Dessen Bewohner wurden im Jahr 2001 blutig dahingemetzelt. Die noch junge Geschichte ist sehr anschaulich und erschütternd geschildert. Über Nacht und mit einem Zwischenstopp in Abu Dhabi fliege ich zurück nach Frankfurt, wo mich meine Frau mit einem riesigen umgehängten Herz empfängt und in ihr Arme schließt.

Danke dafür.

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