Wandern in Österreich: Auf den Spuren von Ötzi inmitten einer phänomenalen Bergwelt
Schwer atmend geht es nur stückchenweise Schritt für Schritt voran. Nach vorn gebeugt und den Kopf gesenkt, um ein bisschen besser vor dem unbarmherzigen Schneegestöber geschützt zu sein. Ganz unerwartet kann der Wetterumschwung zuschlagen und eine eh schon anspruchsvolle Wanderung zu einem heiklen Unterfangen werden lassen. Allein die Vorstellung, jetzt lediglich mit Schaf- und Kuhfellen bekleidet zu sein, lässt die gefühlten Grade nochmal nach unten purzeln. Ehrfurchtsvoll stehen wir kurz darauf vor dem Ötzi-Denkmal am Tilsenjoch. Beim Gedanken an die unwirtlichen und widrigen Umstände, denen der „Mann vom Tilsenjoch“ trotzen musste, kuscheln wir uns gleich nochmal fester in unsere moderne Outdoorkleidung, die uns vor dem schneidenden Wind schützt. Allmählich flaut das Schneetreiben ab und nur wenig später spitzt die Sonne durch ein Loch in den Wolken. Im Gegensatz zu dem tapferen Hirten, der hier vor vielen tausend Jahren sein Leben ließ, können wir jetzt die verschneiten Riesen genießen, die sich um uns herum wie eine weiße Wand erheben.
Kaunertal: Expedition in Fels und Eis
Schon am Rand einer metertiefen Gletscherspalte zu stehen, treibt so manchem versierten Berggeher den Angstschweiß auf die Stirn. Aber einer muss ja das Versuchskaninchen spielen und sich in die blau schimmernde Tiefe wagen, schließlich dreht sich heute alles um die Spaltenbergung. Zum Glück stand tags zuvor der Umgang mit Pickel und Steigeisen auf dem Programm. Zögerlich darf man da nicht sein, wenn man inmitten der kalten Wände so in der Luft hängt und mit den Eisen an den Füßen oder dem Pickel in der Hand versucht, im harten Schnee und Eis Halt zu finden. Doch nachdem der Sicherungsknoten so oft auf- und wieder zugeknüpft wurde, dass er sogar die Hauptrolle im Traum übernahm, fühlt man sich doch recht sicher und bärenstark. Da ist die Selbstrettung aus der Spalte fast nur noch ein Kinderspiel und dem Hochtourenglück kann nichts mehr im Wege stehen.
Alpenüberquerung: Trekkingtour von Oberstdorf nach Meran
Heute ist es soweit, der letzte Tag unserer Alpenüberschreitung von Deutschland über Österreich nach Italien ist angebrochen. Ein bisschen Wehmut vermischt sich mit einer gehörigen Portion Stolz beim Gedanken an die vielen Kilometer und noch mehr Höhenmeter, die bis jetzt in unseren Beinen stecken. Auf der Hüttenterrasse lacht uns schon die Sonne ins Gesicht. Der Körper hat sich an die Anforderungen gewöhnt, der Weg zur Similaunhütte geht uns leicht von der Hand bzw. vom Fuß. An der Hütte gibt es nochmal einen Adrenalinstoß, das Herz beginnt vor Freude zu hüpfen: Wir haben den höchsten Punkt unserer Alpenüberquerung erreicht. Nur wenig später blinzelt der türkisfarbene Stausee von Vernagt zu uns herauf. Eine kurze Busfahrt trennt uns nun von Meran, wo wir gedanklich schon mit einem kühlen Spritz auf die erfolgreiche Unternehmung anstoßen. Erschöpft, aber dennoch tief zufrieden blicken wir zurück: Wir haben mehr mitgebracht als eine Ansammlung von Fotos und eine Summe von Etappen. Es sind vielmehr eine Fülle von Erinnerungen und gemeinschaftlichen Erlebnissen, die uns nun ein Leben lang begleiten werden.