Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Serengeti intensiv

Teilen

Spät abends landen wir am Kilimanjaro Airport, gleich am nächsten Morgen geht es weiter von einem in der Nähe unserer Lodge gelegenen kleinen Airstrip mit einer gecharterten Maschine zielgerichtet in die Mitte der Serengeti. Auf unserer diesjährigen Fotoreise wollen wir drei verschiedene Regionen besuchen: die zentrale Serengeti um Seronera mit ihrem großen Tierreichtum und vielen kleinen landschaftlich sehr interessanten Felsformationen, weiter nördlich die weiten Ebenen von Togoro und schließlich ganz im Norden von Tanzania bei Kogatende das Gebiet um den Mara Fluss herum, wo Ende Oktober/Anfang November die großen Gnuherden erwartet werden, wenn sie aus der kenianischen Massai Mara aufgrund der kommenden kleinen Regenzeit wieder nach Tanzania zurück wandern.

Unerwartet haben in diesem Jahr die ersten Regenfälle im Oktober bereits 3 Wochen eher als üblich begonnen, so dass bei Seronera überall schon wieder grünes Gras gesprießt und ein großer Teil der Gnuherden deshalb bereits dorthin zurückgekehrt ist.

Am Airstrip erwarten uns unsere beiden Fahrer Josef und Suma – und wir starten direkt zu unserer ersten Pirschfahrt. Tag für Tag geht es mit diesen nun weiter, und wir erleben eine prall gefüllte Zeit voller Highlights, mit vielen besonderen Tierbegegnungen. Einige davon seien hier erwähnt:

1.Tag Leoparden und Löwen

Was nicht häufig zu sehen ist: auf zwei Bäumen nebeneinander liegt jeweils ein Leopard, offensichtlich Mutter und ihr schon etwas älterer Sohn. Dieser räkelt sich genüsslich über längere Zeit auf seinem Ast und schaut uns immer wieder sehr intensiv in die Augen.

Am Abend werden wir Zeuge, wie 2 Löwenpaare in unmittelbarer Nähe ihre Paarungsriten vollziehen. Erschöpft ruhen sie sich aus, bis das Weibchen ihre Bereitschaft signalisiert und es zur nächsten Paarung kommt. Bis zu drei Tagen kann dieses Spiel dauern, die Löwen haben sich dazu von ihrer Gruppe separiert.

2.Tag ein Serval auf dem Baum

Aufmerksame Augen in einem vor uns fahrenden Auto haben sie entdeckt: eine Servalkatze in einem Baum liegend, selbst mit der Erfahrung von einigen Jahrzehnten hat Josef das noch nicht gesehen. Von oben herab mustert sie die Umgebung nach möglicher Beute. Ca 10 Minuten dürfen wir ihr dabei zuschauen, bis sie sich wieder auf den Weg nach unten macht.

3.Tag Kräftemessen der Flusspferde im Hippo Pool

Am Nachmittag besuchen wir Retima, ein Gewässer, in dem sich sehr viele Hippos versammelt haben. Zu Ihrer Beobachtung darf man hier das Safarifahrzeug verlassen, da ein Ranger der Nationalparkverwaltung zur Sicherheit da ist. Viele Hippos sind in aufgewühlter Stimmung, mit rollenden Augen und weit aufgerissenem Maul versuchen sie, ihren Artgenossen zu imponieren und ihr kleines Revier zu behaupten.

4.Tag zwei Geparden erbeuten ein Gnu

Wir folgen zwei jungen Geparden, die sich offensichtlich nach ihrer Tagesmahlzeit umsehen. Lange sieht es so aus, als hätten sie es auf eine kleine Gazelle abgesehen, doch plötzlich setzt ein Gepard hinter einer größeren Gruppe von Gnus zum Sprint an und hat nach wenigen Metern ein Tier erbeutet. Über zwei Stunden sind wir unmittelbar daneben, sehen, wie sich die Katzen so vollfressen, dass ihre Bäuche sich dick gefüllt wölben und sie keine Gegenwehr mehr leisten, als schließlich Geier und Marabus sich um den Rest der Mahlzeit kümmern.

5.Tag Geparden, Löwen und eine Lerche

Wieder werden wir kurz nach Sonnenaufgang Zeuge, wie zwei (andere) Geparden im Morgenspiel den Tag beginnen. Das Gegenlicht lässt die kleinen Fellhaare in ihrer Silhouette erstrahlen, eine schöne fotografische Herausforderung zu ihrer stimmigen Belichtung.

Wenig später entzückt uns eine Rotnackenlerche mit ihrem melodiösen Gesang. Mit großer Intensität trägt sie ihn vor, und wenn unser Fahrer Suma „in Lerchensprache“ antwortet, hüpft und flattert sie des öfteren einige Zentimeter hoch in die Luft.

Am Abend beobachten wir ein großes Löwenrudel mit 19 Mitgliedern bei einer Felsformation: Papa Löwe thront oben auf dem höchsten Felsen und schaut in die Savanne hinunter, gewärmt von der letzten Sonne. Mehrere Löwinnen beginnen, in die Umgebung auszuschwärmen und nach Beute zu suchen und die zahlreichen jungen Löwen trinken an der Wasserstelle.

6.Tag Flussüberquerung

Heute kommen wir im Norden am Mara Fluss an und zu unserem großen Glück können wir, obwohl nicht mehr viele Gnus in der Region vorhanden sind, schon nach ca zwei Stunden ein wunderbares Gnu Crossing über den Fluss erleben. Eine große Gruppe traut sich ins Wasser, in der Mitte des Flusses wartet ein Krokodil auf leichte Beute, erwischt auch ein Gnu, kann es lange am Hinterbein zurückhalten, aber letztlich gelingt es dem Gnu sich zu befreien. Das Wasser spritzt, die Augen weit aufgerissen, mit hektischen Bewegungen erreicht es das gegenüber liegende Ufer – gerettet !

7. Tag Steppenadler und Schlangenadler

Erst treffen wir einen jungen Steppenadler auf einem Kakteengewächs, wenig später einen Schlangenadler auf einem abgestorbenen Baumast, beide suchen ihre Umgebung nach potentiellen Beutetieren ab. Am Abend werden wir an einem Tümpel Zeuge, wie ein Graureiher einen Frosch fängt und dann über Minuten versucht, ihn sich mundgerecht in den Schnabel zu legen.

8. Tag Elen am Horizont, Gabelracke im Flug

Elenantilopen waren die gesamte Zeit, wenn wir sie gesichtet hatten, sehr scheu, d.h. in der Regel sofort auf der Flucht ins Unsichtbare. Doch an diesem Morgen haben wir Glück und können über längere Zeit auf einem kleinen Hügel in der Savanne eine Mutter mit ihrem Jungtier beobachten.

Wie an fast jedem Tag treffen wir auch heute wieder die farbenfrohen Gabelracken – es ist eine große Herausforderung für uns Fotografierende, sie auch scharf im Flug abbilden zu können, denn sie fliegen sehr schnell.

Am Abend verabschiedet sich die Sonne mit einem tief gelbrotem Himmel am Horizont. Andächtig schauen wir in das starke Farbenspiel und werden uns langsam darüber bewusst, dass wir uns am kommenden Morgen nun wieder von diesem schönen Fleck Erde verabschieden müssen. Wehmut schwingt mit, aber gleichzeitig gibt es eine große Dankbarkeit, hier wirklich ‚Serengeti intensiv‘ erlebt haben zu dürfen.

Michael Lohmann

Passende Reisen von DIAMIR