Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Die Berge im Norden von Äthiopien

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1. Faszination äthiopische Bergwelten

Schon seit mehreren Jahren bin ich fasziniert von fremden Bergwelten und versuche, mehrmals im Jahr auf Entdeckungsreise rund um den Globus zu gehen. Die Berge der Welt zu bereisen ist mein großes Herzensprojekt!

Nach meinen Reisen in den Oman, nach Tibet und in die schottischen Highlands, wollte ich mir nun unbedingt auch die Berge Afrikas ansehen. Afrika hatte ich bis dato noch nicht besucht, aber das sollte sich nun ändern.

Viele Abenteurer zieht es auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo. Spricht natürlich nichts dagegen, aber ich persönlich mag es dann doch etwas exotischer. Bei meinen Recherchen für ein geeignetes Bergziel in Afrika habe ich das erste Mal Fotos von den Simien Mountains im Norden von Äthiopien gesehen. Was für unglaublich magische Bergwelten! Die Berge im Norden Äthiopiens werden aufgrund der Weitläufigkeit und der Höhe von über 4000 m auch das „Dach Afrikas“ genannt. Die Form dieser Landschaft ist einzigartig und die Morphologie der Berge sehr speziell. Sie haben mich sofort in ihren Bann gezogen.

Im Norden Äthiopiens gibt es aber auch noch andere, weitaus weniger bekannte Berge als die Simien Mountains, die ich zusätzliche während meiner 16-tägigen Tour kennenlernen durfte.

Das schroffe Sandsteingebirge der Gheralta-Region war mir gänzlich unbekannt. Diese Berge mit ihren versteckten Felsenkirchen sind nicht weniger spektakulär als die Simien Mountains.

Also war mir klar, dass ich in den Norden Äthiopiens reisen musste, um diese Berge zu entdecken und zu fotografieren. Diamir bietet diese beiden Regionen zusammen mit einem spannenden Kulturprogramm in der Reise „Durch die unwegsamen Berge Abessiniens“ an. Und genau diese Reise habe ich gebucht!

2. Wandern in den Simien Mountains

2.1 Aufbruch von Debark

Nach einer Woche Kulturprogramm inklusive der Hauptstadt Addis Abeba, den Felsenkirchen von Lalibela und dem Kaiserpalast von Gondar und unzähligen Kilometern im Reisebus erreichen wir die staubige Stadt Debark am Fuße der Simien Mountains. Nach einer Woche meist über 2000 Meter sind wir gut akklimatisiert und können es kaum erwarten, aus dem Bus auszusteigen und das Trekking zu beginnen. Wir sind vom vielen Sitzen alle schon etwas eingerostet. Zunächst erledigen wir ein paar organisatorische Angelegenheiten in Debark und nehmen unseren Koch und die Scouts mit auf die Reise.

Abb. 3 – Debark am Fuße der Simien Mountains

Scouts sind Einheimische mit Gewehr und obligatorisch in den Simien Mountains. Sie navigieren uns durch die Berge und haben ein gutes Auge für die seltene und endemisch vorkommende Flora und Fauna. Natürlich bewachen sie auch die Camps in der Nacht und schützen uns vor wilden Tieren. Eine Schotterstraße durchzieht das gesamte Gebirge und so können wir mit dem Bus bereits eine deutliche Höhe erreichen, ehe das Trekking im Hochland Äthiopiens beginnt.

2.2 Akklimatisierungstour

Unsere erste Etappe startet bereits auf über 3000 m Höhe. Die Wanderung beginnt spät am Nachmittag und soll uns bei der weiteren Akklimatisierung helfen. Sie dauert zwar nur etwa zwei Stunden, führt uns aber entlang lichter Haine schon sehr nahe an die spektakulären Felsabbrüche heran, wo wir die ersten großartigen Ausblicke auf die Simien Mountains genießen dürfen. Die Nacht im ersten Camp auf 3200 m ist gemütlich und die der Koch zaubert uns ein paar wirklich großartige Gerichte, die wir alle zusammen im Gemeinschaftszelt bei guter Stimmung zu uns nehmen.

2.3 Aufbruch zum hohen Camp

Der nächste Tag wird richtig anstrengend, denn wir müssen ein höheres Camp auf 3600 m erreichen, von dem wir dann die hohen Berge der Simien Mountains besteigen werden. Der Weg dorthin ist lang und oft geht es bergauf und bergab. Gute gut acht Stunden werden wir unterwegs sein. Wir wandern auf einsamen Hirtenpfaden entlang des Felsabbruches und erreichen wieder einen großartigen Aussichtspunkt, diesmal mit Blick auf einen Wasserfall. Über uns kreist ein mächtiger Adler. Weiter des Weges treffen wir auf die bekanntesten Bewohner der Simien Mountains, die freundlichen Dscheladas. Die endemisch vorkommenden Blutbrustpaviane lassen sich aus nächster Nähe beobachten und fotografieren.

In der Mittagssonne ist es richtig heiß! Ohne Kopfbedeckung und einer starken Sonnencreme solltet ihr hier nicht wandern. In einem Flussbett legen wir eine Mittagspause ein, ehe wir in einem steilen Anstieg das hohe Camp auf 3600 m erreichen. Am Nachmittag steigen wir noch etwas höher, um uns für die nächsten Tage noch ein wenig besser zu akklimatisieren. Gegen 17:30 erreichen wir unseren ersten Gipfel in den Simien Mountains, den Kedadit auf 3760 m. Beim Abstieg haben wir traumhafte Ausblicke auf das Äthiopische Hochland im warmen Licht der Abendsonne.

2.4 Auf die hohen Berge der Simien Mountains

Nachts wird es auf 3600 m wirklich sehr kalt und ungemütlich. Die Zelte waren sehr gut, aber ihr müsst auf jeden Fall einen Schlafsack mit einem Komfortbereich von -5 Grad mit dabeihaben. Trotz der Kälte in der Nacht sind wir alle fit für die ausgedehnten Wanderungen auf den Imet Gogo (3926 m) und Inatye (4070 m) in den nächsten Tagen. Wir werden also die 4000 m Marke noch knacken. In den Simien Mountains muss man nicht Bergsteigen, die Gipfel lassen sich meist recht einfach erwandern, allerdings sind die Touren schon ausgedehnt und es müssen längere Wegstrecken zurückgelegt werden. Immer wieder kommen wir bei den Gipfeltouren ganz nahe an die imposanten Felsabbrüche heran, die wirklich sehr spektakulär sind.

Unterhalb des Imet Gogo-Gipfels sind ein paar Felspassagen mit leichter Kletterei zu überwinden, ehe wir die großartige Aussicht auf das Äthiopische Hochland genießen dürfen. Am Weg zum Inatye wandern wir zunächst entlang einer steppenartigen Landschaft, als einer der Scouts in der Ferne ein Tier entdeckt.

Wir haben tatsächlich eine Begegnung mit einem Äthiopischen Wolf, einem der seltensten Tiere der Welt. Ein großartiges Erlebnis! Am letzten Tag unseres Trekkings in den Simien Mountains müssen wir zunächst entlang der Felskante absteigen und den Gegenhang in der starken Vormittagssonne meistern. Zu Mittag sind wir am höchsten Punkt unserer Reise angekommen und stehen am Gipfel des Inatye auf 4070 m. Unser Trekking in den Simien Mountains geht nun langsam dem Ende zu. Wir verlassen den Gipfel und erreichen einen letzten großartigen Aussichtspunkt, wo wir nochmals einen großartigen Ausblick auf eine markante Felsformation haben. Ein wenig bergab wartet an der Straße schon unser Reisebus auf uns, der uns zurück nach Debark bringt.

Was soll ich sagen: Die Simien Mountains sind einfach so anders, als das, was ich an Bergen bis jetzt gesehen habe. Eine einzigartige Kulisse, die man einfach besucht haben muss!

3. Die versteckten Felsenkirchen in den Gheralta-Bergen

3.1 Gemütliches Camping unter dem Feigenbaum

Nach ein paar erholsamen Nächten im Hotel und einem Kulturbesuch in der bekannten Stadt Axum im Tigray Gebiet starten wir unser zweites Trekking in den äthiopischen Bergen. Die bis zu 3000 m hohe Sandsteinberge der Gheralta Region sind ein wirklicher Geheimtipp beim Reisen im Norden von Äthiopien.

Wir schlagen unsere Zelte diesmal gemütlich unter einem riesigen Feigenbaum auf. Das Campen hier am Fuße der Sandsteinberge ist weitaus bequemer und viel milder als in den Höhen der Simien Mountains.

In der Nacht hat es nie unter 10 Grad und abends können wir uns an einem Lagerfeuer wärmen und das Campen richtig genießen.

3.2 Wandern zu den Felsenkirchen

In den nächsten Tagen werden wir die Gegend erkunden und die versteckten Felskirchen der Tigray besuchen. Die erste Kirche, die Abreha Atsbeha, ist allerdings ganz einfach mit dem Bus zu erreichen.

Unsere Bergtouren starten entweder direkt von unserem idyllischen Camp, oder wir fahren kurze Strecken mit dem Bus zum Ausgangsort. Über steile Anstiege geht es teils hoch hinauf in die Sandsteinberge. Die Ausblicke auf die Gheralta Berge sind wirklich sehr beeindruckend. In der Sonne ist es wieder unglaublich heiß und das Wandern wird durch die Hitze erschwert, die den Felsen reflektiert wird. Viel Trinken und sich mit Hut und Sonnencreme vor der Sonne zu schützen, ist hier ein weiser Plan. Wir nehmen die Dienste eines lokalen Bergführers in Anspruch, denn die Felsenkirchen sind sonst nicht zu finden.

3.3 Zuletzt noch eine Klettertour

Das Highlight unseres zweiten Trekkings ist zweifellos der Besuch der bekannten Felsenkirche Maryam Korkor und ihrer kleinen Nachbarin: Abba Daniel Korkor. Um diese Ziele in den Höhen der Gheralta Bergen zu erreichen, müssen wir am letzten Tag unseres Trekkings einige Kletterpassagen im Fels überwinden. Die letzte Tour ist definitiv auch die Anstrengendste. Das Klettern nimmt fast den halben Tag in Anspruch, weil doch einige Touristen zu den Kirchen unterwegs sind und es sich an den steilen Passagen staut. Die Anstrengung haben sich aber gelohnt, denn die beiden Kirchen sind außergewöhnlich sehenswert. Auf der Anhöhe knapp unterhalb der Gipfel hat man entlang der steilen Felshänge den besten Ausblick auf die zerklüfteten Bergwelten der Gheralta Region. Mit diesem letzten Höhepunkt geht nun auch meine Rundreise im Norden Äthiopiens zu Ende.

4. Großartige Erinnerungen an Äthiopien

Ich bin Diamir unglaublich dankbar für diese großartige Reise. Wir wurden von dem gesamten Reiseteam wirklich ganz großartig betreut. Zurück bleiben wunderschöne Erinnerungen an ein sehr spezielles Land mit einer unglaublichen Kultur, großartigen Landschaft und einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Volk.

Wer es gerne exotisch mag und einzigartige Bergwelten, die von ihrer Form und Anziehungskraft mit nichts vergleichbar sind, besuchen möchte, dem kann ich als Bergliebhaber den Norden Äthiopiens uneingeschränkt empfehlen.

Der Wiener Fotograf und Blogger Dr. Stefan Czurda ist Outdoor-Liebhaber und bereist in seinem Projekt Berge der Welt exotische Bergwelten rund um den Globus.

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