Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Einmal Damavand und zurück

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In den Iran aufzubrechen hat im Vorfeld Kopfschütteln und Unverständnis hervorgerufen. Dazu zu einem Zeitpunkt, in dem täglich in den Medien über den Iran-USA Konflikt zu lesen ist. Doch wenn schon Abenteuer, dann richtig und ich nehme vorweg, ich habe es nicht eine Stunde bereut. Die Anreise erfolgt über Istanbul nach Teheran. Noch im Anflug auf die Iranische Hauptstadt legen alle Frauen leichte Mäntel, lange Blusen und Kopftücher an. Hauptsache Arme, Beine sowie der Po sind bedeckt. Dazu ein leger um den Kopf geschlungenes Kopftuch oder ein Schal – fertig ist die gewünschte Bekleidung. Im Hochlager über 4000 m interessiert die Kleiderordnung dann keinen mehr. Nach dem technisch einfachen Akklimatisationsberg Koloun Bastak auf 4150 m hat man schon einen kleinen Vorgeschmack auf die recht trockene Region bekommen und konnte Zelt, Isomatte und Schlafsack testen sowie sich mit den hygienischen Gegebenheiten anfreunden. Eine Klopapierrolle und Feuchttücher sollten unbedingt ins Gepäck! Die Iraner sind ein sehr gastfreundliches Volk, freundlich, bemüht und scheinen sich ehrlich über die Gäste aus Deutschland zu freuen. Spontan entstehen auf offener Straße bei einem kühlen Glas Wasser Gespräche. Mit Englisch kommt man gut voran. Wenn wir schon bei den Annehmlichkeiten sind, das vielfältige Essen und die Vielzahl der alkoholfreien Biere ist nicht zu verachten. Und wo gibt es im Hochsommer frische Kokosmakronen? Beim iranischen Bäcker an der Straße!

Das Bergabenteuer beginnt im Bergdorf Poloor und einem Besuch im Bergsteigerzentrum. Ab hier geht es teils off-road mit Allradfahrzeugen ins Basislager auf 3000 m. Die viel fotografierte Moschee thront mittig, Ziegen springen umher, dazwischen Mulis, die auch unser Gepäck ins Hochlager schleppen werden. Und gleich dahinter der Damavand in voller Pracht. Wer sich noch auf einen Akklimatisationsspaziergang rund 500 m höher aufmacht, sollte die Kamera nicht vergessen. Ein zweites Motiv rückt in den Vordergrund, die Mohnblüte mit Damavand. Leider bleiben wir nur eine Nacht. Packen am Morgen rasch alles zusammen und machen uns gemütlich und nur mit leichtem Tagesrucksack zu Fuß auf ins Hochlager. Dort angekommen überrascht die Größe des Lagers. Wir beziehen unsere Zelte mit bereits vorbereiteten Matten und Kissen für die nächsten drei Nächte und stürmen unser Essenszelt. Auch eine massiv gebaute Hütte samt WC-Haus mit mehreren Kabinen ist oben. Alles in allem recht komfortabel. Allerdings sind unsere Zelte maximal weit entfernt. Rund 15 Minuten Fußweg und 50 Höhenmeter Fußmarsch muss man im unwegsamen Gelände für einen Toilettengang auf sich nehmen. Abenteuerlich bei Nacht mit Stirnlampe. Doch was tut man nicht alles für die Akklimatisation, die wir am Folgetag noch weiter vertiefen. In der zweiten Nacht funktioniert es mit der Nachtruhe besser und nach dem frühen Frühstück heißt es: Damavand wir kommen. Über Stunden arbeiten wir uns, motiviert bis in die Stockspitzen, immer weiter nach oben. Passieren bald den Eiswasserfall auf 5000 m Höhe und bekommen eine erste Spur Schwefel in die Nase. Das Wetter schlägt um, es graupelt ein wenig. Oben begrüßt uns der aktive Vulkan bei drehendem Wind mit ordentlichen Ladungen gelbem Schwefel. Es stinkt so sehr, dass wir husten müssen, kaum Luft bekommen. Schnell ein Gipfelfoto und wieder ein Stück herunter. Alles um dem bestialischen Gestank zu entkommen, den im Übrigen auch kein Buff über Mund und Nase abhält. Wieder im Hochcamp genießen wir eine warme Suppe, später ein ordentliches Essen und trollen uns hundemüde in die Zelte. Schon am nächsten Morgen heißt es wieder packen, auf die Mulis verladen und in den heißen Sommer ins Tal absteigen.

Nach dem Transfer ins Stadthotel warten eine ausgiebige Dusche, ein eigenes WC und frische Kleider. So kann es, auf unseren Wunsch über die Vorortagentur organisiert, direkt ins Teheraner Nachtleben gehen. Wir feiern bis spät in die Nacht mit Tee, Alkohol ist streng verboten. Bevor es wieder in die Heimat geht, genießen wir bei einer ganztägigen Stadtbesichtigung die Hitze und Hauptsehenswürdigkeiten Teherans. Schießen Unmengen an Fotos, schlemmen und nutzen die Basare um letzte Mitbringsel einzukaufen. Dabei ist auch Tee mit Safran mitsamt den liebgewonnen Kandis-Safran-Stäbchen. Der Iran ist unbedingt eine Reise wert. Wir haben das Land, seine Menschen und ihre fast grenzenlose Gastfreundschaft auf sehr positive Weise kennengelernt und den Aufenthalt genossen.

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