Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Äthiopien – Völker des Südens

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15 Tage Natur- und Kulturrundreise vom 25.01.- 08.02.2014

Abenteuer Südäthiopien – als Gäste bei den Mursi, Karo, Hamer, Konso, Dorze und Abore

Wer sich zu einer Reise in den Süden Äthiopiens entschließt, braucht vor allem Abenteuerlust, die Bereitschaft, zeitweilig auf heimatlichen Komfort zu verzichten, und äußerst strapazierfähiges Sitzfleisch. Mehr als 2.800 Kilometer hätten wir von Adis Abeba in den Süden bis in das Dreiländereck Südsudan, Kenia und Äthiopien zu den Völkern des Südens zurückgelegt, verkündeten stolz die beiden Fahrer unserer zwei Geländewagen am Ende unserer von DIAMIR gut vorbereiteten Reise. Und das überwiegend auf Schotter-, Stein- und Buschpisten. Sechs bis 12 Stunden täglich, allerdings auch mit unvergesslichen Begegnungen an der Strecke. Kein noch so kurzer Stopp am Straßenrand und wir waren von neugierigen Kindern umringt. Und das manches Mal an Stellen, an denen wir keine Menschenseele erwarteten. Meist neugierig, selten schüchtern aber immer freundlich und meistens mit der Bitte um einen Pen, einen Kugelschreiber, dem allerorts beliebtesten und auch benötigten Mitbringsel der Touristen.

Bereits nach wenigen Fahrstunden hinter Adis Abeba ist unsere kleine Gruppe beim Stopp am Ziway-See von einem Naturschauspiel fasziniert. Ungewöhnlich große Kolonien von Marabus, Pelikanen und verschiedenen Ibissen sind hautnah zu erleben. Gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreicht unsere Gruppe den Langano-See. Wegen seines extrem hohen Sodagehaltes ist hier ein erfrischendes Bad unbedenklich möglich.

Am nächsten Reisetag ist schon von weitem das monotone „duna-duja, duna-duja“ der viehzüchtenden Borana am „singenden Brunnen“ zu hören, in dem die Männer aus großer Tiefe Wasser schöpfen und über viele Stufen in einer Stafette in Plasteeimern von Mann zu Mann nach oben reichen und dieserart das Vieh tränken. Während dessen warten die Frauen geduldig mit ihren Kanistern, bis das Vieh fertig ist.

Am folgenden Tag erwarten wir voller Spannung die erste Begegnung mit einem der vielen im Süden Äthiopiens noch sehr ursprünglich lebenden Völker, den Abore. Wir halten uns an die Bitte unseres äthiopischen Reiseleiters Ahmed, zu warten, bis wir vom Dorfältesten die Genehmigung zum Besuch und die Bedingungen für die von uns natürlich gewünschten Fotos erhalten. Eine Praxis, die sich bei allen besuchten Völkern bewährt und uns unvergessliche Begegnungen aber auch Einblicke in das aus unserer Sicht mehr als harte Leben dieser Völker bescherte. Unsere Befürchtungen, lange um ein Foto bitten zu müssen, schlug schnell in das Gegenteil um. Wir wurden von den Dorfbewohnern pausenlos aufgefordert, sie zu fotografieren. Natürlich gegen einen kleinen finanziellen Obolus von umgerechnet wenigen Cent. Gern präsentierten sich auch die Frauen mit ihren vielen farbenfrohen Glasperlenketten. Ganz anders verlief unsere Begegnung mit den Hamer mit ihrem typischen mit Butter und Lehm gestalteten Haarschmuck. Das Fotografieren schien für beide Seiten eher peinlich zu sein. Zwar wurde unserer Bitte immer entsprochen, aber auch uns war es nicht angenehm, so in ihr Leben einzudringen. Umso erfreuter waren wir über die abendliche Einladung zu einer Hochzeitsfeier. Selbstverständlich respektierte unsere Gruppe die Bitte, die eigentliche Feier nicht zu stören, durften aber bei den traditionellen Tänzen der jungen Männer und Frauen zusehen. Weit in der Steppe beim faden Licht der untergehenden Sonne wohnten wir dieser Jahrhunderte alte Tradition bei. Eine unvergessliche Begegnung, wie sie möglicherweise in zehn bis zwanzig Jahren nicht mehr zu erleben sein könnte, bedauerte unser Reiseleiter und meinte damit auch solche unauslöschlichen Eindrücke wie den Besuch eines Dorfes des weniger als 4 000 Angehörige großen Volksstammes der Mursi, der vor allem durch den Schmuck, die Lippenteller, weltbekannt ist. Die Mädchen weiten sich die in jungen Jahren aufgeschnittene Unterlippe zunächst mit Pflöcken und später mit immer größeren und recht schweren Tontellern mit bis zu 15 Zentimeter Durchmesser. Erst dieser Schmuck macht die Frauen für die Männer attraktiv. Eine Tradition, die inzwischen immer mehr junge Mädchen ablehnen. Auffällige Schönheitsattribute sowohl für die Männer als auch für die Frauen sind die verschiedenen Körperbemalungen, aber auch die Schmucknarben, die sie sich selbst zufügen.

Ganz anders sind die Körperbemalungen der Karo, einem kleinen Volksstamm am Omo-Fluss. Sie malen sich mit verschiedenartigen Tonerden und Pflanzenpigmenten teils symbolische, teils dekorative Muster auf den Körper und formen ihr Haar mit rotem Ton zu fantasievollem Kopfputz.

Die anfängliche Scheu, über den wuseligen Markt der Hamer mit ihren ockerfarbenen Haartrachten und dem unübersehbaren Angebot traditioneller Waren in Dimeka zu bummeln, wich trotz sengender Mittagssonne bald der Neugier. Mittendrin im afrikanischen Dorfleben, von den Einheimischen kaum beachtet, oft aber mit einem freundlichen Lächeln bedacht, konnten wir in Ruhe dem Handel zusehen und die afrikanische Lebensart kennenlernen. Nur ganz selten wurde unsere freundliche Bitte nach einem Foto abgelehnt.

Egal, ob wir die Hamer, Mursi, die Karo, Konso, Dorze und die anderen Völker besuchten, gegenseitige Hemmungen waren schnell abgebaut. Das betraf auch die vielen Begegnungen bei kurzen Stopps zu einem spontanen Marktbesuch. Man ist schnell von zehn bis zwanzig Kindern und Jugendlichen umringt. Reine Neugier – auf beiden Seiten. Ein Foto ist fast immer möglich. Unbeschreiblich lebhaft dann die Reaktionen nach einem Blick auf das Display des Fotoapparates mit dem eigenen Abbild.

Nach allen diesen nachhaltigen Begegnungen und Erlebnissen war die Bootsfahrt auf dem Chamo-See gegen Ende der Reise eine verdiente Entspannung, jedenfalls zu Beginn. Minuten später erwarteten uns am Ufer riesige Nilkrokodile, wegen der Hitze teils mit aufgerissenem Maul, die furchteinflößenden Zähne präsentierend. „Die warten schon auf uns“, scherzte einer in der Gruppe. Etwas weiter beäugten uns neugierig mehrere ausgewachsene Nilpferde. Große Vogelkolonien rundeten das Naturerlebnis ab.

Äußerste Bewunderung empfand unsere kleine Reisegruppe für die Frauen des Landes. In den allerorts gleichen gelben Kanistern schleppten sie bei dieser Hitze geschätzte 20 Liter Wasser oder riesige Brennholzbündel auf dem Rücken und das oft barfuß kilometerweit bis zu ihren Hütten. Trotz aller ihrer Mühen, ein freundliches Lächeln und Winken für die Fremden war fast immer selbstverständlich, obwohl sie gleich darauf in der Staubfahne unseres Autos verschwanden.

Weniger exotisch erlebten wir am letzten Reisetag die Hauptstadt Adis Abeba: Chaotisch, irgendwie in allen Belangen extrem und angesichts der Armut auch etwas deprimierend. Unsere Eindrücke vom größten Markt Afrikas, dem Mercato, ein ganzes Stadtviertel, sammelten wir auf Empfehlung unseres Reiseleiters aus dem Auto und sahen auch bald warum. Unsere beiden Fahrer meisterten auch diese Herausforderung, ebenso, wie die sieben Reifenwechsel auf den Schotterpisten während unserer langen aber beeindruckenden Reise in eine Region, in der punktuell die Zeit stehengeblieben zu sein schien.

Wolfgang Balzer

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