Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Bezauberndes Botswana – Zwischen Tropenträumen und Tiergeflüster

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Ein Land voller Schönheit und unvorstellbarer Weite, mit einer überwältigenden Tierwelt und Jahrtausende alten Zivilisation – Botswana sucht nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent seinesgleichen. Schon beim Abheben mit einem der rustikalen Buschflieger aus der Safari-Hauptstadt Kasane zieht mich die Vielseitigkeit des südafrikanischen Diamanten in seinen Bann.

Zusammen mit einigen anderen Afrikasehnsüchtigen machte ich mich in den Norden des Landes auf, um in eines der größten Binnendeltas der Welt vorzudringen: Auf über 15.000 km² mündet der Okavango mitten in das abflusslose Kalahari-Becken und bildet ein einzigartiges Refugium für die gesamte afrikanische Tierwelt.

Aus der Vogelperspektive im betagten Zehnsitzer erspähen wir badende Elefanten und erahnen das Ausmaß dieses einzigartigen Naturschauspiels zwischen all den kleinen Tümpeln, Palmeninseln und der Savanne.

Unsere erste Station ist die Region, in der sich der träge Okavango mit wenigen Nebenarmen in die unzähligen Kanäle und Lagunen aufspaltet, für die das Delta weltberühmt ist. Nach unserer Ankunft machen wir uns gleich auf, die Gegend um das Bushman Plains Camp im offenen Geländefahrzeug zu erkunden. Gespannt richtet jeder einzelne von uns seinen messerscharfen Blick auf die nähere Umgebung – immer in der Hoffnung, der erste zu sein, dem sich ein Exemplar der „Big Five“ aus dem Dickicht direkt vor die Linse positioniert.

Während wir mit zusammengekniffenen Augen noch suchen, hat er uns schon längst gefunden: Die eleganteste aller Raubkatzen ist wie wir gerade auf Pirsch. Ein Leopard durchstreift das offene Grasland und hält auf Termitenhügeln immer wieder nach potenzieller Beute Ausschau. Im Gegensatz zu uns ist er diesmal aber leider nicht erfolgreich. Vorbei an den vielen Impalas mit ihren Kulleraugen, einigen Zebraherden, scheuen Kudus und mehreren Elefantenfamilien lassen wir die großartigen Sichtungen bei einem Sundowner auf uns wirken.

Am besten erkundet man das schier endlose Delta nicht nur zu Lande, sondern auch aus der Luft per Helikopter. Was daheim als exklusiv gilt, ist hier manchmal die einzige Möglichkeit, die einsam liegenden Camps zu erreichen. Unter uns taucht üppig tropische Landschaft mit dichtem Baumbestand, Dattelpalmen und winzigen Wasserkanälen auf, als wir das Setari Camp erreichen. Es scheint nicht, als befinde man sich mitten im niederschlagsarmen Kalahari-Becken, sondern in einem der zentralafrikanischen Regenwälder.

Am späten Nachmittag nehmen wir in einem kleinen Boot mit Aussichtsdeck Platz und dringen tief in das wasserreiche Delta vor. Immer wieder zweigen wir ab und bahnen uns den Weg durch das Papyrusdickicht. An einer kleinen Lagune endet für uns der Ausflug: Mehr als zwei Dutzend Flusspferde versperren uns die Weiterfahrt. Dafür haben wir Zeit, den Blick über die saftig grünen Weiten schweifen zu lassen und werden Zeugen eines seltenen Schauspiels: Zwei äußerst scheue Sitatungas kommen für wenige Minuten aus ihrem Versteck hervor. Man kann diese hervorragend ans Wasser angepassten Antilopen nur an wenigen Orten in Botswana und Sambia sehen, ein einmaliger Augenblick. Als wir abdrehen, haben wir die glutrote afrikanische Sonne im Rücken – allein schon für diesen Augenblick lohnt es sich, hier herzukommen.

Viele Landschaften in Botswana sind nicht nur von herausragender naturräumlicher, sondern auch kultureller Bedeutung. Das beeindruckendste Monument des Landes erreichen wir nach kurzem Flug Richtung Namibia: Tsodilo Hills. Am „Louvre Afrikas“ befinden sich fast 5000 Felsbilder der Khoisan und Hambukushu, von denen manche weit über 1000 Jahre alt sind. Wir erwandern in knappen drei Stunden verschiedene Malereien, die vor allem Wildtiere und das Verhältnis von Mensch und Tier zeigen und mit einer Mischung aus rotem Steinpulver und Blut aufgetragen wurden. Bis heute ist für die lokale Bevölkerung Tsodilo Hills eine heilige Stätte voller Spiritualität, an der wir teilhaben dürfen.

Ein Besuch Botswanas wäre nicht ganz vollständig, ohne eine Fahrt im Mokoro, dem traditionellen Einbaum, unternommen zu haben. Im hohen Norden des Landes, wo der Okavango sich noch nicht ins Delta ergossen hat, gleiten wir in den schmalen Booten nahezu lautlos durch die Kanäle.

Auch Botswana setzt in puncto Nachhaltigkeit viele Hebel in Bewegung: Statt die wenigen Bäume abzuholzen, werden die modernen Mokoros nun aus Fiberglas gefertigt. Der Schönheit des Ausflugs tut dies jedoch keinen Abbruch: Vorbei an hunderten von blühenden Seerosen bei strahlend blauem Himmel befahren wir auch die kleinsten Wasserrinnen und pausieren an einer saftig grünen Wiese am Rande des Schwemmlandes. Einige Reiher spielen sich als tierische Patrouille auf, kleinere Krokodile verschwinden ins sichere Nass und einige Drachenfliegen zeigen ihr wunderschönes Farbenkleid.

Die fantastischen Begegnungen mit der botswanischen Fauna, Flora und Geschichte wirken auch noch im schwankenden Buschflieger nach, der uns ins beschauliche Maun bringt. Von dort aus trete ich über Johannesburg meine Heimreise ins wintergraue Deutschland an und schwärme im Halbschlaf von Botswanas Schönheit. Jetzt seid ihr dran!

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