Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Von der Märchenwiese ins Hunzaland – Trekking und Kultur in Nordpakistan

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Nach intensiver Prüfung der recht ausgedünnten Reiseangebote der uns bekannten Reiseveranstalter für Erlebnis- und Trekkingreisen entsprach die obige Tour von Diamir Dresden am besten unseren Vorstellungen, zumal Pakistanreisen ohnehin nicht sehr reichhaltig angeboten werden. Nachdem wir vor Ort waren, fragen wir uns schon, warum ist das so? Um es gleich vorwegzunehmen; wir sind viel unterwegs, aber diese Reise war einer unserer eindrucksvollsten, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. Aus unserer Sicht ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Trekking und Kultur, wobei der Schwerpunkt natürlich in Anbetracht der Highlights, die die pakistanischen Berge zu bieten haben, im Trekkingbereich liegt. Es sind anspruchsvolle Bergtouren, die schon ein gewisses Maß an Fitness und Trittsicherheit erfordern, aber für den einigermaßen geübten Bergwanderer kein Problem sind.

Nach kurzen Aufenthalt in Islamabad ging es nach einer ganztägigen Busfahrt, zum Teil auf dem berühmten Karakorum Highway (KKH) in das Indus-Tal zum Ausgangspunkt für die Dreitages-Tour zur Nordseite des Nanga Parbat, dem neunthöchsten Berg der Erde. Von unserem Quartier an der legendären Märchenwiese konnten wir bei einer Tageswanderung zum Basislager auf knapp 4000 m auf den Spuren der großen deutschen Expeditionen der dreißiger Jahre bis hin zu Hermann Buhls Erstbesteigung 1953 wandeln. Auf dem Weg in das Hunzatal verließen wir das Indus-Tal genau an dem geografisch einmaligen Punkt, an dem die drei höchsten Gebirge der Welt, Hindukusch, Himalaya und Karakorum, zusammenstoßen. Vom kleinen Ort Minapin starten wir, um die 1200 Höhenmeter zur Tagaphari-Alm am Rakaposhi-Basislager aufzusteigen. Der Rakaposhi ist mit seinen knapp 7900 m einer der das Hunzatal beherrschenden gewaltigen Gipfel. Zu seinen Füßen erleben wir eine beeindruckende Gletscherlandschaft, zusätzlich gekrönt durch die steil aufragende Pyramide des 7266 m hohen Diran Peak. Bevor wir zum fünftägigen Trekking zum Rash Lake starten, gibt es etwas Regeneration in Karimabad, dem 2450 m hoch gelegene Hauptort des Hunza-landes. Auf dem Weg zum Rash Lake ist der Bualtar- und Barpugletscher zu überqueren; ein interessantes Erlebnis für diejenigen, die noch keinerlei Gletschererfahrung hatten. Nach einem anspruchsvollen Aufstieg erreichen wir den auf einer Höhe von knapp 4700 m idyllisch gelegenen höchsten Bergsee Pakistans. Ein besonderer Höhepunkt ist die Besteigung des 5098 m hohen Rash Peak, von dem sich ein beeindruckendes Gipfelpanorama bis hin zu den ungefähr 160 km entfernt liegenden Achttausendern K2 und Broad Peak bietet. Den nördlichsten Punkt unserer Reise, etwa 140 km entfernt von der chinesischen Grenze, erreichen wir in den Orten Gulmit/Passu, in deren Nähe sich das steil aufragende und stark zerklüftete Felsmassiv des Tupopdan („Die Kathedrale“) aufbaut. Auf der kurzen Fahrt dorthin bestaunen wir den Attabad-See mit seinem türkisblauen Wasser, der durch einen gigantischen Felssturz 2010 entstand, da dadurch monatelang der Hunza-Fluß angestaut wurde. Mit chinesischer Hilfe wurde der KKH großzügig neu trassiert und durch mehrere Tunnel geführt. Der KKH ist ja ein Teilstück der sogenannten Neuen Seidenstraße. Mit dem Flugzeug verlassen wir den Karakorum und fliegen in etwa einer Stunde nach Islamabad zurück. Wer auf der linken Seite im Flieger sitzt, kann zum Abschluss nochmals das komplette Panorama des Nanga Parbat für einige Minuten vorbeiziehen sehen. Die restliche Zeit verbringen wir mit einigen lohnenswerten Besichtigungen in Islamabad und einen Gang durch die Basarstraßen in der Altstadt von Rawalpindi, um zum Abschluss das quirlige, typisch asiatische-orientalische Flair zu erleben. Fazit: Wir hätten großartiges verpasst, wenn wir nicht nach Nordpakistan gefahren werden. Offenherzige, kontaktfreudige Menschen, grandiose Landschaften, interessante Kulturen. Perfekte Organisation der örtlichen Partneragentur von Diamir, wunderbare Führung durch die beiden Reiseführer Zafar und Arif, die aus unserer Sicht keinerlei Kritik bedarf.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zur im Bekanntenkreis immer wieder gestellten Frage nach dem Sicherheitsrisiko: Aus unserer Sicht ist Urlaub in Nordpakistan genauso gefährlich wie Urlaub in Deutschland oder Frankreich!

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