Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Fotoreise im November 2018 durch Myanmar – Zwischen Tradition und Aufbruch im Land der goldenen Pagoden

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Yangon

Schon von weitem sichtbar – dieses Jahr ist die zentrale Stupa der Shwedagon-Pagode mit Bambus eingerüstet, weil sie gesäubert und mit neuem Blattgold versehen wird. Hinter den dünnen aber stabilen Stangen sieht und hört man die Arbeiter bei ihrer Tätigkeit. Am Gerüst sind lange Seile mit buddhistischen Fahnen befestigt, die im Wind flattern. Von der zentralen Plattform der Pagode aus steigen die Gebete der Gläubigen wie auch Rauch und Duft der Räucherstäbchen nach oben in den blauen Nachmittagshimmel.

Wie so oft hat uns der erste Besuch hierher, ins spirituelle Zentrum des ganzen Landes, geführt. Die Atmosphäre ist wie immer tief beeindruckend, heilig und alltäglich zugleich. Auf der einen Seite haben sich Mönche, Nonnen und Burmesen zur Meditation hingesetzt, auf der anderen spielen die Kinder. Langsam wird es dunkel, Lichter werden angezündet, Blumensträuße geopfert, viele kleine Prozessionen erleben wir an diesem Abend.

Am nächsten Morgen besuchen wir das Kloster Naga, welches am Stadtrand liegt. Freiwillige der National League for Democracy (von Aung San Suu Kyi) helfen rund um die Gebäude der Nonnen in der Gartenarbeit und Hofpflege und mit Hilfe unseres kommunikationsfreudigen Guides Shine können wir etwas von ihren Ansichten und ihrer politischen Arbeit erfahren. Die jungen Nonnen kommen gerade vom Schulunterricht und gesellen sich interessiert dazu. Gleich wird es Mittagessen geben und wir sind eingeladen, uns im Bereich der Küche oder im Esssaal umzuschauen.

Goldener Felsen

In diesem Jahr stehen bei der Fotoreise Myanmar wieder die großen Highlights des Landes im Mittelpunkt des Programms – und ein Besuch am Goldenen Felsen ist ganz sicher eins davon. Von Yangon fahren wir einige Stunden durch fruchtbares und landwirtschaftlich stark genutztes Flachland bis zum sogenannten Basecamp. Auch wenn es inzwischen eine Seilbahn hinauf zum Goldenen Felsen gibt, ist die Fahrt auf der Pritsche eines Lastwagens immer noch die schönste Art, um vom Basecamp aus die rund 1100 Meter hoch gelegene Felskuppe zu erreichen. Am Nachmittag versammeln sich die Pilger am Felsen, vollziehen ihre Rituale, opfern Früchte, tragen auch hier ihr Blattgold auf. Bei Kerzenschein singen sie ihre Mantren teilweise bis in die Nacht. Die Atmosphäre ist gelassen, Motive gibt es tausendfach. Sowohl die Mönche wie auch die anderen Besucher sind der Fotografie gegenüber sehr aufgeschlossen, weil sie auch selber ihre Handys oder Kameras im Gewand tragen und immer wieder auch nach einem Foto mit den westlichen Besuchern fragen. Am nächsten Morgen auf dem Rückweg besuchen wir eine Kautschukplantage und bekommen den Prozess der Herstellung von Gummi gezeigt und erklärt. An einem Fluss beobachten wir, wie Seenomaden, die vorübergehend in die Stadt gekommen sind, mit ihren Netzen vom Boot aus fischen. Wir besuchen bei Bago eine Schulklasse und erleben beim Sonnenuntergang die Restaurierungsarbeiten an den Füßen eines großen liegenden Buddhas.

Heho, Pindaya, Kalaw, Inle-See

Mit dem Flieger geht es ins Hochland, schon aus der Luft sehen wir die zu dieser Jahreszeit überall blühenden schönen gelben Felder des Senfs. Es ist Erntezeit, der Kohl wird in Lastwagen abtransportiert zu den Märkten der großen Städte, Chili und Mais liegen zum Trocknen vor den Häusern. Auf einer eintägigen Wanderung kommen wir ins Gebiet der Taung Yoe und der Padang, werden in Häuser eingeladen zum Tee, erleben die Freundlichkeit der Menschen und ihr Interesse z. B. zu erfahren, wie stark denn der Buddhismus in unseren Ländern verbreitet sei.

Ein Aufenthalt am Inle-See ist immer ein absoluter Höhepunkt einer Myanmar Reise. Das Klima ist angenehm, der See voller Leben – überall wird gefischt, Wasserlilien entfalten ihre rote Pracht nur für den Vormittag, in den schwimmenden Gärten wachsen Tomaten und Gurken, auf den Märkten wird gehandelt, die alten Pagodenfelder in Indein oder Sagar berichten von vergangenen Zeiten und strahlen eine unfassbare Faszination aus.

Bagan

Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch im weitläufigen Tempelfeld von Bagan, einer historischen Köngisstadt mit über zweitausend erhaltenen Sakralgebäuden. Hier ist es heißer als im Hochland – die Region liegt in der Ebene des mehr als 2000 km langen Irrawaddy-Flusses, in der sich schon vor über 1000 Jahren die Handelswege aus China und Indien trafen, was der Region zu großem Wohlstand und entsprechender kultureller Entwicklung verhalf.

Sonnenauf- und -untergang sind die schönsten Zeiten zum Besuch an den Pagoden- und mittags ist es wunderbar im Inneren der Tempel. Viele Wandmalereien, Buddha-Statuen oder verwinkelte Gänge und Fenster überraschen den Besucher hier.

Ngapali

Die Reisetage waren äußerst gefüllt mit Erlebnissen bis hierhin und so ist es sehr erholsam, einige ruhigere Tage am schönen Strand von Ngapali verbringen zu können. Ausruhen, baden, Bootfahren – und fotografisch reizt gleichzeitig das nahe gelegene Fischerdorf Jadetaw zu einem Spaziergang am frühen Morgen: Hunderte Fischer kommen von ihrer nächtlichen Fahrt zurück, tragen ihren Fang in Körben zum Strand, verkaufen ihn dort direkt an Händler, die mit ihren Mopedanhängern in Warteposition stehen, oder trocknen ihn auf großen Planen auf dem Strand in der mittäglich heißen Sonne.

Mrauk U

Ein Teil unserer Gruppe verbringt die letzten Tage noch in einem Anschlussprogramm in Mrauk U, ebenfalls einer alten Königsstadt im Westen Myanmars, zu der man erst nach einer fünfstündigen Fahrt über den Fluss Kaladan von der Hafenstadt Sittwe aus gelangt. Hier liegen in einer schönen Hügellandschaft eine Vielzahl von Pagoden, die morgens oft mystisch von Nebel und Rauch (der Feuer in den Häusern) umgeben werden. Noch einmal für eine Tagesfahrt zum Gebiet der Chin ins Boot gestiegen, lassen sich hier auf dem Fluss Lemro Dörfer und Tätigkeiten der Menschen sehr nah und authentisch beobachten. Es wird gefischt, an den Flussufern wird Gemüse angebaut, Wasserbüffel suchen dort mittags ihre Abkühlung im nassen Element. Zu Flößen gebündelte lange Bambusstangen treiben mit ihren Verkäufern flussabwärts zu den Küstenregionen, ebenso in harter Arbeit eingesammelte große Steinkiesel. Beim Stamm der Chin war es bis vor ca 60 Jahren üblich, dass die Gesichter der jungen Frauen tätowiert wurden. Dies geschah als Initiationsritus des Übergangs in der Entwicklung vom Mädchen zur Frau, bedeutete aber auch Schmückung und Ausdruck einer sozialen Stellung. Heutzutage genießen die gesichtstätowierten älteren Damen ein hohes Ansehen, kommen doch oft Besucher in ihre Dörfer um sie treffen zu können.

Drei Wochen Myanmar, dichte Tage voller Erlebnisse in Dörfern, Städten, auf dem Wasser, in den Hügeln, im Flach- und Hochland, unfassbar freundliche Menschen, unzählbare attraktive Motive zur Fotografie – und wenn man am letzten Morgen vor der Abreise im Hotel in Yangon wach wird und aus dem Hotelfenster den blutroten Mond über der Shwedagon Pagode untergehen sieht, dann bleibt einem wirklich der Atem stehen und der Zauber dieses südostasiatischen Landes hat einen unwiderruflich in den Bann geschlagen! Im Januar 2020 wird diese Reise mit dem gleichen Programm wieder angeboten, wollen Sie Myanmar kennenlernen?

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