Wo bist Gnu? Serengeti erklärt!

Auf den Spuren der großen Tierwanderung in Tansania und Kenia

Teilen Tim Turowski 01.06.2023

Wenn die Erde bebt und das Wasser spritzt.

Goldene Grashalme die sanft im Wind tanzen, das Schnaufen der vorbeiziehenden Gnu-Herden und der süße Duft von Freiheit in der Luft. In den weiten Savannen der Serengeti und der Masai Mara in Kenia und Tansania offenbart sich jedes Jahr eine der wohl spektakulärsten Tierwanderungen der Welt - die große Migration.

Während Mitteleuropa von eisiger Kälte umschlossen ist, begrüßt Sie beim Verlassen des Flughafens eine angenehme Temperatur und wohltuende Wärme. Das äquatoriale Klima lädt ganzjährig zum Reisen ein.

Im Laufe des Jahres verändert sich die Kulisse der Natur stetig. Temperaturen, Regenfälle und die Landschaft sind in einem ständigen Wandel. Doch gerade in dieser Vielfalt liegt der Reiz: Jede Jahreszeit birgt ihre eigene Geschichte, voller Dramatik und Wunder, welche darauf warten entdeckt zu werden.

Der Himmel füllt sich mit dunklen Wolken und Regentropfen tränken die Savanne 

Während der Regenzeiten sprießt das saftige Grün aus dem Boden, und die Flüsse und Wasserlöcher füllen sich mit Leben. Die wilde Tierwelt versammelt sich an den Ufern, um ihren Durst zu stillen und die fruchtbaren Weiten zu genießen. Es ist eine Zeit des Überflusses, in der die Jäger und die Gejagten in einem delikaten Tanz des Überlebens miteinander verschmelzen.

Safari durch die Masai Mara
Safari durch die Masai Mara Archiv

Wenn die Sonne ihren Zenit erreicht und die Hitze das Land in ihrem Griff hat

Auch die trockenen Zeiten haben ihren ganz eigenen Zauber. Die weitläufigen Ebenen zeigen sich in goldenem Glanz, und die Tiere müssen sich auf die Suche nach Wasser und Nahrung begeben. Es ist eine Zeit der Herausforderungen, in der die Stärksten und Klügsten überleben.

Löwentatze im Sand
Ein Löwe im Serengeti Nationalpark
Gnuwanderung in der Serengeti
Bild 1: Löwentatze im Sand Jörg Ehrlich
Bild 2: Ein Löwe im Serengeti Nationalpark Archiv
Bild 3: Gnuwanderung in der Serengeti Marie Scholz

Januar bis März

Die Zeit von Januar bis März ist die wärmste (26-27°C), es regnet wenig, in Ostafrika ist Sommer. Durch die vorangegangene „kleine Regenzeit“ ist die Landschaft grün und fruchtbar. Die Kalbezeit der großen Herden lässt sich eindrucksvoll in der südlichen Serengeti erleben und sorgt bei den Raubtieren für gute Beute, was wiederum besonders spannende Beobachtungen erlaubt – Jagdszenen wie im Dokumentarfilm sind durchaus keine Seltenheit.

Passionierte Vogelbeobachter kommen auf ihre Kosten, denn unsere europäischen Zugvögel überwintern hier. Wenn sich dann im März gewaltige, dunkle Wolkenberge als Vorboten des ersehnten Regens über der strahlenden Savanne aufbauen, bilden sie den besten Hintergrund dramatischer Tier- und Landschaftsfotografien.

Blick auf das Serengeti View Camp in der Savanne
Blick auf das Serengeti View Camp in der Savanne Archiv

März bis Juni

Die „große Regenzeit“ mit dem Südost-Monsun beginnt manchmal schon Ende März und kann bis Mai/Juni andauern. Die Temperaturen liegen durchschnittlich bei 24-25°C. Das ist die „green season“ und wie der Name schon sagt, fällt nun der meiste Niederschlag des Jahres, allerdings nicht als Dauerregen, sondern meist stark in einer kurzen Zeit. Den Rest des Tages sind die Safarierlebnisse geprägt von einer üppigen grünen Natur, alle Staubwolken sind wie weggewaschen. Und nicht nur der Staub, auch die vielen Besucher, mit denen Sie die Nationalparks während der anderen Monate teilen, fehlen.

Die großen Herden ziehen zur zentralen Serengeti, im Mai sind sie meist in der zentralen und westlichen Serengeti zu finden.  Und auch die verschiedenen Vögel fühlen sich sichtlich wohl und die Pflanzen der Savanne erblühen.

Pluspunkte für Safaris im April und Mai:

Wer in diesen Monaten nach Ostafrika reist, wird mit authentischen Eindrücken der Wildnis, ungestört von anderen Safarifahrzeugen, belohnt. Liebhaber der Fotografie werden die satten Farben und das gute Licht zu schätzen wissen. Fluggesellschaften, Safariunternehmen und die Camps in den Nationalparks locken mit günstigen Preisen und individuellem Service.

Von-der-Decken-Toko, ein Nashornvogel
Blick auf das satte Grün des Ngorongoro-Kraters in der Regenzeit
Bild 1: Von-der-Decken-Toko, ein Nashornvogel Michael Lohmann
Bild 2: Blick auf das satte Grün des Ngorongoro-Kraters in der Regenzeit Lars Eichapfel

Juni bis Oktober

Von Juni bis Oktober ist Trockenzeit, die Temperaturen liegen zwischen 22 und 26°C, nun sind die Nächte am kühlsten. Nach der „großen Regenzeit“ ist das Gras am höchsten und die Tiere finden in zahlreichen Löchern Wasser, deswegen sind sie Anfang Juni am schwersten auszumachen. Gleichzeitig ist der Himmel klar, die Tiere sind wohlgenährt und glücklich und es sind wenig Besucher in den Parks, weswegen Sie die Sichtungen besonders genießen können. Bald schon vertrocknen Vegetation und Wasserlöcher und die Tiere sind gezwungen, zu den verbliebenen Wasserstellen zu kommen, wo man sie nun gut beobachten kann.

Elefanten im hohen Gras
Elefanten im hohen Gras Lars Eichapfel

Mehr als 1,5 Millionen Tieren

Ende Juni überqueren die riesigen Herden den Grumeti-Fluss und erreichen die Masai Mara, wo sie beginnen, die Weiden abzugrasen. Insgesamt halten sich zwischen Juli und September mehr als 1,5 Millionen Gnus und Zebras in Kenia auf.

Beeindruckendes Rivercrossing

Die ersten „Rivercrossings“ können schon im Juli erlebt werden, wobei niemand voraussagen kann, ob und wo die Herden schließlich den Fluss durchqueren. Viele Besucher kommen in dieser Zeit, um solch einen spektakulären Moment zu erleben, daher ist die nördliche Serengeti im August am besten besucht. Klarer Himmel und Sonnenschein sorgen besonders morgens und abends für stimmungsvolles Licht und eindrucksvolle Bilder.

Spektakuläre Flussdurchquerung während der großen Migration

Die Überquerung nach Tansania

Zwischen August und Oktober ziehen die Herden dann wieder südwärts, müssen in halsbrecherischen Aktionen die Flüsse Mara oder Talek überqueren und erreichen schließlich die Serengeti in Tansania.

Gnus und Zebras werden bei der Flussquerung von einem Krokodil überrascht
Gnus und Zebras werden bei der Flussquerung von einem Krokodil überrascht Marie Scholz

Oktober bis Dezember

Mitte Oktober beginnt die „kleine Regenzeit“ mit dem Nordost-Monsun, jetzt erreichen die Temperaturen durchschnittlich 24°C. Die Natur erholt sich nur langsam von der Trockenheit, die Tiere sind an den verbliebenen Wasserlöchern gut zu sehen. Die Regenfälle können bis Mitte November anhalten und im Dezember kehrt das frische Grün dann überall zurück. Besucher kommen in dieser Zeit weniger, was wiederum das Safarierlebnis schöner macht.

Der Oktober ist ein sehr guter Monat für Tierbeobachtungen in der Masai Mara. Wenn die großen Herden im November aus der Masai Mara verschwunden sind, kehren viele Elefanten zurück, die vorher das Feld geräumt haben. Die Herden sind wieder in der Serengeti und ziehen südwärts. Deutlich zu erkennen sind die trächtigen weiblichen Huftiere, die die Weidegründe in der südlichen Serengeti aufsuchen, um für die Geburt vorbereitet zu sein. Unsere Zugvögel kommen jetzt an und überwintern hier.

Die Jäger der Savanne

Löwen, Leoparden und Geparden warten geduldig in ihren Revieren auf das Eintreffen der beeindruckenden Herden. Unabhängig von der Jahreszeit bietet sich immer eine großartige Gelegenheit, diese faszinierenden Tiere zu beobachten. Zusätzlich zu den Millionen Wanderern gibt es auch einen beträchtlichen Anteil der Herden, der nicht an der großen Migration teilnimmt, sodass Gnus, Zebras und Antilopen zu jeder Zeit in reichlicher Anzahl zu bewundern sind.

Ein Leopard thront in einem Baumgipfel
Löwengeschwister
Gepardenbrüder mit ihrer Beute

Die große Migration in Kenia und Tansania ist eine epische Saga, bei der wir als Zeugen dabei sein dürfen. Wir tauchen ein in die Schönheit und Wildheit dieser unberührten Landschaften, erleben den Herzschlag der Natur und spüren den Puls des Lebens. Es ist eine Reise voller Überraschungen.

Inmitten dieses faszinierenden Wechselspiels von Naturgewalten und tierischem Überlebenskampf liegt der Kern der großen Migration. Ein Jahr um Jahr wiederkehrendes Phänomen, das die Landschaften erzittern und das Wasser spritzen lässt. Wilde Herden von Gnus, Zebras und Antilopen durchqueren die Steppe in einer schier endlosen Wanderung auf der Suche nach grünen Weiden und fruchtbaren Ufern. Ihre Reise ist von Mut und Entschlossenheit geprägt, während Raubtiere ihnen auf den Fersen sind, immer auf der Suche nach ihrer Chance.

Tierbeobachtung in der Masai Mara
Tierbeobachtung in der Masai Mara Thomas Kimmel

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Sport ist ein besonders wichtiger Teil meines Lebens – vor allem beim Radfahren und Trekking fühle ich mich richtig frei. Nach meinem Sportstudium wollte ich die Welt sehen. So bin ich in die Reisebranche gerutscht – zuerst als Reiseleiter auf Trekking- und Bergtouren in Asien, Südamerika und Afrika, dann auch... Mehr

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